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Hotel und Restaurant Moulin de Conques

die Enttäuschung der Reise

Das Beste kommt bekanntlich zum Schluss. Diese Absicht hatten auch wir, als wir für die letzten beiden Nächte den Moulin de Conques buchten. Zum Abschluss dieser langen Reise wollten wir uns etwas Luxus gönnen und reservierten uns auf der Buchungsseite der Mühle ein hübsches Zimmer.

Froh, das angeblich letzte verfügbare Zimmer gerade noch ergattert zu haben, sagten wir bei der Bestätigungsmail zu. Es war der bislang größte und teuerste Fehler, der uns bei all unseren Reisen jemals unterlaufen ist. Doch der Reihe nach.


Zeitgleich mit uns kommt eine Rentnergruppe zum Essen bei der Mühle de Conques an. Ein älterer Mann weist ihnen den Weg. Mit uns indes kann er wenig anfangen. Also schenkt er uns auch keinerlei Beachtung. Wir folgen ihm trotzdem. Kurz darauf stehen wir vor der Rezeption. Der Rezeptionistin zeigen wir unsere Buchungsbestätigung und freuen uns schon auf eine kurze Pause im hübschen Zimmer. Leider zu früh gefreut. Sie schaut die Buchung nur kurz an.

Dann drückt sie uns diese auch schon wieder in die Hand und erklärt in einem patzigen Ton, dass es sich um eine Buchung für das Château de Canac in Rodez handle. Ja, das Château de Canac war es, welches die Bestätigung geschickt hatte. Doch mit der E-Mail-Adresse vom Moulin de Conques. Denn die beiden Häuser gehören zusammen. Beide Etablissements gehören der Familie Busset und werden von zwei Brüdern geführt.


Da wir die Buchung über die Seite vom Moulin de Conques getätigt hatten und uns dort auch das Zimmer für die Zeit aussuchen konnten, sind wir natürlich davon ausgegangen, dass auch dieses Zimmer bei der Buchungsbestätigung gemeint war. Wie die Bestätigungsmail geschrieben ist, wirkt es, als würde das Schloss die Buchungen für beide Häuser betreuen. Doch die Rezeptionistin behauptet steif und fest, die beiden Häuser gehören nicht zusammen. Frecherweise zeigt sie mir die Homepage der Mühle, auf der wir hätten buchen sollen. Nichts anderes haben wir getan.

Ich gehe hin uns scrolle die Seite ein Stück weit nach unten. Voilà, schon taucht das Château de Canac auf. Das hatte die Frau offenbar nicht bedacht. Deutlich kleinlauter räumt sie nun ein, dass es wohl doch eine Verbindung zwischen beiden Häusern gäbe. Allerdings hätte die Mühle morgen eh zu. Erst auf Lars' Nachhaken erklärt sie, dass wir die eine Nacht hier verbringen könnten – der Preis wäre derselbe. Warum aber war das Zimmer dann überhaupt für diese Zeit zu buchen? Das weiß sie nicht. Es scheint sich um einen Fehler im Buchungssystem zu handeln.


Wir überlegen, ob wir die eine Nacht hier bleiben. Leider ist es erst ein Uhr. Check-in ist bei der Mühle aber erst um drei Uhr und natürlich auch keine Minute vorher. Aber sie könnte uns einen Tisch im Restaurant richten. Dankeschön! Wir wurden bei der Buchung verarscht und sollen denen jetzt auch noch 200 Euro für ein miesgelauntes Mittagessen in den Rachen schieben? Wir verzichten und entscheiden uns für die Nacht im Schloss. Mit der Weile dämmert uns, was hier gespielt wird. Offenbar wollte die Familie Busset nicht auf zahlungswillige Besucher verzichten.

Also schieben sie diese zur Not auch mal an das Château de Canac ab. So fragt uns die Alte, ob wir mit dem Auto da wären? Prima, dann könnten wir ja die 40 Kilometer bis dorthin einfach fahren. Allerdings sind die 40 Kilometer zwischen den beiden Häusern ein doch unverschämt langes Stück für Umbuchungen. Korrekt, reserviert, mit einem Hauch von Freundlichkeit, verborgen unter einer ausgeprägten Affinität zur Arroganz – so haben wir die Rezeptionistin der Moulin de Conques kennengelernt – oder wie Annette sagt: »Diese Frau ist eine Unverschämtheit!«


Unser Romantik-Hotel in den Midi-Pyrénées hat sich damit zu einer riesengroßen Enttäuschung entpuppt. Wären wir nur länger in dem schönen Domaine Le Castagné bei Auch geblieben. Denn ob das Château de Canac das viele Geld wert ist, bezweifeln wir jetzt schon. Warum wir keine Bilder von der Moulin de Conques gemacht haben? Als wir zurück zum Auto gehen, können wir dem älteren Mann von unserer Ankunft zuschauen, wie er in das licht belaubte Gebüsch im Garten pinkelt.

Bei den Preisen, die von der Mühle verlangt werden, erwarten wir vom Personal, dass es mit der Benutzung von Toiletten vertraut ist und Anstand besitzt. Es ist ekelhaft und wir wollen nur noch weg. Erst später finden wir heraus, dass die Zimmer in der Mühle zwischen 120 und 140 Euro pro Nacht günstiger sind als das, was wir hätten zahlen sollen.

VG Wort
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