Mönche im Maha Gandaryon Kloster bei Amarapura in Myanmar

Maha Gandaryon Kloster

Ausflug nach Amarapura – die Stadt der Unsterblichen

Das Maha Gandaryon Kloster in Amarapura ist eines der landesweit größten und bekanntesten Klöster Myanmars. Insbesondere zum Bettelgang vor der Mönchsspeisung zieht es auch viele Reisegruppen dorthin. Von den Veranstaltern wird ihre Promenade gerne als eines der Highlights von Rundreisen durch Myanmar genannt.

Mögliche Verbesserung der Reiseplanung

Am Neujahrsmorgen drängt sich uns eine wichtige Frage auf: Warum haben wir heute eigentlich keinen reinen Transfertag? Ein passender Reiseverlauf wäre gewesen, wenn wir, anstatt mit dem JJ Express-Bus zu fahren, von der Hauptstadt Yangon nach Mandalay geflogen wären. Dann hätte sich das Programm verschoben, womit die Fahrt mit einem der Boote nach Bagan möglich gewesen wäre.

So eine gemütliche Bootstour würde jetzt, am Tag nach Silvester, bestens ins Programm passen. Stattdessen steht am frühen Morgen Amarapura, die Stadt der Unsterblichen, auf dem Programm. Somit starten rund 100 Prozent unserer Gruppe ganz schön müde ins neue Jahr.

Besuch des Maha Gandaryon Klosters

Die umstrittenste Sehenswürdigkeit während unserer Rundreise

Als Erstes fahren wir zum Maha Gandaryon Kloster. Es ist die umstrittenste Sehenswürdigkeit während unserer Rundreise durch Myanmar. Auch Htet Htet ist anzumerken, dass ihr der Klosterbesuch unangenehm ist, denn sie ist gläubige Buddhistin. Sie schätzt und würdigt Mönche und will diese daher nicht vorführen. Auf der anderen Seite stehen die Reiseveranstalter. Sie wissen, dass Touristen in Asien Mönche sehen wollen.

Dabei waren uns schon zuvor in Laos die Schattenseiten solch eines Programmpunkts aufgefallen. Denn bei manch einem Tourist schwindet plötzlich jedweder Anstand, wenn er auf Mönche trifft. In Laos war das für uns mit ein Grund, warum wir den Almosengang in Luang Prabang lieber verschlafen haben. Nun, wo wir schon mal da sind, wollen wir uns möglichst am Riemen reißen und den Bewohnern des Klosters den nötigen Respekt erweisen.

Blick in die Küche des Maha Gandaryon Klosters

Disziplin im Maha Gandaryon Kloster

Das 1914 gegründete Maha Gandaryon Kloster zählt zu den landesweit größten und bekanntesten Klöstern Myanmars. Es wird für seine Strenge und Disziplin gerühmt. Vielleicht sind die vielen Touristen, die ja vom Abt zugelassen werden müssen, eine Art Prüfung für die Mönche? Ordinierte Mönche haben 227 Lebensregeln, die einzuhalten sind.

Kindermönche sollen sich zumindest an die ersten zehn Regeln halten, welche besagen: nicht töten, nicht stehlen, nicht lügen, sexuelle Abstinenz, keine Drogen und kein Alkohol, kein Essen nach 12 Uhr mittags, keinem weltlichen Vergnügen nachgehen, auf jeglichen Schmuck verzichten, nicht in bequeme Betten schlafen und kein Geld annehmen bzw. anfassen.

Arbeitsverbot der Mönche

Sich an alle diese Lebensregeln zu halten, ist sicherlich sehr schwierig. Was den Mönchen hingegen leichtfallen dürfte, ist das Arbeitsverbot. Aber gut. Wir beginnen unseren Rundgang direkt am Parkplatz mit der Großküche des Klosters. Wir können hineingehen.

Drinnen schälen freiwillige Helfer Kartoffeln, während andere in riesigen Töpfen rühren. Beachtlich ist die Reiskochanlage mit gesondertem Brennofen und einem Leitungssystem für heißes Wasser. Aber wie sonst sollte man Hunderte von Mönchen satt bekommen?

Anschließend schlendern wir über das Grundstück und blicken in die noch leeren Essenssäle. Immer wieder fahren kleine Lieferwagen an uns vorbei und bringen die vollen Kochtöpfe zur Essensausgabe. Beim Abladen packen auch die Mönche mit an. Der Hunger wird sie antreiben.

Aber vielleicht erkennen sie darin auch einfach keine Arbeit? Andere sind noch beim Duschen. Mit Kellen leeren sie sich Wasser über den Kopf. Es ist offensichtlich, dass sie nicht fotografiert werden wollen. Sie huschen flink an jeglichen Kameras der Touristen vorbei.

Bettelgang der Mönche

Ab 10 Uhr sollen wir an der Straße warten, auf der sich die Mönche für die Speisung aufstellen. Der Bereich direkt vor der Essensausgabe wird bereits von Touristen belagert. Waren wir anfangs noch der erste Bus beim Maha Gandaryon Kloster, so trifft nun eine Gruppe nach der anderen ein. Wir verzichten auf die Drängelei und spazieren ein Stück weit die Straße hinunter, bis wir zu einem freien Abschnitt kommen. Hier, unter hohen Bäumen, ist es deutlich angenehmer und werden wir sicher auch Mönche sehen.

Tatsächlich verstreichen nur wenige Augenblicke, bis die ersten Mönche eintreffen und sich direkt vor uns aufstellen. Wie praktisch für uns! Schade nur, dass die ersten Koreaner befürchten, etwas zu verpassen. Sofort kommen sie angerannt und drängen sich an uns vorbei auf die Straße. Jetzt müssen die Mönche stillstehen. Aufsichtsmönche drängen die ungeduldigen Gäste jedoch wieder zurück auf die Gehwege.

Bald reihen sich weitere Mönche ein, während einige der Koreaner Spenden auf die Speisetöpfe der Männer legen. Neben Essen werden auch Schreibartikel, Geld und Süßigkeiten gespendet. Wobei die Süßwaren im Kloster nur entfernt dem Angebot ähneln, das wir in Mitteleuropa kennen. Oftmals handelt es sich lediglich um ortstypisches Gebäck oder Süßspeisen aus Mehl, Eiern und reichlich Zucker.

Diszipliniert laufen die Mönche zur Speisung

Schließlich setzt sich der ganze Trupp in Bewegung. Diszipliniert laufen die Mönche gruppenweise zur Speisung, holen ihr Essen und suchen ihre Plätze in einem der Essenssäle auf. Bis uns alle passiert haben, vergeht eine ganze Weile. Aber hier leben nun einmal sehr viele Mönche. Darum beginnt das »Spektakel« auch schon um 10:30 Uhr.

Schließlich dürfen die Mönche auch hier nach 12 Uhr keine Nahrung mehr zu sich nehmen, ausgenommen Fruchtsäfte und Honigbonbons. So sitzen sie nun still vor ihren Näpfen und genießen ihr Mahl. Anders als so manch anderer Tourist sehen wir davon ab, in die Säle zu fotografieren. Wir wollen ihnen die Ruhe lassen, die wir uns an ihrer Stelle wünschen würden.

Video zum Maha Gandaryon Kloster bei Amarapura

Rundgang durch das Maha Gandaryon Kloster bei Amarapura mit der Großküche und den Unterkünften der Mönche. Aufnahmen vom Essensgang der Mönche.

VG Wort