Stadtwäldchen Varosliget in Budapest

Stadtpark und Hauptschauplatz der Jahrtausendfeier

Nach nur zwölf Minuten Fahrt hält der Flughafen-Shuttle tatsächlich bei Köbanya-Kispest, dem Endhaltepunkt der U-Bahn. Wir erinnern uns an unsere erste Städtereise nach Budapest. Damals wurden wir zweimal am Fahrkartenschalter (von zahnlückigen Ungarinnen) abgewiesen, bevor uns das gewünschte Metroticket verkauft wurde. Dieses Mal verhält es sich ganz anders und erleben wir das exakte Gegenteil. Bei Köbanya-Kispest ist man auf Touristen eingestellt und wird freundlichst auch auf Deutsch bedient.

In anderen Reiseberichten mussten wir mehrmals lesen, dass Budapest mittlerweile auch nicht mehr billiger sei als westliche Städte. Bevor wir zur Pension gehen, suchen wir beim Ostbahnhof  (die erste persönliche Premiere der Reise) einen Pizzy Hut auf, wo ein Glas Orangensaft (3 dl) umgerechnet etwa einen Euro kostet (der halbe Liter sogar nur 1,20) und eine große Pizza bereits für unter vier Euro zu haben ist. Zum Vergleich: Als wir aus Neugier eine FDP-Wahlveranstaltung in Konstanz besucht hatten, mussten wir allein für die Getränke knapp das Dreifache zahlen.

Burg Vajdahunyad im Varosliget
Annette im Varosliget, dem Stadtwäldchen von Budapest
Burg Vajdahunyad in Budapest

Pension Dominik nahe dem Ostbahnhof

Ebenfalls zum allerersten mal haben wir unsere warmen Schlafanzüge mit auf die Reise genommen. Schließlich erfahren wir erst bei Ankunft in der Pension Dominik, dass unser Zimmer nicht nur gut geheizt wird, sondern sogar eher einem Backofen gleicht. Und weil sich dies weder durch ein leicht geöffnetes Fenster und dank der vielen Heizungsrohre an der Außenwand auch nicht durch Abschalten des eigentlichen Heizkörpers wesentlich ändern lässt,

besorgen wir uns am nächsten Morgen erst einmal ein paar Liter Mineralwasser. In der Nacht darauf werfen wir schließlich die Decke mitsamt unserer Schlafanzüge beiseite ...
Zunächst aber starten wir zu einem kleinen Spaziergang durch das nahegelegene Stadtwäldchen Varosliget. In dem Stadtpark sind unter anderem der städtische Zoo und das Szechenyi-Heilbad untergebracht. Zwischen 1909 und 1913 erbaut, ist Szechenyi das älteste Heilbad in Pest und bis heute eines der größten Badekomplex Europas.

Steinfigur bei der Burg Vajdahunyad
Kirche bei der Burg Vajdahunyad

Stadtwäldchen Varosliget und die Burg Vajdahunyad

Das Stadtwäldchen Varosliget bildet die größte Grünfläche innerhalb von Budapest. 1896 war die Grünfläche Hauptschauplatz der Jahrtausendfeier der Stadt Budapest und beherbergt (ebenfalls aus dieser Zeit) als seine größten Einrichtungen den Zoo, den Luna-Vergnügungspark und das Szechenyi-Heilbad. Dem nicht genug, müssen wir feststellen, dass im Park außerdem die größten Hunde herumtollen. Unser Ziel jedoch ist die Burg Vajdahunyad.

Sie wurde ebenfalls zur Milleniumsausstellung errichtet und sollt zunächst in kleineren Ausmaßen die wichtigsten in Ungarn vorkommenden Baustile nebeneinander darstellen. Vorlage für den Hauptbau war die Feste des Johann Hunyadi im heute rumänischen Hunedoara. Den Eingang zur Burg bildet ein gotisches Burgtor. Links davon ist der Nachbau eines oberungarischen Turms zu sehen. Auf der rechten Seite schließlich befindet sich die Kopie des Turms aus dem siebenbürgischen Schäßburg (Sighisoara).

Anonymus im Varosliget
Innenhof der Kirche bei der Burg Vajdahunyad

Die anfangs provisorisch erstellten Gebäude begeisterten die Besucher derart, dass der Stadtrat wenig später beschloss, einen etwas größeren, dauerhafter Bau zu errichten. Dieser beherbergt heute neben einem Restaurant das Landwirtschaftsmuseum. Nordöstlich der Burg Vajdahunyad wurde das Ensemble 1903 durch ein Denkmal zu Ehren des »Anonymus« ergänzt, einem namentlich unbekannten Geschichtsschreiber aus dem 12./13. Jahrhundert. Der Überlieferung nach soll er die erste ungarische Chronik verfasst haben.

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