Anzeige

Soroca Fortress, die Festung des Stefan cel Mare

und der Baumeister aus Siebenbürgen

die Festung von Soroca in Moldawien
im Innenhof der Festung von Soroca in Moldawien

Mit rund 37 000 Einwohnern ist Soroca eine größere Stadt in Moldawien. Wir erwarten eine höheres Verkehrsaufkommen und eine längere Parkplatzsuche. Der Weg ins Stadtzentrum führt über den sogenannten »Zigeunerhügel«. Von dort können wir der Straße weiter bergab bis direkt zum Soroca Fortress folgen. Dort, am Ufer des Dnister angekommen, erwartet uns ein leerer Parkplatz.

Das ist ja schön. 'Wie lange wird es wohl dauern, bis sich Lars für einen der vielen freien Plätze entscheiden kann?', überlege ich noch, als er den Wagen auch schon zielsicher auf der Freifläche parkt. Bleibt nur noch die Frage, ob die Festung überhaupt geöffnet ist, so menschenleer, wie es hier ist?

Innenhof der Festung von Soroca in Moldawien
der Trinkwasserbrunnen in der Festung von Soroca in Moldawien
Anne in der Festung von Soroca in Moldawien

Wir spazieren durch das Eingangstor, ohne eine Kasse zu sehen. Eine ältere Frau sitzt strickend im Hof. Als sie uns bemerkt, eilt sie auf uns zu und fragt nach Tickets. Mit Fragezeichen im Gesicht schauen wir sie an. Der Eintritt kostet zehn Lei pro Person. Das sind läppische 50 Eurocent. Wir drücken ihr das Geld einfach so in die Hand, woraufhin sie lachend verschwindet.

Gut, wir schauen uns schon einmal im Innenhof um, bis die Dame mit zwei Tickets in der Hand zurückeilt. Das klappt ja prima. Es scheint bis zur Kasse doch eine längere Strecke zu sein, die sie nur einmal am Tag freiwillig läuft. Denn die nächsten Besucher schickt sie davon, als diese ticketlos im Burghof erscheinen.

die Dachkonstruktion der »Zauberhüte« bei den Türmen der Festung Soroca
Blick in den Innenhof der Festung von Soroca in Moldawien

Die strategische und wirtschaftliche Bedeutung der Gegend verdeutlicht die Geschichte. Bereits im 12. Jahrhundert befand sich hier eine Furt der Händler aus Genua über den Fluss. Dennoch wurde erst zur Zeit des Fürstentums Moldau mit dem Bau einer Festung begonnen. Ab 1499 war der Übergang über die Tyra militärisch gesichert. Wie die Festung Bendery in Transnistrien gehört die Burg Soroca zu den insgesamt vier Bollwerken am rechten Ufer des Flusses.

Zusammen mit weiteren Festungen an der Donau sollten sie die nördliche und östliche Grenze Bessarabiens sichern. Während unter dem moldauischen Fürsten Stefan cel Mare noch eine hölzerne Festung genügte, ließ sein Sohn, Fürst Petru Rares, die heute noch in Teilen bestehende steinerne Festung erbauen. Baumeister aus Siebenbürgen unterstützten ihn dabei.

im Innenhof der Festung von Soroca
Aussicht aus dem Turmfenster der Festung von Soroca auf den Dnister
Brunnen im Innenhof der Festung von Soroca

Die Soroca Fortress fasste damals 2000 Soldaten. Im Falle einer Belagerung fand zudem die Stadtbevölkerung hinter den dicken Mauern Unterschlupf. So sind die Einwohner heute noch stolz darauf, dass die moldauischen Soldaten beim Pruthfeldzug (1711) der Belagerung durch Osmanischen Truppen so lange trotzten, bis die verbündeten russischen Truppen eintrafen und die Stadt befreiten. Trotzdem wurde die Festung später einige Male beschädigt.

Mit Fördermittel der EU wird heute versucht, die alten Mauern bestmöglich zu rekonstruieren. Und auch wenn die an Zaubererhüte erinnernden Dächer eher der Fantasie heutiger Architekten entsprungen sind und man über die Wahl der verwendeten Materialien streiten kann, finden wir es gelungen. Oder, wie mein Mann es ausdrückt: »Burgen wurden über Jahrhunderte immer wieder verändert und repariert. Bei der Wahl der Baustoffe aber hat man immer das genommen, was man hatte.«

»Zauberhut« - einer der Ecktürme der Festung von Soroca in Moldawien
Kapelle in der Festung von Soroca in Moldawien
Wir schauen in den Innenhof der Festung von Soroca
VG Wort
Anzeige