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Schildkrötenfarm in Koskoda

Als der junge Fernandez beim Spielen sah, wie Fischer im Meer gefangene Schildkröten auf den Rücken legten, um sie später für den Kochtopf oder als todschicken Aschenbecher zu verkaufen, bekam der kleine Junge Mitleid mit den Meerestieren. Anstatt sie den Fischer zum Verkauf zu überlassen, drehte er die vielen der Sonne preisgegebenen Tiere wieder um und rettete ihnen das Leben.

Weniger erfreut über die Rettungsmaßnahme waren jedoch die Fischer, die sich durch den Achtjährigen um ihre Beute gebracht sahen - in der nächsten Nacht wurde Fernandez von ihnen windelweich geschlagen. All Prügel aber konnte Fernandez nicht davon überzeugen, dass es richtig sei, Schildkröten zu fangen und zu töten. Statt dessen blieb ihm dieses knüppelharte Ereignis so sehr in Erinnerung, dass er sich bereits im Kindesalter schwor, sein Leben den Schildkröten zu widmen.

Fernando
Mama! Papa!

Tatsächlich gründete Fernandez später in der Nähe von Ahungalla die erste Schildkrötenfarm auf Sri Lanka. Das Prinzip seiner Arbeit ist dabei recht einfach: um dem Verzehr von angeblich potenzsteigernden Schildkröteneiern zuvorzukommen, bietet Fernandez den »Findern« von Eiern ein paar Rupies mehr als sie von den singhalesischen Feinkostschlachtern bekommen würden.

Finanziert wird das ganze durch Spenden der Besucher bzw. dem Souvenirverkauf innerhalb der Schildkrötenfarm, ein Eintrittsgeld nämlich verlangt Fernandez nicht.
Der Eingang der Farm sieht recht unspektakulär aus, es gibt zwar ein paar kleine Hinweisschilder, die mit verwaschener Schrift verraten, wo man sich gerade befindet, Kassenhäuschen, Kiosk  und all die anderen typischen Tourismuseinrichtungen aber gibt es hier nicht.

Schildkröte
Fernando mit verbeulter Schildkröte
Annette mit sich leicht wehrender Schildkröte

Fernandez selber spricht kaum Englisch, von deutsch gar nicht erst zu reden, dafür aber begleitet uns der Tuctuc-Fahrer, der uns vom Hotel dorthin gefahren hatte, durch die Anlage und übernimmt zugleich den Part des Reiseleiters.
Wir kommen zu ein paar größeren Sandkästen, in denen kleine Schilder, L.T. oder G.T. jeweils mit einem Datum versehen, stecken.

Um den Schildern herum ist der Sand ein wenig angehäuft und über einem dieser Hügel liegt eine alte Plastiktüte. Schon dachten wir, ein paar zu bestaunende Sandburgen (wie sonst sollte es auch aussehen, wenn Schildkröteneier ausgebuddelt werden?) wären alles, was es in der Turtle-Hatchery zu sehen gab, als sich Fernandez bückte, die Tüte beiseite schob und im Sand zu buddeln begann.

Achtung bissig!
Lars mit kleiner Albino-Schildkröte

Wenig später krabbelten ein paar Minischildkröten auf seiner Hand, die er an uns weiterreichte, um die nächsten Babys aus dem Sand zu holen. »Die Tüte dient zum Schutz vor den Vögeln«, erklärte derweil unser Fahrer, während wir erstmals kleine, zappelnde Karettschildkröten in der Hand hielten. Schon zog Fernandez die Tüte wieder über den Sandhügel und führte uns in den hinteren Teil der Anlage, wo sich mehrere Bassins befinden.
Auch das Babybassin wird durch ein Gitter vor Möven und Krähen geschützt.

Unzählige Karett- und Lederschildkröten tummeln sich in dem hellen Wasser, und schon bald haben wir »unsere Babys« aus den Augen verloren.
Neben der Aufzucht der jungen Schildkröten - sie müssen am dritten Tag ins Meer entlassen werden, sonst verlieren sie ihren natürlichen Instinkt - beherbergt Fernandez aber auch ausgewachsene Tiere wie eine seltene Albinoschildkröte oder eine fauchende Greenturtle, welche Fernandez »Bin Laden« nennt.

Lars mit sich leicht wehrender Schildkröte
Lars mit Schildkröte
Lars mit Schildkröte
VG Wort
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