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Skulpturenpark von Moskau

Zwischen der Schokoladenfabrik »Roter Oktober« und dem Denkmal Peters des Großen kommen wir zum Hintereingang des Skulpturenparks. Entgegen meiner Erwartung kostet es Eintritt. Dafür ist der Park aber auch einiges umfangreicher als ich mir vorgestellt hatte. Und wo sind die vielen politischen Köpfe?

Natürlich gibt es sie. Nachdem der Park lange Zeit nur eine Art Abstellkammer im Freien für eben diese war, finden sich hier heute auch völlig unpolitische Kunstwerke. Obwohl, nachdem wir an einer langnasigen Pinocchio-Skulptur vorbeikommen, bin ich mir dessen schon nicht mehr so sicher.

Don Quijote im Skulpturenpark
Denkmal Peters des Großen in der Moskwa
Pinocchio

Anfang der 90er Jahre nannten die Moskowiter den Park »Friedhof der gestürzten Denkmäler«. Der erste, dem diese Ehre zuteil wurde, war Felix Dschschinskij, der Begründer des KGB, dessen Standbild 1991 während des Putsches auf dem Lubjanka-Platz gestürzt und hierher verfrachtet wurde. Als die sowjetischen Helden aus der Mode kamen bzw. beim Volk in Ungnade gefallen waren, folgten Lenin, Stalin und Breschnew und 600 weitere Denkmäler.

Für eine Besichtigung an nur einem späten Nachmittag, noch dazu nach ausgedehnten Spaziergängen durch Moskau sind dies natürlich viel zu viele, als dass wir uns alle anschauen könnten. Und da uns auch schon lange die Füße schmerzen, legen wir erstmal eine kleine Pause in dem langsamsten Museumscafé ein, welches wir je erlebt haben...

ist er nicht süß, der Lenin?
keine Ahnung, wer das ist
ohne Mantel wäre es authentischer...

Danach werden wir Zeuge, was heute offenbar die liebste Beschäftigung der (jungen) Besucher ist: Wettposieren mit und nachgeahmten Verrenkungen vor Kunstdenkmälern, anhimmeln, küssen oder veralbern von politischen und unpolitischen Standbilder und - natürlich - alles bildlich festzuhalten.

Wie sie überhaupt sehr viel Spaß daran haben, sich in allen möglichen Posen, mal lächelnd, mal schmachtend, fotografieren zu lassen. Nein, auch wenn die meisten wohl wissen, welcher Kopf zu Ehren Wladimir Iljitsch Lenins geschaffen wurde, seine Philosophie teilen die jungen Russen schon lange nicht mehr.

Hexenhaus im Park
Stalin vor den Zeichen der Sowjetunion

Schließlich finden wir dann doch zu dem mächtigsten und grausamsten Diktator der Sowjetunion, sehen Josef Wissarionowitsch Stalin vor Hammer und Sichel, Wind und Wetter ausharren. In vielen Teilen der ehemaligen Sowjetunion wirkt der zu Sowjetzeiten betriebene Personenkult trotz seiner vielen Verbrechen noch immer nach.

Andererseits sind es von der Stalin-Skulptur nur ein paar Schritte bis zu einer Wand aus Käfigen, in der unzählige runde Steine mit Gesichtern an die ebenso unzähligen Gulag-Opfer der Arbeitslager, Besserungslager und Zwangsarbeitslager erinnert. Allein diese Wand verdeutlicht, warum Begriffe wie Stalinismus und stalinistisch in Europa für das Böse stehen.

VG Wort
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