Pinkas-Synagoge und Maisel-Synagoge

Als wir zum Judenfriedhof und der Pinkas-Synagoge zurückkehren, hat sich bereits eine recht ansehnliche Touristenschlange vor dem Eingang gebildet. Doch wir haben Glück und werden vom Personal an den Wartenden vorbei in die Synagoge gelassen.

Pinkas-Synagoge
Pinkas-Synagoge
Pinkas-Synagoge
Pinkas-Synagoge

Diese übrigens hat schwer zu kämpfen. Denn nachdem die Synagoge nach dem Zweiten Weltkrieg zu einer Gedenkstätte ausgestaltet und die Namen der Juden, die dem H*tl*r-Regime zum Opfer gefallen waren, mit ihren Geburts- und Sterbedaten aufgeschrieben wurden, gefährdete Grundwasser das Gebäude. 1968 wurde die Synagoge geschlossen und die Inschriften Stück für Stück abgetragen.

Bei der Renovierung fand man in den unterirdischen Räumen einen alten Brunnen und ein Ritualbad. Das war aber wohl nicht der Grund, warum die Bau- und Renovierungsarbeiten immer wieder verzögert wurden. Denn auch das kommunistische Regime zeigte nur wenig Interesse an der Gedenkstätte und hielt die Bauarbeiten immer wieder hin.

Erst 1990 wurde die Renovierung der Synagoge beendet. Zwischen 1992 und 1996 wurden dann die rund 80.000 Namen der in der N*z*-Zeit umgebrachten Juden wieder auf die Synagogenwände geschrieben.

Pinkas-Synagoge
Pinkas-Synagoge

Diese mussten jedoch schon sehr bald wieder gerettet werden. Denn nachdem man das Grundwasser im Griff hatte, brach im Sommer 2002 ein Hochwasser über die Synagoge herein. Die Räume standen anderthalb Meter unter Wasser. Als Folge war die Gedenkstätte erneut 14 Monate lang geschlossen.

Abermals waren aufwendige und sehr kostspielige Maßnahmen notwendig, um die Nässe wieder aus den Wänden zu bekommen und die Schriften zu erhalten bzw. abermals zu erneuern.
Dafür aber ist die Synagoge heute neben der Spanischen Synagoge das schönste jüdische Gebäude in Prag.

Maisel-Synagoge
Maisel-Synagoge

Während das Personal die Leute in den meisten Teilen des Museums trotz der durchgestrichenen Kameraschilder ein paar Aufnahmen machen lässt, weht in der Maisel-Synagoge ein anderer Wind.
Hier nämlich hat sich eine ältere Frau zur Lebensaufgabe gemacht, das Verbot tatsächlich durchzusetzen. Und das in Zeiten, wo fast jeder Tourist wenigstens eine kleine Kamera bei sich trägt. In der Folge rennt die Frau von einem zum anderen, um dann auch uns zu sagen, dass wir die Kamera einstecken sollten - das wäre besser. Als ich sie frage, warum Fotos verboten sind, ein anderer Herr aber direkt neben ihr alles ganz genau filmen darf, bedankt sie sich bei mir, um einen Moment später über den nächsten herzufallen ...

VG Wort