Anzeige

Schleusentag auf dem Canal du Midi

von englischen Rentnern und Südafrikanern

das Hafenbecken von Carcassonne | Canal du Midi
Brücke über den Canal du Midi

In der Nacht vor Carcassonne können wir tief und fest schlafen. Da wir ein gutes Stück außerhalb der Stadt angelegt haben, bleibt es die ganze Nacht über himmlisch ruhig. Nicht ein Laut ist zu hören. Erst am Morgen fällt uns auf, dass wir nicht einmal die Bilgepumpe gehört haben. Die ist nämlich ausgefallen, zumindest deren Automatik. Fortan läuft sie nur noch, wenn wir sie manuell einschalten. Toll! Was passiert, wenn wir sie vergessen?

Gehen wir dann unter? Wir werden sehen – bis jetzt hält sich unser Schiff noch wacker über der Wasseroberfläche. Trockenen Fußes können wir damit frühstücken, eh wir auch schon aufbrechen. Wir wollen möglichst früh an Carcassonne vorbei. Dort werden die meisten Bootsfahrer des hinter uns liegenden Pulks einen längeren Halt einlegen. Uns kommt dies ganz gelegen, da wir uns so auf einen weiteren ruhigen Tag freuen können.

die Doppelschleuse von Lalande am Canal du Midi
Anne bei der Doppelschleuse von Lalande

Kurz vor Schleusenöffnung stehen wir also vor der Fresquel-Schleuse. Dort treffen wir ein spanisches Paar, das etwas seltsam geparkt hat. Ihnen ist leider der Motor kaputt gegangen, sodass sie vor der Schleuse übernachten mussten. Das ist doppeltes Pech, denn direkt oberhalb vom Kanal verläuft eine der Hauptzufahrtsstraßen nach Carcassonne, sodass auch der Warteraum unterhalb der Schleuse vom Straßenlärm beschallt wird.

Inzwischen haben wir schon einige Bootsschäden bei anderen mitbekommen. Neben einer guten Vorbereitung und etwas Geschick sollte man wohl auch etwas Glück für eine Bootstour mitbringen. Verglichen damit ist unsere ausgefallene Bilgepumpen-Automatik nicht mehr als Tinnef – zumal der Kanal am Rand ohnehin nur 70 Zentimeter tief ist.

Becken bei der Ecluse de Villeseque
Haus des Schleusenwärter bei Villeseque

Die Fesquel-Schleusen zählen zu den interessantesten Schleusen auf dem Canal du Midi. Erst kommt eine Einzelschleuse, dann ein größeres Becken mit leicht ovaler Form wie bei den Schleusenkammern. Keine 200 Meter weiter folgt schließlich eine Doppelschleuse. Gerade mal 800 Meter weiter steht die Schleuse von St. Jean an.

Von dort sind es nochmals zweieinhalb Kilometer bis nach Carcassonne. In der Schleuse wird uns bereits ein Liegeplatz bei Carcassonne angeboten. Nein, auch wenn die Festungsanlage richtig toll ist, wollen wir lieber weiter. Außerdem sind wir etwas enttäuscht von der Hafenanlage Carcassonnes. Diese hatten wir uns einiges idyllischer und mit weniger Großstadtcharakter vorgestellt.

Weinreben am Canal du Midi

Wir wollen noch vor der Mittagspause die Doppelschleuse von Lalande schaffen. Während wir bei La Douce und Herminis alleine und schnell durchkommen, stellt sich bei Lalande scheinbar doch noch eine Wartezeit ein. Als ich beim Schleusenwärter nachfrage, quittiert er dies mit einer leicht genervten Antwort. Kein Wunder, denn die drei Boote in der Schleuse machen alles andere als das, was er ansagt. Es sind englische Rentner und Südafrikaner, die alle kein Französisch verstehen. Der arme Wärter indes kann kein Englisch. Ich übersetze für ihn, wofür er ganz dankbar ist und danach nur noch mir zeigt, was in dieser Schleuse zu tun ist.

Während die Südafrikaner bald machen, was von ihnen verlangt wird, reagieren die Rentner beleidigt. Blöd nur, dass die Schleusentore nicht geöffnet werden, solange sie ihre Seile nicht im Griff haben. Ich löse die verfahrene Situation mit einem knappen, aber bestimmten Anraunzer. Dieser wird zwar mit einem weiteren beleidigten Blick vom alten Mann beantwortet, dafür aber gehorchen nun auch die Rentner. Na endlich! Auch wenn die Siesta am Canal du Midi heilig ist, schleust uns der Wärter anschließend doch noch nach oben. Wer sagt's denn? Wir liegen wieder im Zeitplan!

schöner Abend mit Cuba Libre am Canal du Midi
in der Nähe von Villepinte am Canal du Midi

Fünf Schleusen bringen wir am Nachmittag noch hinter uns, dann haben wir genug. Das Wetter ist so schön. Wir verzichten auf Ortschaften und legen in der Nähe von Villepinte an. Wir genießen die warme Dusche und lassen uns die letzten Mockturtle mit Spaghetti schmecken – was will man mehr?

Die restliche Zeit vom Tag verbringen wir im Freien, schlürfen Cuba Libre und beobachten die Kinder vom Wohnboot gleich gegenüber. Diese schwimmen doch tatsächlich in dem Gubbelwasser vom Kanal. Den Franzosen graust es anscheinend vor gar nichts, zumal das Baden im Canal du Midi auch wegen der Bakterien verboten ist.

VG Wort
Anzeige