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Sicherheit in Warschau

leerer Rathausplatz

Der Schlossplatz nahezu menschenleer, Bushaltestellen geschlossen, immer wieder Absperrungen und ganze Hundertschaften an Sicherheitskräften. Begrüßte uns am ersten Tag noch ein gleichermaßen freundliches wie friedliches Warschau, veränderte sich die Stadt binnen weniger Tage zu einem Hochsicherheitstrakt für EU-Ratsmitglieder. Was diese ach so teuren Leute zu bereden hatten? Wir wissen es bis heute nicht. Zumindest nichts von so weit tragender Bedeutung, dass es eine Meldung in den internationalen Nachrichten Wert war.

Sicherheit hat Vorfahrt - wenn alles steht

Zu unserem Ärger war es leider nicht möglich, auf direktem Wege vom Königsweg in die Gassen der Altstadt einzutauchen. Es wäre wohl technisch ein leichtes gewesen, die Menschen am Rande des Schlossplatzes vorbeizuführen. Die Polizei stellte die Absperrungen jedoch so auf, dass wir zwar von zwei Seiten an dieselbe Häuserecke laufen konnten, wohl gemerkt: aber nicht darum herum. So also mussten wir - wie auch die Warschauer Bürger - den Schlossplatz und einen Teil der angrenzenden Gassen in einem weiten Bogen umlaufen, um zum Beispiel auf den Altmarktplatz zu kommen.

Annette und Lars im leeren Restaurant

Schlimmer traf es die Restaurants. Zwar ließen die Absperrungen am Schlossplatz genügend Raum, um zumindest zu einem Teil der Wirtschaften zu kommen. Dies allein aber nützt nicht viel, wenn die Touristen schon vorher auf andere Wege geleitet werden.
Die Folge: zur Mittagszeit waren wir die einzigen Gäste in einem sonst gut besuchten Restaurant direkt am Schlossplatz. Als wir bei später erfuhren, dass wir außerdem die ersten Gäste des Tages waren, tat es uns richtig Leid, dass wir keinen Hunger und deshalb nur zwei Cola bestellt hatten.

Warten auf die Weiterfahrt
zwei von vielen Nonnen

Absolute Sicherheit wird es mit absoluter Sicherheit nicht geben. Die Polizei von Warschau immerhin ist auf dem besten Wege, dies doch zu erreichen. Bereits in den Vororten waren uns mit Schlagstöcken bewaffnete, unausgebildete Aushilfspolizisten aufgefallen. Bis ins Zentrum vermehrten sich diese zusehends, während sich die Zahl der Schlagstöcke anteilmäßig zugunsten von Schnellfeuerwaffen verringerte.

Immer wieder jaulten Polizeisirenen auf, jagten Kolonnen von bis zu fünfzehn Einsatzwagen durch die Straßen. War ein schwarzer Wagen dabei, folgte auch immer ein Krankenwagen. Genauso wurde der Verkehr, wenn nicht von vornherein umgeleitet, immer wieder von der Polizei gestoppt, ganz gleich, ob es sich dabei um Autos, Busse oder eines der seltenen Fahrräder in der Stadt handelte.

mit Sicherheit sind andere Straßen jetzt überlastet
ein Bruchteil der eingesetzten Sicherheitskräfte

Ob ein solcher Aufwand gerechtfertigt war? Nun, sagen wir es so: an unserem letzten Abend in Warschau standen tatsächlich rund ein Dutzend Studenten mit einem Transparent vor dem Europejski-Hotel und riefen den (wahrscheinlich längst schlafenden) EU-Räten beziehungsweise den Scharfschützen im oberen Teil des Bristol-Hotels ihre wenig politisch motivierten Fragen auf Englisch zu. Groß gestört, geschweige denn beeindruckt hat es niemand.

VG Wort
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