Anzeige

Baltasound und Muness Castle

Papageitaucher haben wir ja inzwischen schon einige gesehen. Da wäre es doch auch schön, ein paar Otter zu finden. Doch das ist gar nicht so einfach. Die Tiere sind extrem scheu. Einen ersten Versuch starten wir bei Baltasound. Von einem provisorischen Parkplatz folgen wir einem Pfad durch Büsche und über versumpfte Weiden zu einer bekannten Futterstelle, bei der die Fischotter auf die Suche nach Muscheln gehen.

Muschelschalen und auch Losungen der Tiere auf den Wiesen sind sichere Anzeichen dafür, dass hier tatsächlich Otter zumindest hin und wieder vorbeischauen. Aber blicken lassen sie sich bei unserem Aufenthalt leider nicht. So bleibt uns, die Sicht über die malerische Bucht mit dem ehemaligen Heringshafen zu genießen. Dann aber kehren wir zum Auto zurück und fahren weiter zur Muness Castle.

Auf Ottersuche bei Baltasound auf Unst
Auf Ottersuche bei Baltasound auf Unst

Die Festung geht auf Laurence Bruce, einem Nachfahren von Robert the Bruce, zurück. Laurence Bruce war ein Gauner, wie er im Buche steht. Nachdem er einen Widersacher ermordet hatte, musste er auf die Shetlandinseln fliehen. Sein Halbbruder, Robert Stewart, der verhasste Earl of Orkney, verhalf ihm dort zum Posten des Sheriffs, dem Kämmerer und Verwalter des Bistums mitsamt seiner Ländereien.

Laurence nutzte die Stellung, um die Shetlander mit Steuererhöhungen zu schikanieren. Zur Machtdemonstration ließ er 1598 Muness Castle erbauen. Und weil er den Hals nicht voll genug kriegen konnte, manipulierte er die Referenzgewichte der Waagen, um einen noch höheren Steuergewinn zu erzielen. In grobes Leinen gehüllt, musste sich die Bevölkerung ihm am Zahltag unterwerfen, womit er seinem Ansehen zusätzlich schadete.

das Muness Castle auf Unst

Als Reaktion darauf reiste eine königliche Kommission, die »Mudy Commission«, 1577 nach Shetland und sammelte bei 700 Männern der Shetlandinseln Beweise. Beim anschließenden Prozess in Tingwall auf Mainland wurde Laurence Bruce seines Amtes enthoben. Doch schon im Juni des nächsten Jahres kehrte er als Hilfssheriff zurück nach Muness Castle. Schlagzeilen machte die Burg als Nächstes im Jahr 1608, als Earl Patrick eine Truppe schickte,

um die Festung zu belagern, die allerdings erfolglos endete. Nachdem Laurence Bruce 1610 gegen Earl Patrick ausgesagt hatte, beauftrage ihn der Kronrat 1614 im Anschluss einer Rebellion auf Orkney damit, Rebellen festzunehmen, falls diese Unterschlupf auf den Shetlandinseln suchten. 1617 starb Laurence Bruce und wurde innerhalb der alten Kirche bei Sandwick beerdigt.

Anne beim Muness Castle auf Unst
beim Muness Castle auf Unst
Standing Stone auf Unst

Zehn Jahre später wurde das Schloss von einem niederländischen Pirat niedergebrannt. Danach diente es zur Lagerung der Fracht des Schiffes Rynenburgh, bevor es 1750 ganz aufgegeben wurde. Heute lohnt sich eine Besichtigung der beiden übrig gebliebenen Geschosse. Um zum Eingang zu kommen, müssen wir um die halbe Burg herum laufen. Das Tor ist nicht verschlossen.

In einer Box befinden sich sogar zwei große Taschenlampen, die man im düsteren Gebäude benutzen kann. Das Familienwappen über dem Eingang ist inzwischen verwittert und unleserlich. Während die unteren Räume mit der Küche und dem Weinkeller sehr düster sind, führt uns die Haupttreppe in die große Halle. Da das Dach fehlt, können wir uns die Taschenlampen sparen und auch die runden Turmzimmer anschauen.

Fähre bei Ulsta auf Yell

Nach unserer Schlossbesichtigung treffen wir einen Bauer. Er ist sehr freundlich und bietet uns auch gleich eine Ferienwohnung an. Wer mehrere Tage auf Unst verbringen will, findet also auch beim Muness Castle eine Unterkunft. Für Ruhesuchende ist dies sicher ein guter Platz. Wir aber wollen zurück auf Mainland und fahren vorbei am Standing Stone nach Belmont. Der einzelne Stein ist unser letzter Besichtigungspunkt auf Unst.

Zum Glück, denn auf dem Weg dorthin setzt der nächste kräftige Schauer ein, sodass nur Lars kurz aussteigt, um schnell ein paar Bilder aufzunehmen. Bei der Rückfahrt werden wir schließlich mit Regen und Hagel überschüttet. Nach dem Übersetzen nach Yell beruhigt sich das Wetter aber wieder. So können wir bei Ulsta die Wartezeit auf die nächste Fähre am Ufer verbringen und den Blick über die von mehreren Inseln geschützte Bucht schweifen lassen, während eine Kegelrobbe ihre Bahnen im dunklen Wasser zieht.

Video Unst - Rauhe Landschaft und Shetlandponys

Eindrücke von Unst, der nördlichsten besiedelten Insel von Großbritannien. Aufnahmen vom Loch of Cliff, Schafen und Shetlandponys.
VG Wort
Anzeige