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Keramikfabrik bei Fès

Keramikherstellung
Keramikherstellung

Auf dem Weg zum schwarzen Rauch erklärt Abdul, dass wir zu einer Keramikfabrik fahren. Und tatsächlich: die Fabrik ist der Ursprung der ungesunden Abluft. Die Erklärung ist schnell gefunden. Denn direkt nebenan werden Oliven gepresst.

Während das Öl in Flaschen und Kanister gefüllt wird, werden die ausgepressten Oliven als Maische unter dem Himmel wenige Tage lang getrocknet und anschließend in den Keramiköfen verbrannt. So etwas wie Filter oder gar eine Abgasnorm kennt man hier offensichtlich noch nicht.

Keramikherstellung
Töpfer bei der Arbeit

Bevor der Ton im Ofen landet, werden die Tonlehmbrocken in einem Becken aufgeweicht. Sobald das Material die richtige Konsistenz hat, landet es bei den Töpfern auf dem Drehteller. Hier werden wir Zeuge, wie die Form einer Tajine - in ihr werden in Marokko Schmorgerichte über Kohle zubereitet - entsteht.

Der Deckel wird dabei mit einem dünnen Draht vom unteren Teil getrennt. Eindrucksvoll finden wir, wie flink die Männer die Drehscheibe mit den Füßen bewegen, ohne dabei mit ihren Händen durcheinander zu kommen.

Töpfer bei der Arbeit
Töpfer bei der Arbeit
Töpfer bei der Arbeit

Im nächsten Schritt geht’s in den Ofen. Auch wir dürfen einen der alten Öfen betreten. Obwohl er seit dem Vortag schon nicht mehr in Betrieb ist, schlägt uns immer noch heiße Luft entgegen. Dabei ist der Ofen selbst zweigeteilt: während im oberen Teil die Tongefäße und Teller gestapelt werden, sorgt in der unteren Hälfte die brennende Olivenmaische für eine Temperatur von um die 1.300 Grad.
In dem Boden dazwischen sorgen faustgroße Löcher dafür, dass die Wärme da ankommt, wo sie für die Produktion gebraucht wird.
Nach dem Brennen kommen die Keramiken zu den Künstlern, die mit geübter Feder Muster und Formen auf den Tajinen, Krügen und Tellern zaubern. Dabei müssen sie immer wieder innehalten. Andernfalls droht die frisch aufgetragene Farbe zu verschmieren.
Sind die Keramiken fertig, kommen sie ein zweites Mal bei einer deutlichen niedrigeren Temperatur in den Ofen - fertig.

ein ganzen tag sind zwei Männer damit beschäftigt, ein Mosaik zu legen.
Tajinen

Doch die Keramik kann hier auch eine andere Laufbahn einschlagen. So ist die Fabrik in Fes für ihre Mosaiken berühmt. Hatte ich einst gedacht, dass einfach irgendwelche Scherben so aneinander gesetzt werden, dass es hübsch aussieht, werde ich hier eines Besseren belehrt. Denn tatsächlich werden farbige Keramikstücke in mühevoller Kleinarbeit nach vorgegebenen,

teils komplizierten geometrischen Formen in kleine Stücke geschlagen und anschließend in ebenso komplizierter und langwieriger Arbeit nach vorgegebenen Mustern gelegt. Bis ein Mosaik von gerade mal einem auf einen Meter fertig ist, vergeht in der Regel ein ganzer Arbeitstag. Selbst wenn man kein Fan dieser Kunstform ist, bekommt man hier ein ganz anderes Wertgefühl für die Mosaike, die einem in Marokko in jeder Stadt begegnen.

Video Keramikfabrik bei Fès | Rundreise Marokko

Eindrücke von der Arbeit in einer Keramikfabrik in der Nähe der alten Königsstadt Fès in Marokko.
VG Wort
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