Anzeige

Warschauer Gericht

und Denkmal des Warschauer Aufstandes

Oberstes Gericht
Oberstes Gericht

Hochmodern erstreckt sich der grünbläulich schimmernde Gerichtskomplex entlang der Swietojerska in die Höhe und überspannt die Miodowa, welche direkt durch das Gebäude hindurchführt. Das zugleich modern und klassizistisch wirkende Gebäude dient seit 1999 als Sitz des Obersten Gerichts Polens, allerdings ohne sonderlich einladend, geschweige denn vertrauens- erweckend zu wirken.

Entlang der Gedenkmauer kommen wir auf die Rückseite des Traktes, der dem Besucher eine kleine Überraschung offenbart. Besser gesagt: große Überraschung, denn hier stützen drei überdimensional große Skulpturen nicht nur Eckpfeiler des Gerichts, sondern symbolisieren zugleich die Hoffnung, den Glauben und die Liebe.

Nationalbibliothek

Bei einsetzender Dämmerung kommen wir zurück an die Miodowa und erblicken - gegenüber dem großen Gebäudeflügel des Gerichts - den Krasinskich Palast. Er gilt als der prächtigste barocke Bau Warschaus und beherbergt in seinem Innern Landkarten, Grafiken und kostbare Bücher der Nationalbibliothek. Für uns jedoch ist der Palast eigentlich nur am Rande unseres Weges schön anzusehen, bevor weiter zum Platz des Krasinskichs gehen.

Kirche der Allerseligsten Jungfrau Maria
Denkmal des Warschauer Aufstandes 1944

Am Krasinskich-Platz angekommen, entdecken wir wieder Blumen und Kerzen. Wie mit den Lichtern am Umschlagplatz, gedenken die Warschauer Bürger auch hier der vielen Opfer während der Besatzungszeit. Genauer: den Kämpfern des Warschauer Aufstands 1944. Wie ihre Chancen waren, sich gegen die eigentlich schon geschwächte Wehrmacht zu behaupten, lässt sich am besten am Verhalten Stalins erkennen. Denn obwohl er die deutschen Truppen bereits bis Warschau zurückdrängen konnte, befahl er seinen Soldaten, in die Kämpfe nicht einzugreifen. Mehr noch: verhinderten die Russen Landungen der westalliierten Flugzeugverbände, sodass die Warschauer ganz auf sich allein gestellt waren.

Erklären lässt sich dies damit, dass Stalin kein Interesse an ein freies, unabhängiges Polen hatte. Auch wenn sich die Bürger am 1. August 1944 gegen die Deutschen erhoben, galt der politische Kampf Stalin. Das - mit Ausnahme des jüdischen Gettos - von den Kriegswirren weitgehend verschonte Warschau ließ Hitler nach der Kapitulation der Widerstandskämpfer am 2. Oktober systematisch Straße für Straße, Haus für Haus sprengen beziehungsweise niederbrennen.

VG Wort
Anzeige