Kirchenburg von Harman | Honigberg

Der große Wehrkomplex von Honigberg

In der Kirchenburg Honigberg von Harman
Die Kirchenburg Honigberg in Siebenbürgen

Nur wenige Fahrminuten von Prejmer entfernt, treffen wir auf die nächste Kirchenburg. Wir sind in Harman, beim großen Wehrkomplex von Honigberg. Auch hier führt ein kurzer Tunnel durch den Torturm der Wehrmauer, wenn auch weniger opulent als bei Tartlau.

Sowie wir am Burgenbüro vorbei spazieren, werden wir in fast perfektem Deutsch angesprochen, nämlich auf Hessisch. Den falschen Deutschlehrer gehabt? Wir sind natürlich neugierig und kommen leicht ins Gespräch mit Dan, der mit seiner Frau Isa vor Jahren die Bauernburg von Honigberg eingenommen hat.

Im Wehrgang des Wehrkomplexes Honigberg
Ein Ofen im Museum von Honigberg in Harman
Die Kirche mit dem höchsten Kirchturm im Burzenland

Nein, Honigberg war seit jeher wehrhaft und konnte niemals eingenommen werden. Doch wie bei so vielen der alten Kirchenburgen Siebenbürgens, drohte auch bei Harman der Zerfall. Ein Burghüter musste her, der das Bauwerk genau davor schütze. Isa und Dan haben 26 Jahre in Deutschland gelebt. Als Lehrerin und Computerspezialist hatten beide ein geregeltes Einkommen.

Doch die Suche nach einem Burghüter in der alten Heimatstadt von Isa, weckte die Sehnsucht. Sie brachen ihre Zelte in Deutschland ab und zogen nach Harman. Ursprünglich wollten sie hier zunächst nur ein Jahr lang bleiben. Nun, das Jahr ging vorüber, Isa und Dan sind geblieben.

Aussicht aus dem Kirchturm von Honigberg

Isa führt heute als Sprachtalent Franzosen und Holländer durch das alte Gemäuer. Dan kümmert sich als Handwerker und Organisator um den Erhalt der Burg. Während das benachbarte Tartlau als Weltkulturerbe eine gesicherte, finanzielle Unterstützung genießt, muss die Kirchengemeinde von Harman selbst schauen, wie alles finanziert wird.

So entstanden Zimmer, in denen genächtigt werden kann, und Stellplätze für Wohnmobile im Pfarrhof. Und natürlich freut man sich über Spenden der Besucher. Das klingt vielleicht, als wenn hier alles zu barer Münze gemacht wird. Tatsächlich aber wirkt die Kirchenburg von Harman auf uns liebevoller und heimeliger als die meisten anderen, von uns besuchten Kirchenburgen.

Kirchenburg von Harman | Der große Wehrkomplex von Honigberg
Im Wehrgang der Kirchenburg von Harman

Der höchste Kirchturm im Burzenland

Mit einer Informationsbroschüre als Leihgabe, gehen wir auf Entdeckungstour durch die Bauernfestung von Honigberg. Auch hier finden wir einige Besonderheiten. Mit 56 Metern Höhe ist der Kirchturm der höchste im Burzenland, dem Umland der Stadt Brasov. Dieser ist für Besucher zugänglich, erfordert in dem Fall aber eine gute Portion Mut und Geschick. Enge, steile und extrem ausgetretene Treppen führen hinauf in den Turm. Meine Mutter verweilt lieber in der Kirche, während wir bis zu den Glocken emporklimmen. Oben angelangt, müssen wir uns erst einmal die Ohren zuhalten.

Denn der Glockenturm ist voll funktionsfähig. Und pünktlich um 12.30 Uhr schlägt die Glocke mit einem gehörigen, nachhallenden Laut. Um so schöner ist es anschließend, die Aussicht über das grüne Umland in Ruhe zu genießen. In der Ferne können wir den Kirchturm von Prejmer erkennen. Da Tartlau immer als erstes angegriffen wurde, konnte man von hier aus die anrückenden Feinde frühzeitig ausmachen. Die Bevölkerung wurde zusammengerufen und fand Schutz in den Mauern Honigbergs. Von Tartlau aus kann man hingegen nicht nach Harman schauen. Aber wozu auch?

Kapelle in der Festungsmauer von Honigberg

Wir klettern die halsbrecherischen Stiegen wieder hinab und finden kurz darauf meine Mutter im Schiff der Kirche sitzen. Zum Verweilen hat sie sich die richtige Bank ausgesucht. Denn die nächste Besonderheit sind die speziellen Kirchenbänke für verheiratete Frauen.

Diese besitzen keine Rückenlehnen. Für manche mag das wie ein frauenfeindliches Sparmodell wirken. Doch für den sonntäglichen Kirchgang trugen die Frauen kostbare Trachten, mit seidenen, bestickten Bändern am Rücken. Diese wollte man schonen, vor allem aber auch zeigen.

Die Treppen hinauf auf den Kirchturm von Honigberg
Glocke auf dem Kirchturm von Honigberg
Der Kirchturm von Harman - Honigberg

Festungsmauern von Harman

Wieder im Freien, laden die Festungsmauern zum Entdecken ein. Unverhofft stoßen wir dort auf eine Kapelle, die komplett mit wertvollen Fresken ausgemalt ist. Sie wurde um 1300 in den bestehenden Mauergürtel eingefügt. Als Folge der Bewehrung musste diese einige Umbauten über sich ergehen lassen.

Die Fenster wurden vermauert und die Kapelle zum Wehrturm umgebaut. Die Ausmalung indes blieb großteils erhalten und ist in ihrer Vollständigkeit einzigartig. Sie zeigt ein zusammenhängendes Lehrbild zur Erlangung des ewigen Heils.

Wohnstube in der Kirchenburg Honigberg von Harman

Weitere Räume in der Festungsmauer sind zu Museumszimmern umgestaltet. Staubige Trompeten und Tuben stehen im Musikzimmer. Im Schulzimmer lesen Kinder Märchen aus der damaligen Zeit vor. Auch wenn das Tonband etwas scheppert, versteht man bei genauem Hinhören, um welches Märchen es sich handelt. Der nächste Blick geht in die gute Stube. Gut möglich, dass hier einst der Bürgermeister genächtigt hat. Harman hat die einzige Wehranlage, bei der die Großkopferten des Dorfes, wie Pfarrer, Kurator oder Bürgermeister, extra Wohnräume besaßen. Die weniger privilegierten Dorfbewohner mussten sich mit den düsteren Kammern entlang der inneren Ringmauer begnügen.

Auch hier drehen wir eine Runde unter dem alten und auch teilweise neuen Dachgebälk, bevor wir mit Dan zum Abschluss noch einen Kaffee trinken. Er hat mit seiner Frau zusammen etwas Schönes aus der Kirchenburg von Harman gemacht und wirkt mit sich selbst zufrieden. Wahrscheinlich werden nur wenige seine Entscheidung zum Beruf des Burghüters nachvollziehen können. Sobald man hierher findet, sich auf das Kleinod einlässt und eine Weile auf sich wirken lässt, ertappt man sich aber leicht beim Wunsch eines ähnlichen Ausstiegs.

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