Ausstellungszentrum WWZ (WDNCH)

Die Dauereinrichtung zum 20. Jahrestag der Revolution

Denkmal »Der Bauer und die Kolchosbäuerin« beim WDNCH in Moskau
Riesenrad im Erlebnispark des WWZ´s

Den letzten Morgen nutzen wir für einen Spaziergang über das Allrussische Ausstellungszentrum WWZ (WDNCH). Praktisch für uns und die anderen Gäste des Hotels Kosmos ist, dass sich das 1923 errichtete Ausstellungsgelände gleich auf der anderen Straßenseite befindet. Allerdings sollte man deshalb nicht auf die Idee kommen,

dass es bis dahin nur ein Katzensprung weit ist. Nach Moskauer Verhältnissen vielleicht. Vom Hotelausgang, durch die Unterführung, vorbei an der Metro-Station »WDNCH« bis zur Magnetschwebebahn sind es rund 800 Meter. Nochmals 200 Meter weiter müssen wir laufen, bis wir beim Denkmal »Der Bauer und die Kolchosbäuerin« sind.

Brunnen Völkerfreundschaft beim Ausstellungszentrum WWZ
Pavillon beim Ausstellungszentrum WWZ in Moskau

Hinter dem Denkmal erreichen wir die eigentliche Ausstellungsfläche. Ursprünglich plante Lenin, hier die volkswirtschaftlichen Errungenschaften der UdSSR zu demonstrieren. Dabei handelte es sich bis 1937 um eine temporäre Ausstellung.

Erst zum 20. Jahrestag der Revolution wurde das Gelände zu einer Dauereinrichtung umgestaltet. Dabei durften sich auch 16 Unionsrepubliken mit landestypischen Pavillons verewigt sehen.

Eingangspavillon mit kleiner Rakete beim WWZ
Pavillon der Völker Russlands im Ausstellungszentrum WWZ
blattvergoldete Brunnenfigur im WDNCH von Moskau

WWZ - Ausstellung der scheinbar idealen Sowjetunion

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges planten die Sozialisten, auf dem Gelände des WWZ eine Art Ideal-Sowjetunion entstehen zu lassen und die Leistungsfähigkeit des Landes vorzuführen. Hierfür wurde das Gelände zwischen 1947 und 1954 durch Alleen, Promenaden und Plätze erweitert.

Als einer der Glanzpunkte erreichen wir auf dem Platz hinter dem Zentralpavillon den Brunnen der Völkerfreundschaft: laut unserem Reiseführer besteht er aus achthundert Fontänen. Schade nur, dass er am Vormittag außer Betrieb ist, sodass wir uns mit den blattvergoldeten Brunnenfiguren begnügen müssen.

zentraler Pavillon beim WDNCH von Moskau
hinterer Teil des WWZ´s in Moskau

Für nur fünf Jahre dienten die Pavillons als Ausstellungsfläche für Waren aus allen Teilen der UdSSR. Die meisten der Waren waren dabei tatsächlich nicht viel mehr als Ausstellungsstücke, wie zum Beispiel Melonen, die in kaum einem Moskauer Geschäft den Weg ins Regal schafften. 1959 hatten die Machthaber wohl ein Einsehen, dass es auf Dauer eher schadet,

der Bevölkerung Dinge zu zeigen, die sie ihnen Dank der Planmisswirtschaft nicht wirklich bieten können.
Als Folge änderten sie das Ausstellungskonzept und informierten die Besucher stattdessen über die verschiedenen Wirtschaftszweige. Allen voran die Raumfahrt, mit der man am einfachsten protzen konnte, ohne in die Verlegenheit zu geraten, eine Nachfrage bedienen zu müssen.

Eingang auf das Ausstellungsgelände WWZ von Moskau
eine Aeroflot auf dem Ausstellungszentrum WWZ

Wie ab Mitte der 50er Jahre wird man auf dem Gelände auch heute mit Musik berieselt. Damals mit sowjetischen Liedern, heute eben mit Tracks der internationalen Charts. Zumindest aber sind die vielen Lautsprecher so angebracht, dass einen die Musik fast durch das gesamten Gelände in einer gleichbleibenden Lautstärke mit nur wenigen Überlagerungen begleitet.

