Heißluftballon-Landung im Distelfeld

Heißluftballon-Landung auf einem Distelfeld
Wir sind leider auf einem Zitronenbaum gelandet.

Wie heißt es doch so schön in der Luftfahrt? Runter kommen sie alle. Denn ja, der Gasvorrat ist zwar großzügig bemessen. Aber nach gut einer Stunde endet unsere Heißluftballonfahrt. Von Vorteil stellt sich dabei heraus, dass wir der zweite Ballon sind. Dadurch kann unser Pilot zunächst die Begleitfahrzeuge den richtigen Weg von der Schnellstraße zum mehr oder weniger zufällig gewählten Landeplatz lotsen.

Viel wichtiger ist für ihn die Information des ersten Ballons, dass knapp über dem Boden eine andere, entgegengesetzte Luftströmung herrscht. Um dies auszugleichen, fährt er einfach ein kurzes Stück weiter, um dann quasi rückwärts einzuparken. Soweit zumindest die Theorie. In der Praxis jedoch schwächt sich die gegenläufige Windrichtung prompt in dem Moment ab, als wir sie brauchen.

Einparkhilfe für verirrte Heißluftballons
Heißluftballon-Abschleppdienst

Ein paar Sekunden später erübrigte sich meine Frage an unseren Piloten, ob er schon mal auf einem Baum gelandet ist. Da die Piloten ohnehin versuchen, die letzten Meter möglichst langsam zu sinken, kratzen allerdings nur ein paar Äste am Boden des Korbs, ohne dass der Obstbaum ernsthaft Schaden nimmt. Was jetzt?

Die Antwort erhalten wir in Form eines weiteren, kurzen Aufflammens des Gasbrenners. Dies reicht aus, um den Baum zu entlasten und wieder frei zu kommen. Dann ist auch schon die Bodentruppe zur Stelle, die uns an dem flugs herabgeworfenen Seil aus der Obstplantage auf die benachbarte Wiese zieht.

Heißluftballon nach der Landung
Heißluftballon nach der Landung

Kurz bevor wir der erste Mal aufsetzen, mahnt unser Pilot, dass wir uns gut festhalten sollen und auf gar keinen Fall sofort aussteigen dürfen. Denn wenn das alle tun - das soll schon vorgekommen sein - dann hebt der Ballon wieder ab und setzt seine Fahrt fort. Dann setzen wir auf. Und heben nochmal ab. Und setzen erneut auf. Und heben nochmals ab. Und jedes Mal ziehen uns die Männer ein paar Meter näher zu den Fahrzeugen.

Dann endlich kommt der Heißluftballon zum Stehen, fällt die Hülle langsam in sich zusammen und dürfen wir etwas später endlich aussteigen. Der Landeplatz ist ein Glücksfall für die Crew von Mallorca Balloons. Denn wenn die Ballons auf einem Feld landen und das Getreide umknicken, müssen sie für den Ernteausfall einen Ausgleich zahlen. Wir befinden uns inmitten eines Distelfelds. Der Schaden hält sich damit in engen Grenzen.

Beim Einpacken des Ballons packen (fast) alle mit an.
Nach dem Abbau wird der Korb auf den Anhänger des Begleitfahrtzeugs gehoben.

Wie beim Aufbau müssen auch beim Abbau alle mit anpacken. Nur so lässt sich der viele Stoff der Ballonhüllen bändigen und zügig wieder zusammenrollen. Mit vereinter Kraft werden die zwei Packen dann in den Korb und mit dem Korb auf den Anhänger gehievt. Weil wir am frühen Morgen entgegen der Windrichtung gefahren sind, dauert die anschließende Rückfahrt zum Ballonhafen nur wenige Minuten.

Dort angekommen, erwartet uns eine kurze Ansprache und bekommen wir ein schickes »Certificado de Vuelo«. Als Krönung wird eine Flasche Sekt über die Scheitel aller Teilnehmer der heutigen Fahrt verteilt und schon sind wir frisch getaufte Ballonfahrer. Noch wie im Rausch von dem einzigartigen Abenteuer gibt es zum Abschluss ein gemeinsames Frühstück. Schön, dass wir so etwas erleben durften!

Ballonfahrt über Mallorca

Eindrücke von einer Ballonfahrt über die zentrale Ebene von Mallorca. Aufnahmen von den Vorbereitungen und vom Aufbau des Heißluftballons sowie dem Zusammenpacken nach der Landung in einem Distelfeld.
VG Wort