Ribeira do Inferno

Wanderung entlang der Levada Faja do Rodrigues 2/3

Nach gut zwei Kilometern ist der erste Tunnel erreicht. Er ist nicht sonderlich lang, hat aber nur einen sehr schmalem Fußweg an seiner Seite. Außerdem ragen spitze Steine aus der Decke und den Wänden. Nach einem weiteren Stück über die hier abgedeckte Levada erreichen wir den zweiten Tunnel. Dieser ist schon etwas länger. Sind wir am Anfang der Tour noch ohne Regenjacke unterwegs gewesen, so brauchen wir diese jetzt umso mehr.

Der Himmel verschont uns zwar mit Regen, aber überall plätschert das Wasser von den Felsen. Sogar in den Tunnel tropft es ständig von der Decke. Einen Wasserfall finden wir schließlich direkt vor dem Eingang zum dritten Tunnel. Das macht nichts, Augen zu und durch. Der Ausblick in ein malerisches Tal und auf São Vicente entschädigt für die nassen Momente.

einer der langen Tunnel an der Fajã do Rodrigues
... und die Tunneldecke tut ganz schön weh am Kopf.

Als Nächstes gelangen wir zum längsten Tunnel. Dieser misst 1.100 Meter und ist schnurgerade. Wir können also am Eingang schon das Ende sehen. Trotzdem ist es finster und wir benötigen die Stirnlampen. Auch hier tropft es von der Decke und der Weg ist unbequem. Da die Decke nicht sonderlich hoch ist,

laufen wir die meiste Zeit leicht gebückt. Zudem ragen immer wieder Felsen in den Weg, um die wir uns herum schlängeln dürfen. Bemerkt man diese zu spät, lenken sie einen in Richtung der Levada ab. Und das Licht am Ausgang wird und wird nicht größer. Es kommt uns ewig vor.

überall plätschert Wasser bei der Fajã do Rodrigues
Frauenhaarfarn (Adiantum capillus-veneris)
Wasserfall bei der Fajã do Rodrigues

Im letzten Abschnitt liegen Trittsteine über der Levada. Aber jetzt nur nicht auf das Licht zu spurten. Ich habe es plötzlich eilig, aus der Dunkelheit heraus und in die Ribeira do Inferno zu kommen und BUMM! Erst leicht, dann richtig, dass der Berg wackelt.

Aua, ich sehe Sterne und wären Lars und seine Schwiegermutter nicht dauernd am Plappern, dann hätten sie auch das Zwitschern um meinen Kopf gehört. Am Tag der Ankunft schon eine Gehirnerschütterung? Hoffentlich nicht! Also zusammenreißen und weiterlaufen!

Blick nach São Vicente

Trotz Kopfschmerzen und einem tauben Gefühl in den Wangen genieße ich den weiteren Weg bis zum Ursprung der Levada. Ab hier ist diese meist abgedeckt. Der dichte Lorbeerwald mit den verschiedenen Farnen und Moosen gleicht einem Nebelwald.

Immer wieder ziehen Nebelschwaden das Tal der Ribeira do Inferno hoch. Am Ende erreichen wir ein kleine, schmale Schlucht. Der hier ankommende Fluss ist der Ursprung der Levada de Fajã Rodrigues.

Blauer Natternkopf Stolz von Madeira (Echium fastuosum syn. candicans)
auf dem Weg zur Ribeira do Inferno
Levadaquelle in der Ribeira do Inferno

Auch wenn mir inzwischen vor dem langen Tunnel graust, geht es auf gleichem Weg wieder zurück zum Auto. Es bleibt mir also nichts anderes übrig, als nochmals die 1.100 Meter zu durchqueren – diesmal mit der Wand auf der linken und dem Wasser auf der rechten Seite.

Auch daran muss man sich erst einmal gewöhnen. Also sind wir jetzt etwas vorsichtiger, bis es einen lauten Platsch macht und meine Mutter mit einem Fuß im Wasser landet. Das war dann vielleicht zu vorsichtig.

Wanderung entlang der Faja do Rodrigues

Eindrücke unserer Wanderung entlang der Faja do Rodrigues auf Madeira.
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