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In der Festung von Galle

Über klapprige Schienen holpert und hüpft der Zug auf seinem Schienenstrang mitten durch die Palmenhaine, durch die niedrigen Scheiben erblicken wir ein ums andere mal den indischen Ozean, kleine Siedlungen erstrecken sich entlang der Schiene und der parallel verlaufenden Küstenstraße. Eine der größten ist Hikkaduwa, ein ehemaliges Fischerdörfchen, dessen Ortsbild heute von alternden Hippies und Aussteigern, Restaurants und Hotels sowie zahllosen Souvenir-Läden geprägt wird.

Kurz nach der alten Hippie-Hochburg wechseln wir von der Südwestküste zur Südküste der Insel, auch wenn davon landschaftlich nichts zu merken ist. Wenig später rollt der Zug mit uns in Galle ein und wir verlassen im allgemeinen Durcheinander von Singhalesen, Touristen und ein paar weniger Moslems.

Olde Kerk
Sicht über die Häuser im Ford

Auf der anderen Seite des Bahnhofs wissen wir erst nicht so recht, in welche Richtung wir gehen sollen. Dafür aber sind sofort wieder ein Taxifahrer zur Stelle, die uns ihre Dienste anbieten. Wir entscheiden uns, vom Bahnhof aus nach halb links über einen großen Platz zu laufen. Vorbei am angrenzenden Busbahnhof sowie mehreren Dutzend Tuc tucs kommen wir zum Dutch Kanal, der in einer kleinen, ins Land scharf eingeschnittenen Bucht ins Meer mündet. Vor hier sehen wir erstmals das alte holländische Fort von Galle mit seinem alten Uhrturm, der, 1883 von den Engländern erbaut, die Festungsmauer weithin sichtbar überragt.

Die Ursprünge des Forts liegen im 16. Jahrhundert, als die von Portugiesen hier eine erste Befestigungsanlage errichteten. In der Zeit zwischen den Portugiesen und Engländern, 1640 bis 1796, bauten die Holländer die Festung aus und errichteten zahlreiche koloniale Gebäude innerhalb der mächtigen Fortmauern. Lange vor den Abenteurern aus dem Abendland aber hatten schon Araber, Perser und Chinesen den Ort als idealen Handelsplatz entdeckt: Gewürze und Juwelen lockten diese Völker schon vor über tausend Jahren in die kleine Hafenstadt. Die arabische Atmosphäre gar ist selbst heute noch in den schmalen Gassen der alten Festung erhalten geblieben.

Guck, da ist der Uhrturm

Vorbei an der Esplanade erreichen wir schließlich den Eingang des Forts. Nur wenige Menschen sind hier unterwegs. Auch Touristen begegnen wir kaum, zu hoch schon steht die Sonne am Firmament. Es ist heiß. Selbst der Schatten unter dem Haupttor (1873) verschafft keine Abkühlung. Schon wird uns eine Führung durch das etwa 35 Hektar große Viertel mit seinen engen Gassen den vielen holländischen Bauten angeboten. Uns aber klebt die Zunge am Gaumen.
Also erstmal auf ins Oriental Hotel... hm - oder auch nicht, leider nämlich finden wir nur eine große Baustelle vor. Das Hotel jedoch ist bis auf weiteres für die Renovierungsarbeiten geschlossen. Ein paar Meter weiter treffen wir auf die holländische »Groote Kerk« (1755), aber auch die verspricht uns keine Erfrischung.

Annette und Lars im Ford von Galle

Erst nachdem wir über die Middle Street und Lighthouse Street bis in die Mitte des Viertels vorgedrungen sind, entdecken wir ein sehr kleines, aber immerhin offenes Gasthaus. Nun ja, so nennt es sich wenigstens. Tatsächlich nämlich stehen nur zwei kleine Tische auf einer Miniveranda. Hinter dem Eingang steht noch ein weiterer Tisch, aber eigentlich befindet sich da auch schon das Wohnzimmer mit dem Fernseher der Familie. Während uns der Vater zwei Flaschen Cola bringt, sitzt seine Frau auf der Couch und stillt ihr Baby.
Als Annette nach der Toilette fragt, muss sie dann auch erst durch das Wohnzimmer laufen, kommt danach am Schlafzimmer der Eltern und der Küche vorbei, in welcher die Oma das Essen zubereitet. Anschließend muss sie noch am Schlafzimmer der Oma vorbei sowie einen kleinen Innengarten durchqueren, bis sie denn endlich das stille Örtchen erreicht.

VG Wort
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