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Turtle Hatcheri in Koskoda

Gut möglich, dass wir für unsere Souvenirs - aus kleinen Muscheln gebildete Schildkröten - zu viel gezahlt haben. Am Abend jedenfalls sollten wir auf Bitte von Fernandez unbedingt nochmals einmal in die Farm zurückkehren, um auch ein paar der kleinen Schildkröten am Strand auszusetzen.

Dieses Mal nicht nur mit dem Tuc Tuc-Fahrer unterwegs, sondern außerdem in Begleitung seines deutsch sprechenden Bruders (=Reiseleiter, der einen auch sehr gerne zu einer Mondsteinmine oder sonst wohin bringt) kommen wir also kurz vor Sonnenuntergang ein zweites mal zur Farm.

gleich geht´s zum Baden
Strand bei der Turtle-Hatcheri

Fernandez will freundlich sein und gibt uns in westlicher Manier die Hand. Nun ja, vielleicht sollte er lieber bei der singhalesischen Form der Begrüßung bleiben. Es würde ihm niemand verübeln - und etwas anfassen, was wie ein totes Stück Fleisch hingehalten wird, ist ja auch nicht jedermanns Sache. Sei’s drum.
Wieder führt uns Fernandez zu dem Becken mit den kleinen Schildkrötenbabys und drückt Annette einen Eimer in die Hand (geht doch). Auf geht’s zum Schildkrötenbabysfischen:

mit geübter Hand holt Fernandez eine Schildkröte nach der anderen aus dem Bassin, schaut geschwind, ob sich der Nabel an der Unterseite schon geschlossen hat, und - wenn dies der Fall ist, setzt er die drei Tage alte Schildkröte in den Eimer. Auch ich versuche mein Glück, erwisch aber nur Schildkröten, bei denen der Nabel noch einen kleinen Spalt weit offen ist und muss sie alle wieder ins Becken zurücksetzen. Dennoch kommen rasch zehn kleine, mit den Beinchen flappende Schildkröten zusammen.

Annette mit´m Eimer voller Schnappis
Wache Augen lassen keine Krähen in die Nähe
Flappsis auf dem Weg ins Meer

Zusammen mit dem Tuc Tuc-Fahrer, unserem neuen »Reiseleiter« sowie dem Sohn von Fernandez durchqueren wir einen Palmenhain, der die Farm vom Strand trennt. Einen richtigen Weg gibt es nicht, dafür aber ein wackliges Brett, was über eine kleine feuchte Rinne gelegt ist. Entlang eines völlig fehl am Platz wirkenden Stacheldrahtzaunes gelangen wir schließlich zum Strand.

Ein paar Krähen befinden sich in der Nähe, also dürfen noch keine Schildkröten ausgesetzt werden. Zu groß wäre die Gefahr, dass die kleinen Dinger schon gefressen werden, bevor sie überhaupt das Wasser erreicht haben. Der Junge sammelt am Strand ein paar kleine Steinchen, um die Vögel vom Strand zu vertreiben. Auch der Tuc Tuc-Fahrer hilft ihm und dennoch geht es ein paar Minuten, bis sich die Vögel nicht mehr blicken lassen.

Strand bei der Turtle-Hatcheri
gleich geht´s zum Baden

Endlich ist es soweit, können die Schildkröten einigermaßen gefahrlos ausgesetzt werden. Wer nun aber denkt, dass eine Schildkröte sofort los wetzt, wenn sie erst einmal Sand unter sich spürt, der irrt oder hat bisher nur Green Turtles ausgesetzt. Die anderen nämlich kommen nur ganz allmählich von der Stelle, bleiben immer mal wieder stehen und eine ist sogar in die falsche Richtung gerannt.
Obwohl, eigentlich auch kein Wunder. Denn wer würde sich schon im zarten Alter von nur drei Tagen in einen derart riesigen Ozean stürzen? Einzig den Green Turtles kann es gar nicht schnell genug gehen, dass sie ins Wasser kommen.

So einfach aber ist es dann doch nicht, denn kaum werden sie von der ersten Welle getroffen, finden sie sich sogleich ein bis zwei Meter höher am Strand wieder. Tatsächlich gelingt es den meisten Tierchen erst nach mehreren Versuchen, sich von einer Welle ins Meer hinaustragen zu lassen.
Lange noch schauen wir ihnen nach, wie sie am Rande des riesigen Indischen Ozeans immer wieder mal ihre Köpfchen aus dem Wasser strecken, dann aber verlieren wir sie schließlich doch aus den Augen. Ein Blick zum Palmenhain lässt uns aufatmen - keine der Krähen ist bisher zurückgekommen und mittlerweile hat sich auch schon die Abenddämmerung über die Bucht gelegt. Die erste Gefahr haben unsere Schildkrötenbabys damit heil überstanden.

VG Wort
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