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Schleusentreppe von Fonserannes

die technische Meisterleistung des Pierre-Paul Riquet

Canal du Midi bei Béziers
die untere Schleuse der Schleusentreppe von Fonserannes

Auch wenn Béziers städtisch wirkt, bleibt es nachts im Hafen ruhig. Trotzdem wachen wir mehrmals auf. Zum einen sicher vor Aufregung wegen der Schleusentreppe, die am zweiten Tag unserer Midi-Tour vor uns liegt. Zum anderen aber auch wegen der Bilgepumpe, die immer wieder anspringt. Auch das Surren des Kühlschranks tut das seinige – und wird fortan einfach abends ausgeschaltet.

Wir sind also zeitig wach, stehen früh auf und Lars macht sich sogleich auf die Suche nach einem Bäcker. Leider geht er zu Fuß los. Aber wer rechnet schon bei der zweitbedeutendste Stadt entlang des Canal du Midi damit, dass es in Hafennähe keinerlei Boulangerien gibt? Er ist ewig unterwegs, bis er am Bahnhof endlich einen Kiosk findet. Baguette gibt es aber erst ab neun Uhr. Prima, wir müssen uns mit Croissants begnügen – aber Hauptsache, wir haben etwas zum Frühstücken.

in der Schleusentreppe von Fonserannes
Ausflugsboote habe Vorrang in der Schleusentreppe von Fonserannes

Kaum sind wir mit dem Frühstück fertig, sieht Lars, wie die Schleusenampel auf Grün schaltet. So früh schon? Wir haben es gerade einmal halb neun. Normalerweise beginnt der Schleusenbetrieb erst um 9 Uhr. Für die Orb-Schleuse gelten offenbar andere Zeiten. Aber wenn sie schon mal offen ist, dann wollen wir dies auch nutzen. Immerhin wird in allen Berichten, die wir gefunden hatten, von langen Wartezeiten bei der Schleusentreppe von Fonserannes geredet.

Einen Augenblick später haben wir die Seile am Ufer gelöst und wieder am Deck verstaut und startet Lars den Motor. Dann verlassen wir die Heimatstadt von Pierre-Paul Riquet auch schon, fädeln uns bei der Stange der Orb-Schleuse ein und lassen uns nach oben schleusen.

Ausflugsboot in der Schleusentreppe von Fonserannes
Wasser kommt - Schleusentreppe von Fonserannes

So früh am Morgen ist es noch ruhig auf dem Canal du Midi. Vom Aquädukt über den Orb haben wir einen letzten schönen Blick auf Béziers. Bald danach erreichen wir den Warteraum für die Schleusentreppe, um dort festzumachen. Anders als bei den sonstigen Schleusen gibt es bei Fonserannes feste Zeiten für die Flussab- oder auffahrt. (Flussabfahrt: 8h30 / 9h30 - 13h00 / 15h30 / Flussaufffahrt: 10h00 / 12h15 - 16h00 / 18h15).

Da während unserer Fahrt schwer gebaut wird, sind die Wege zur Schleusentreppe gesperrt. Damit haben wir Gelegenheit, um die Info der Schleusenwärter zu studieren. Es herrscht zurzeit nämlich eine ungewöhnliche Trockenheit, was natürlich auch den Schleusenablauf behindern kann. Um dem vorzubeugen, kann es vorkommen, dass einzelne Boote auf nachkommende warten müssen, um die Schleusengänge zu reduzieren und auf diese Weise Wasser zu sparen.

jetzt sind die Hausboote dran - Schleusentreppe von Fonserannes
das untere Schleusenbecken bei Fonserannes

Von oben kommen an diesem Morgen lediglich zwei Boote. Kaum haben uns diese passiert, schaltet die Ampel auf Grün um und winken uns die Schleusenwärter herbei. Eigentlich haben die Berufsschiffe Vorrang vor den Hausbooten. Aber die Ausflugsboote starten erst um 9 Uhr und Frachtschiffe sind ebenfalls keine zu sehen. Damit sind wir erneut alleine in der Schleuse. Auch in Ordnung. Leider sprechen die Schleusenwärter nur Französisch. Mit den Armen fuchtelnd, zeigen sie mir, was ich zu tun habe.

Ich bleibe die ganze Zeit über draußen und führe das Boot mit dem Seil durch die sechs Schleusenkammern und die Tore dazwischen. Tolle Sache. Wenn da nur nicht diese Motorkästen bei den Übergängen wären, an denen ich mir unschöne blaue Flecken hole. Egal, wir überwinden hier auf einer Länge von 312 Metern einen Höhenunterschied von 21,50 Metern. Das Bauwerk gehört zu den technischen Meisterleistungen des Pierre-Paul Riquet, zumal sie zu seiner Zeit noch um zwei Kammern länger war. Daran erinnert noch die Beschilderung auf dem Landweg, bei dem die Schleusentreppe mit »Les 9 Écluses« angegeben ist.

Hausboot in der Schleusentreppe von Fonserannes
Hausboot in der Schleusentreppe von Fonserannes
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