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Rundgang durch die Medina von Marrakesch

Da ist es doch angenehmer, sich den Innenhof einer restaurierten Karawanserei oder die Gemälde der Künstler anzuschauen. Na ja, halt mal so im Vorbeigehen. Denn nachdem wir Hamit auf der Dachterrasse eines Cafés eingeladen haben, zeigt er nicht mehr ganz so viel Elan wie bei den ersten zwei Stationen der Führung.

Wohl aber fragt er, ob wir in einen Laden mit homöopathischen  Produkten gehen möchten? Kaufen müssten wir dabei nichts, erklärt er und drängt uns auch nicht, als wir lieber noch ein paar Gassen anschauen möchten.

Karawanserei in der Medina
in der Medina

Wie von uns gewünscht, führt er uns schließlich zum alten Sklavenmarkt. Laut Reiseführer haben sich hier inzwischen Quacksalber und Gewürzhändler breit gemacht. Doch noch, bevor wir an dem Platz ankommen, dämpft Hamit unsere Erwartungshaltung: »Heute werden dort fast nur noch billige Textilien und Schuhe in schlechter Qualität angeboten.

Dadurch hat der Platz seinen Charme verloren.« Gewürze gäbe es zwar noch, die Geschäfte seien jedoch an den Rand gedrängt worden und die Gewürzpyramiden würden nur noch wegen der Urlauber aufgetürmt. »Die meisten Marokkaner kaufen ihre Gewürze heute in Tüten abgepackt. In den offenen Gewürzen sind zu oft kleine Tierchen.«

beim Sklaven- und Gewürzmarkt
beim Sklaven- und Gewürzmarkt
eine der Seitengassen

Danach ist der Spaziergang beendet und unterhalten wir uns noch eine Weile mit Hamit bei der Moschee der Buchhändler, bevor es zurück ins Hotel geht. Dabei lässt uns Hamit die Wahl, ob wir mit dem Taxi oder der Kutsche zurückfahren möchten. Das Geld, 100 Dirham, hatte er hierfür am frühen Morgen von Abdul bekommen. Wobei die 100 für die Fahr mit der Kutsche gedacht waren. Taxis sind auch für 15 Dirham zu haben.

Als wir auf die Kutsche bestehen, steuert Hamit die nächstbeste an. Oder besser gesagt: die nächstschlechteste, da die beiden Pferde offenbar nicht ausreichend gepflegt werden und stinken. Dafür handelt ihn Hamit auf 70 Dirham herab, rückt am Ende der Fahrt aber nochmals fünf Dirham heraus und verabschiedet sich von uns. Eigentlich schade, denn die Fahrt mit der Kutsche hatten wir uns deutlich schöner vorgestellt.

unterwegs mit der Kutsche
Stadtmauer mit Tor

Einen großen Fehler begeht Hamit schließlich am nächsten Tag, als er beim Abendessen im Hotel (im Speisesaal) auftaucht. Erst sind wir ja nur überrascht und halten es fast für einen Zufall. Und natürlich mögen wir uns noch mit ihm in der Bar unterhalten. Dort aber behauptet er, Abdul habe ihm kein Geld gegeben, sondern ihm gesagt, dass wir die Stadtführung selber zahlen würden. Wir sind bestürzt. Als ich entgegne, dass wir alles über die Agentur gezahlt haben, schlägt er vor, ich könne ihm das Geld geben und mir von der Agentur zurückzahlen lassen. Er würde mir eine entsprechende Erklärung unterschreiben, damit sie es Abdul abziehen.

Das geht natürlich nicht, weil Geld hinterher rennen für Sachen, die ich schon einmal bezahlt habe, tue ich nicht. Spätestens aber, als ich ihm die Zeit nenne, an der uns Abdul wieder vom Hotel abholt, er aber nicht so früh aufstehen will, dämmert es überdeutlich, dass hier was nicht stimmt. Außerdem bemerken wir, dass Hamit schon eine deutliche Fahne hat, obwohl das Bier in der Bar recht teuer und in kleinen Flaschen verkauft wird. Auch ergibt es keinen Sinn, dass ein Reiseleiter seine Schützlinge am Ende einer Tour einfach laufen lässt, ohne dafür Geld bekommen zu haben.

Später erfahren wir von Abdul, dass sich Hamit bei ihm Geld leihen und einen Vorschuss für die nächste Tour kassieren wollte und ihn andere vor Hamit gewarnt hatten. Ein Verhalten, was wir sehr schade finden. Denn im Erzählen ist Hamit ein ausgesprochen guter Stadtführer, der zudem ein perfektes Deutsch spricht. Hoffen wir, dass er die Kurve kriegt.

Video Marrakesch - Platz der Gaukler | Abenteuer Marokko

Eindrücke vom Djamaa el-Fna, dem Platz der Gaukler (auch Platz der Geköpften), und der Medina von Marrakesch in Marokko.
VG Wort
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