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Fort Mirbat

und die letzte militärische Schlacht um eine Festungsanlage

Das Fort Mirbat ähnelt dem von Taqah. Auch hier wohnte einst ein Wali. Im Vergleich zu seinem Amtskollegen schien dieser jedoch beliebter gewesen zu sein. Denn während die Außenmauern im Fort von Taqah, abgesehen vom Eingangstor,

als einzige Öffnungen Schießscharten aufweisen, sehen wir in Mirbat Fenster mit kunstvoll verzierten Holzgittern. Es wäre also ein Leichtes gewesen, in das Fort einzudringen und den Wali zu stellen.

Kanonen vor dem Fort Mirbat im Oman
das Fort in Mirbat im Oman

Bei unserem Besuch ist der Eintritt in das Fort noch frei. Es wird gerade ein Museum eingerichtet. Wir werden deshalb gebeten, auf Bilder zu verzichten, um bloß keinen falschen Eindruck von einer Baustelle zu veröffentlichen. An sich aber sind die Arbeiten am Umbau weitgehend abgeschlossen.

Der Grundriss und die Gebäudestruktur legen nahe, dass der Wali ähnlich gewohnt hat wie der in Taqah. Die Wohnkultur ist im Fort Mirbat jedoch nur Nebensache. Stattdessen steht hier die omanische Kultur, die Kleidung und Musik, im Mittelpunkt des Museums.

im Fort von Mirbat
Leitern in den Gebäudeecken des Fort von Mirbat
Blick in den Innenhof des Fort von Mirbat

Enge Treppen führen auch hier auf das Dach des Fort. Der Blick über Mirbat fühlt sich seltsam an. Wir sehen bis zum Hafen. Wo der Platz für eine pittoreske Altstadt wäre, erstreckt sich eine Trümmersiedlung mit zerstörten Häuser und eingefallenen Dächern. Gleich dahinter erhebt sich die Moschee.

Sie benötigt zwar einen neuen Anstrich, ist aber ansonsten intakt. Ähnlich wie bei unserer Besichtigung von Assuan sieht Mirbat wie eine Stadt nach einer kriegerischen Auseinandersetzung aus. Und doch hat es in dieser Region seit mehr als 40 Jahren keine Kampfhandlungen mehr gegeben.

Blick über Mirbat vom Dach des Forts
das Fort von Mirbat im Oman

Das Fort Mirbat war Schauplatz des berühmtesten Gefechts während des Dhofar-Krieges. So ereignete sich hier am 19. Juli 1972 die weltweit letzte militärische Schlacht um eine Festungsanlage dieser Art.

Mehr als 300 Aufständische wollten nachts mit einer Blitzattacke das Fort im Handstreich einnehmen. Die regierungstreuen Einwohner Mirbats sollten anschießend exekutiert werden. Da das Fort mit 30 Mann nur schwach besetzt war, schien der Angriff denkbar einfach.

der Strand mit einem Fischerboot vor dem Fort von Mirbat im Oman
der Indische Ozean vor dem Fort von Mirbat im Oman

Der Plan stand allerdings unter keinem guten Stern. Schon im Hinterland trafen die Aufständischen zufällig auf Soldaten. Den unerwarteten Kampfhandlungen fielen einige Rebellen zum Opfer. Die danach deutlich dezimierte Truppe erreichte erst bei Tageslicht das Fort. Dort erwiesen sich die 30 Mann erheblich wehrhafter als gedacht.

Unter ihnen befanden sich erstklassig ausgebildete Soldaten der Special Air Services, die den Angriff sofort ins Luftwaffenhauptquartier funkten. Die Kräfte des Sultans starteten einen Luftangriff mit Helikoptern. Unter fürchterlichem Beschuss verloren mehr als die Hälfte der Rebellen ihr Leben. Die Schlacht um Mirbat gilt als Wendepunkt bei dem seit 1965 andauernden Konflikt. Gut drei Jahre später erklärte Sultan Qabus den Dhofar-Aufstand offiziell für beendet.

VG Wort
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