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Edelsteinmine bei Ratnapura

Nach einer kurzen Rast am Fluss Kalu Ganga sowie mehreren Dutzend weiteren halsbrecherischen Wegbiegungen kommen wir allmählich in die Edelsteingegend um Ratnapura. In kleinen Gruben versuchen hier die Männer, in dem Schwemmland der Gebirgsflüsse Rubine, Saphire und Korunde zu entdecken. Eine Knochenarbeit. Gegen die sengende Mittagssonne sowie den heftigen Regengüssen in der Monsunzeit schützt lediglich ein kleines Dach aus Palmblättern. Unermüdlich lösen die Männer mit Hilfe von viel Wasser und kleinen Körben das Erdreich am Grund der oft nur wenige Quadratmeter großen Gruben.

Der Boden dieser Gegend verspricht den Menschen einen hohen Verdienst, hält sich aber nur selten an dieses Versprechen. Tatsächlich verdienen die Arbeiter in den Gruben zumeist nur einen Hungerlohn und viele der Gruben müssen nach monatelanger Plackerei erfolglos wieder aufgegeben werden. Sunil mag diese Leute nicht, wäre am liebsten weitergefahren. So wundert es auch keinen, dass er im Bus zurückbleibt, als wir bei einer dieser Gruben halten.

Edelsteingrube auf Sri Lanka
Edelsteingrube bei Ratnapura

Bald hat uns einer der Arbeiter entdeckt und winkt uns rasch herbei. Zunächst zögern wir noch, aber einfach von der Ferne ein paar Fotos machen und dann wieder verschwinden? Nee, das ist nun doch nicht mein Ding. Das Feld mit der Grube liegt etwas unterhalb der Straße, außerdem ist es ein wenig versumpft. Lange Bohlen sowie ein paar dirigierende Anweisungen eines alten Mannes bringen mich aber doch trockenen Fußes zu der Grube.

Im schnellen Wechsel werden gefüllte Körbe nach oben gereicht und ihr Inhalt auf einen allmählich wachsenden Hügel gehäuft, während die bereits wieder geleerten Körbe zu den Arbeitern am Boden der Grube zurückgeworfen werden. Um der Grube herum stapeln sich einige Hölzer, die für weitere Befestigung der Grubenwände dienen sollen.

Edelsteingrube - alter Mann
Edelsteingrube - junger Mann

Leider können die Arbeiter kein Englisch, von Deutsch gar nicht erst zu reden, so dass eine Verständigung kaum möglich ist. Kugelschreiber, Kaugummis und ein kleines Trinkgeld werden aber gerne angenommen. Auch andere Singhalesen werden auf uns aufmerksam und kommen zu der Grube. Nach ein paar Anweisungen sprintet ein junger Bursche los, einen sehr viel größeren Korb herbeizubringen. Als er wieder kommt, schöpfen eifrige Hände ein paar Brocken von dem gelösten Grubenmaterial in den Korb. Eine große Pfütze neben dem Abraum dient als Waschstation.

Alle blicken gespannt auf den geringer werdenden Inhalt des Korbes, hoffen insgeheim, den einen oder anderen Rubin oder Saphir zu entdecken. Vergebens, wie so oft bleibt auch dieses mal alle Mühe umsonst. Dafür aber zaubert einer der Männer ein paar bunte Steine aus seiner Tasche hervor und bietet sie uns zum Kauf feil. Aber Sunil ist nun doch aus dem Bus gestiegen, und versucht schon seit Minuten, uns zurückzurufen. Nun gut, Bilder haben wir genug, die Arbeiter werden es uns nach den kleinen Geschenken nicht verübeln, dass wir keine Steine gekauft haben, und so können wir uns getrost das letzte Teilstück nach Colombo kutschieren lassen.

VG Wort