Wenn dann noch die Sonne scheint, kann man dann auch mal wieder durchatmen und die Hektik des Zentrums, der U-Bahn und des letzten Frühstücks im Hotel von sich abfallen lassen.

Nachbau der Wostok-Rakete beim Ausstellungszentrum WWZ
Pavillon im hinteren Teil des Ausstellungsgeländes WWZ
Annette freut sich auf Zuhause - WWZ in Moskau

Nachdem wir am anderen Ende des WWZ angekommen sind, haben wir schon wieder 2500 Meter zu Fuß zurückgelegt. Zur Zeit der Sozialisten hätten wir hier eine Stalin-Statue bestaunen können. Da diese Zeit zum Glück vorbei ist, stehen wir stattdessen vor einer Rakete.

Aber was heißt hier, vor einer Rakete? Es ist immerhin eine Kopie der legendären »Wostok«, mit der Jurij Gagarin einst als erster Mensch in den Weltraum startete. Kaum vorstellbar, dass dieses kleine Teil wieder heile auf der Erde aufsetzen konnte. Gagarin ist doch heile zurückgekehrt, oder?

Achterbahn »Wilde Maus« beim Ausstellungszentrum WWZ in Moskau
Spieße mit Gegrilltem beim Ausstellungszentrum WWZ

Als wenn fünf Kilometer Wegstrecke für einen Morgen nicht genug wären, machen wir auf dem Weg zurück ins Kosmos noch einen Abstecher in den Freizeit- und Erlebnispark des WWZ. Neben einem kleinen Riesenrad und ein paar Rüttel- und Wirbelmaschinen finden wir hier die »Wilde Maus«,

eine Achterbahn, die einst auf den deutschen Jahrmärkten unterwegs war. Hier also hat sie ihre letzte Bleibe gefunden. Anstelle einer angstschweißtreibenden Fahrt gönnen wir uns einen heißen, etwas überteuerten Plastikbecher Kaffee Latte, bevor wir zurück ins Hotel gehen.

Abschied von der russischen Hauptstadt

Bilder auf dem Alten Arbat
Handlesen auf russisch

Moskau - wer diese Stadt richtig erkunden will, braucht deutlich mehr Zeit als die paar Tage, die wir zur Verfügung hatten. Und doch können wir es nicht wirklich bedauern, als wir die Stadt nach drei Tagen und vier Nächten wieder verlassen. Mag sein, dass wir nicht mehr so fit sind wie noch bei unseren Reisen nach Paris, Lissabon oder Barcelona. Sicher jedoch ist, dass uns Moskau ganz schön geschafft hat.

Fährt man mit öffentlichen Verkehrsmitteln, geht man in der Masse der Mitfahrer unter. Nimmt man, wie bei der Fahrt zum Kreml, das Auto, geht es nur schleppend voran. Und denkt man: »ach, das ist ja nur eine Station weit.«, so folgt die Strafe auf dem Fuß, da die Wege durch die Stadt gleichsam hart wie weit sind.

Feldkanonen Napoleons
Wehrmauer des Neujungfrauenklosters

Trotzdem ist Moskau eine Reise wert. Mehr noch: die Hauptstadt Russlands gehört unbedingt auf die Liste jedes Städtereisenden. Sei es der herrlichen Kathedralen wegen, der einmalig schönen Atmosphäre auf dem Roten Platz von Moskau oder auch einfach, um sagen zu können: »Ich war in der größten Stadt Europas.«
Allerdings sollte man sich genauso unbedingt gut überlegen,

was man sich anschauen will und sich einen möglichst genauen Plan mit den einzelnen Metrolinien und Stationen ausarbeiten, um nicht in dem Trubel unterzugehen. Auch sollte man sich nicht von überteuerten Restaurants davon abhalten lassen, das Flair Moskaus zu genießen. Wir jedenfalls haben es trotz schmerzender Füße (und Beine, Knie, Rücken ...) nicht bereut, sondern einen ganzen Schwung Erlebnisse mit nach Hause genommen, die wir in keiner anderen europäischen Stadt gemacht hätten.

Blick vom Hotel Kosmos über das Allrussische Ausstellungszentrum
Kopfbahnhof Pawelezkaja
VG Wort