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Dunnottar Castle

Versteck der schottischen Kronjuwelen

Das Dunnottar Castle thront eindrucksvoll auf einem Felsen hoch über dem Meer und ist nur durch einen schmalen Weg mit dem Festland verbunden. Durch die strategisch wichtige Lage spielte die Burgruine in der Schottischen Vergangenheit mehrmals eine bedeutende Rolle.

Zu erreichen ist sie über einen kurzen Spazierweg vom Besucherparkplatz aus. Schön ist sicher auch der ca. zwei Kilometer lange Wanderweg von Stonehaven hierher. In beiden Fällen hat man den besten Blick auf die Ruine von der Steilküste aus, zu der rechts neben dem Eingangsgatter ein schmaler Pfad führt.

Anne und Lars vor dem Dunnottar Castle
Bucht beim Dunnottar Castle

Schon die Pikten bewohnten den Burgfelsen und stellten Kapellen auf. Während der Herrschaft von König William the Lion war Dunnottar bereits befestigt. Eine richtige Burg entstand jedoch erst im frühen 13. Jahrhundert. 1297 eroberte der schottische Freiheitskämpfer William Wallace die Anlage.

Die rund 4000 besiegten englischen Soldaten wurden angeblich in der Burgkirche eingesperrt und diese anschließend niedergebrannt. Nachdem die Verteidigungsanlagen immer wieder vernichtet wurden, versuchte es 1382 der Keith Clan auf ein Neues mit dem Aufbau und stellte einige Jahre später einen Wohnturm fertig.

Durchgang beim Dunnottar Castle
im Dunnottar Castle
Wasserfall beim Dunnottar Castle

Dieser Aufbau war erfolgreich und als 1581 Georg Keith zum 5. Earl Marischal wurde, änderte sich mit ihm der Nutzen der Anlage. Georg schätzte die malerische Lage und baute die mittelalterliche Festung zu einem komfortablen und wohnlichen Schloss um. Luxuriöse Zimmer mit herrlicher Sicht auf die Nordsee waren ihm wichtiger als strategische Sicherheitsaspekte. Auch die Kapelle der Gräueltaten ließ er wieder aufbauen.

1651 diente das Schloss Dunnottar nach der Krönung Karl II. als Versteck der Kronjuwelen. Oliver Cromwell belagerte daraufhin acht Monate lang die Festung, um in den Besitz der schottischen Insignien zu kommen. Erst als Sir George Ogilvy of Barras, Vizegouverneur des Schlosses, nach einem zehntägigen Bombardement kapitulierte, musste Cromwell feststellen, dass die Schotten die Kronjuwelen längst aus dem Schloss herausgeschmuggelt hatten.

im Dunnotar Castle

Schon 1685 stand die Festung erneut im Mittelpunkt einer Gräueltat, als 122 Männer und 45 Frauen im nur 50 m² großen Verlies Whigs' Vault vor sich hin schmachteten, weil sie Protestanten waren und ihren Glauben nicht wechseln wollten.

Ein Teil von ihnen gab dem Glaubensdruck nach und wurde frei gelassen. Ein anderer Teil versuchte zu fliehen, wurde aber – wenn er nicht schon die Klippen heruntergestürzt war – großteils wieder eingefangen. Wer nicht starb, wurde nach New Jersey in Westindien verschifft.

Kamin im Dunnotar Castle
im Dunnotar Castle

Heute ist kaum noch auszumachen, was für Dimensionen die ehemalige Prachtanlage zu ihren besten Zeiten hatte. 1718 wurde Dunnottar Castle aufgelöst und dem Verfall überlassen. Erst nach dem Erwerb der Burg durch Weetman Pearson startete dessen Familie die Stabilisierung der noch vorhandenen Bausubstanz

und wurde sie zum Besuch freigegeben. So können wir heute Teile des Tower Houses, des Torhauses und des Palais besuchen. Zudem sind das Torhaus, die Kapelle und der Palast aus dem 16. Jahrhundert mit dem Gefängnis Whigs' Vault zu erkennen.

Blick auf das Dunnotar Castle
Rita und Anne vor dem Dunnotar Castle

Am interessantesten finden wir jedoch eine offene Zisterne im hinteren Bereich der Festung. Sie wurde im 20. Jahrhundert ausgegraben und ist 7,6 Meter tief. Das reicht, um 497 Kubikmeter Wasser zu speichern. Um dieses für den Fall einer Belagerung haltbar zu machen, gab es in den Räumen darunter eine Brauerei, die daraus Bier bzw. in diesem Fall Ale herstellte.

Bei den Ausgrabungen entdecken die Archäologen außerdem vier Messingpfannen, ein französisches Schwert, fünf Kanonenkugeln, Teile eines holländisches Topfs und anderthalb silberne Teelöffel. Auch ohne zu wissen, was damals noch alles in die Zisterne gefallen war, können wir uns gut vorstellen, warum die Wachmänner lieber zum Bier gegriffen haben.

VG Wort
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