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Altstadt von Yangon

britische Kolonialarchitektur und fehlende Großstadtidylle

Hundemüde fallen wir am ersten Abend in Myanmar ins Bett. Trotz der Zeitumstellung schlafen wir beide recht schnell ein. Leider aber muss Lars dann doch mitten in der Nacht ins Bad. Schlaftrunken sieht er dort durch die Lüftungsschlitze der Tür meine Beine und denkt, ich stünde im Gang. Als er das Bad wieder verlässt, ist das Zimmer jedoch dunkel und findet er mich schlafend im Bett. Leicht verwirrt überlegt er, ob noch eine dritte Person im Zimmer sei, eh er sich selbst Halluzinationen unterstellt. Der Arme. Hätte er gewusst, dass ich tatsächlich aufgestanden war, um die Klimaanlage einzuschalten, dann aber sofort zurück ins Bett bin, wäre vielleicht auch er am nächsten Morgen ausgeschlafen aufgewacht.

Egal, auch er ist trotz meines nächtlichen Spuks einigermaßen fit, als wir zum Frühstück gehen und unsere Gruppe mit einem gut gelaunten »Mingalaba« begrüßen. Das bedeutet so viel wie »Glück und Segen mit Dir« und ist die wichtigste Grußformel in Myanmar. Diese können wir sowohl morgens und mittags als auch abends anwenden, wie uns Htet Htet erklärt. Sie selbst geht noch einen Schritt weiter. So starten wir ab heute jede unserer Tagestouren im Chor mit dem Wunsch: »Mögen alle Lebewesen glücklich und zufrieden sein.« Es wirkt anfangs etwas seltsam auf uns. Doch irgendwie ist es ein motivierender und schöner Spruch für den Tag. Mücken sind von dem Wunsch übrigens ausgeschlossen.

die Sule-Pagode von Yangon
die City Hall mit der Stadtverwaltung von Yangon

Am ersten vollen Tag in Myanmar lernen wir Yangon näher kennen. Und zwar zu Fuß. So schmeißt uns der Busfahrer bei der Sule-Pagode hinaus und ist im nächsten Moment auch schon wieder verschwunden. Die Pagode steht inmitten eines Kreisverkehrs. Wir verzichten auf einen Besuch. Sie ist bei Weitem nicht so pompös wie die Shwedagon-Pagode und dient den Einheimischen daher auch nur als Alltagstempel.

Gebete und Bitten, die hier gesprochen werden, beziehen sich auf die kleinen Probleme des Alltags. Gleich daneben befindet die City Hall. Hier ist die Verwaltung von Yangon untergebracht, welche wahrscheinlich das Ihre zu den Alltagsproblemen der Menschen beiträgt.

Löwe beim Unabhängigkeitsdenkmal im Maha Bandula Park
Gerichtshof von Yangon
Unabhängigkeitsdenkmal im Maha Bandula Park

Als typisches Beispiel der britischen Kolonialarchitektur gilt hier der Gerichtshof mit seinem dekorativen Glockenturm. Lange Zeit weilte darin das höchste Gericht Myanmars. Erst als Yangon den Status als Hauptstadt an Naypyidaw (am 6. November 2005) abgeben musste, verlor das Gebäude seine hohe Bedeutung.

In der Straße vor dem Gerichtsgebäude befindet sich heute ein freundlicher Garküchenmarkt. Über Holzkohle schmoren die Gerichte in großen Töpfen und warten auf hungrige Mägen. Für Europäer ist dies sicherlich gewöhnungsbedürftig. Doch die Burmesen sitzen auf niedrigen Kindergartenstühlen und genießen ihr geselliges Mahl.

Garküchenstraße beim Maha Bandula Park

Maha Bandula Park

Daneben befindet sich der Maha Bandula Park mit seinem hoch aufragenden Unabhängigkeitsdenkmal. Der Park ist nach dem General benannt, der im ersten Anglo-Birmanischen Krieg (1824-1826) gegen die Briten kämpfte. Er wurde seinerzeit verehrt wie heute Aung San Suu Kyi, die Friedensnobelpreisträgerin und heutige Außenministerin von Myanmar.

Das Land befindet sich im Umschwung. Während der Militärdiktatur war es den Reiseleitern noch verboten, über Politik zu sprechen. Heute hat das Land eine Demokratie light. Doch die Burmesen freuen sich auf ihre neue Zukunft und schauen der Demokratie frohen Mutes entgegen.

britische Kolonialarchitektur in Yangon
Fußgängerübergang zur Pansodan Jetty in Yangon

Leider mangelt es in Yangon an Großstadtidylle. Die Straßen wirken sehr fußgängerunfreundlich und die meisten Kolonialhäuser bräuchten auch mal wieder einen deftigen Anstrich, wenn nicht gar eine Grundsanierung. So spazieren wir langsam zum Yangon-Fluss und passieren dabei den um 1900 gebauten Yangon Division Court mit seinen achteckigen Ecktürmen.

Teile des Gebäudes wurden im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt und sind bis heute nicht wieder instand gesetzt. Vor dem Gebäude stehen kleine Gemüsestände, an denen Htet Htet uns das Fruchtfleisch der Jackfrucht zum Probieren kauft. Wir kennen es bereits von Borneo, finden es aber immer wieder lecker.

das Strand Hotel von Yangon
Yangon Division Court

Ein kurzer Abstecher bringt uns zum 1901 erbauten Strand Hotel. Es gilt als ein nationales Wahrzeichen im viktorianischen Stil im Zentrum von Yangon. Hier ließe sich stilvoll eine Tasse Tee trinken. Stattdessen nutzen wir den nahen Rolltreppenübergang zur Pansodan Jetty. Denn unser nächstes Ziel ist die kleine Ortschaft Dala auf der anderen Seite des Yangon-Flusses.

Video zur Altstadt von Yangon

Kurzer Spaziergang durch die Altstadt von Yangon. Aufnahmen von einem Straßenmarkt nahe dem Maha Bandula Park.
VG Wort
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