Smuts House Museum

im Holzhaus des britischen Feldmarschall

Am zweiten Tag in Pretoria dreht sich alles um die Geschichte Südafrikas. Mit bereits gepackten Koffern fahren wir nach Annemaries Verwöhnfrühstück zum nahe gelegenen Smuts House Museum. Das Jan Smuts Haus ist ein schlichtes Bauernhaus aus Holz. Als begeisterte Botaniker wollten die Smuts ein Haus in der Steppe mit viel Grün drum herum.

So pflanzten sie einen Naturpark mit einheimischen Bäumen und Sträuchern rund um ihr Heim. Ohne es zu wissen, schufen sie der Nachwelt damit ein beliebtes Ausflugsziel nahe der Hauptstadt. Bei unserer Ankunft ist es jedoch noch ruhig im idyllischen Gartencafé wie auch im Museum.

das Smuts House bei Pretoria
das Esszimmer im Smuts House Museum

So bekommen wir eine exklusive Führung durch den ehrenamtlichen Reiseführer Denis Bredenkamp. Er liebt das Haus und erweckt es mit seinen Geschichten und Erzählungen zu neuem Leben. So spazieren wir durch die historisch eingerichteten Zimmer des Holzhauses, in welchem einst ein Staatsmann, Philosoph, burischer General und britischer Feldmarschall mit seiner Familie gewohnt hatte.

Für uns ist es ein überraschender Einblick. Denn trotz seiner Stellung als Staatsmann lebten die Smuts in sehr einfachen Verhältnissen. Das Gebäude war einst eine Offiziersmesse in Middleburg. Doch Smuts gefiel es so sehr, dass er es kaufte, in seine Einzelteile zerlegen und auf dem Bauernhof Doornkloof wieder aufbauen ließ.

das Wohnzimmer im Smuts House
das Wohnzimmer im Smuts House

Die Geschichte der Familie ist eng mit den Rohstoffvorkommen und der englischen Kolonialzeit in Südafrika verbunden. So bescherte die Entdeckung der ertragreichen Diamant- und Goldvorkommen 1869 in Kimberley und 1886 in Witwatersrand rund um Johannesburg den Menschen einen raschen wirtschaftlichen Aufschwung. Sie weckten aber auch die Begierde der alten Kolonialmacht und wurden so zum Auslöser des zweiten Burenkriegs. Während des Krieges führte Jan Smuts ein Kommando für die Buren in der Kapkolonie. Am Ende des Krieges war er maßgeblich an den Friedensverhandlungen beteiligt. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er auf Seiten der Briten gegen die Truppen in Deutsch-Ostafrika und am Ende des Kriegs war am Vertrag von Versailles beteiligt.

Dabei zählte er zu den wenigen, die vor den möglichen Folgen der harten Bestrafung Deutschlands eindringlich warnten. Nachdem er im Zweiten Weltkrieg eng mit Winston Churchill zusammengearbeitet hatte, war er schließlich der einzige Politiker, der am Ende beider Weltkriege Friedensverträge unterschrieb. So kommt es, dass das Smuts House im Lauf der Geschichte immer wieder hohe Persönlichkeiten als Gast empfing und heute Bilder der jungen Elisabeth II. aus dem Haus Windsor und einiger europäischer Politiker die Wände zieren.

in der Bibiliothek des Smuts House
Büste, welche mal am Flughafen Johannesburg stand
Smuts Bett auf der Veranda für heiße Sommernächte

Neben der alltäglichen Wohneinrichtung zeigt uns Denis auch einige Kuriositäten im Haus. So wurden kaputte Stricknadeln in einem Behälter im Esszimmer aufbewahrt. Die Familie nutzte sie, um bei Fleischgerichten das Mark aus den Knochen zu pulen. Oder das Telefon, welches im Bad wohl am seltsamsten Ort im Haus befestigt wurde. Doch auch das einfache Bett auf der Veranda gehört dazu, in welchem Jan Smuts während der heißen Sommernächten schlief.

Oder auch Smuts Büste, welche bis zum Jahr 1994 auf dem nach ihm benannten Flughafen von Johannesburg stand. Nach der ersten freien Wahl in Südafrika wurde der Name in Johannesburg International Airport geändert und landete die Büste in einer Abstellkammer. Nach zähen Verhandlungen brachte man sie letztendlich in das Smuts House, wo sie nun in einer Kammer einem Monstrum gleicht.

Schlafzimmer im Smuts House
Gartencafé beim Smuts House Museum

Denis Bredenkamp findet in seinen Erzählungen fast kein Ende und bringt Annemaries Zeitplan allmählich aus dem Ruder. Aber daran sind wir nicht ganz unschuldig. Wir sind aufmerksam und stellen immer wieder Fragen. Das beeindruckt Denis, der offenbar sonst eher desinteressierte Touristen durch die Gemächer schieben darf.

So sind ausgerechnet wir als passionierte Museumsmuffel nach zwei Stunden ganz erstaunt, wie schnell die Zeit bei dem Rundgang verstrichen ist. Dann aber freuen wir uns auf eine gemütliche Tasse Tee im Gartencafé. Auch hier, inmitten der vielen Pflanzen, ließe es sich mühelos ein, zwei Stunden aushalten.

VG Wort