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Burg Segewold

die Burg mit dem Kreuz der Templer

die Kreuzritterburg Segewold bei Sigulda
das Tor der Burg Segewold

Über einen kurzen Fußweg kommen wir vom großzügig angelegten Besucherparkplatz zur Zugbrücke der Kreuzritterburg Segewold. Sie zählt zu den Deutschordensburgen, die ab dem 13. Jahrhundert auf dem Gebiet des Deutschen Ordens auf dem Baltikum entstanden waren. Die Festung Sigulda wurde dabei ab dem Jahr 1207 vom Schwertbrüderorden erbaut. Durch den Zusammenschluss mit dem Deutschen Orden ging die Herrschaft über die Burg an den Livländischen Orden.

Beim Kassenhaus müssen wir uns zunächst auf Englisch verständigen. Das aber soll kein Problem sein, da für uns eine deutschsprachige Führung vorgesehen ist. Sekunden später sehen wir auch schon einen jungen, rundlichen Mann im Mönchsgewand vom Burgtor auf uns zulaufen. Im hervorragenden Deutsch erklärt er uns, dass er nur ein bis zwei Führungen am Tag hat. Mehr deutsche Besucher kommen bislang nicht. An diesem Vormittag sind wir seine zweite Tour.

die Kreuzritterburg Segewold von Sigulda
jetzt geht es dem frechen Larsi an den Kragen
so sah die Burg Segewold früher mal aus

Noch leicht außer Atem und durch die Mönchskutte etwas verschwitzt erzählt er uns beim ersten Burgtor, dass dieses aus Eichenholz besteht und 700 kg schwer ist. Früher waren zwei Männer nötig, um es hochzuziehen. Als Nächstes steigen wir die Treppen zu einem Gang mit einer aufwendigen Holzkonstruktion hinauf. Wie weite Teile der Burg wurde auch diese mit Unterstützung der Europäischen Union bis zur Wiederöffnung der Burg im Mai 2012 rekonstruiert. So ist heute die Zugvorrichtung für das Tor wieder funktionstüchtig und kann man im Stock darüber etwas zum Essen bestellen.

Unser Mönch nutzt den Gang zwischen dem Torturm und dem Nordturm, um uns mit Blick über den weitläufigen Hof die Geschichte der Burg zu schildern. So war die Segewold im 15. Jahrhundert eine wichtige Station auf dem Weg von Riga nach Cēsis und weiter nach Dorpat, Vīlande und Pleskau. Zu Beginn des Livländischen Kriegs (1558 bis 1583), dem Ersten Nordischen Krieg, ging diese erste Blütezeit zu Ende und erlitt die Burganlage von Sigulda schwere Schäden. Ab 1562 war die Anlage Teil einer polnischen Starostei.

die Dachkonstruktion der Burg Segewold
Burgturm der Burg Segewold

Die Polen waren es auch, welche die Burg in den 1580er Jahren wieder instand setzten, eh sie im polnisch-schwedischen Krieg (1601 bis 1621) abermals zerstört und in der Folge aufgegeben wurde. So stellten die Schweden nach dem Kriegsende fest, dass die Burg leer und verfallen sei. Allerdings wurde schon 1622 ein neues Gebäude aus Holz errichtet, dem auch eine Badstube angeschlossen war.

Danach wechselten sich die Besitzverhältnisse mehrmals, eh im 19. Jahrhundert zaghafte Versuche eines Wiederaufbaus angestrengt wurden. So ließ die Familie Borch in der Vorburg eine Pforte mit der Jahreszahl 1867 errichten, Teile der Mauern befestigen und zwei, der Gotik nachempfundene Bögen aufbauen. Im Turm der Pforte haben sich die Borchs mit ihrem Familienwappen verewigt.

Fallgatter der Burg Segewold
einen Stock höher wird das Fallgatter hochgezogen

Von der heute wieder begehbaren Mauer zwischen den beiden Türmen haben wir außerdem eine gute Sicht auf die Freiluftbühne der Burgruine Sigulda. Zur Blüte der Faulbäume wird die Veranstaltungssaison auf Segewold mit einem Ball eröffnet. Es folgen Jazzfestivals, Blueskonzerte und Theateraufführungen. Kultureller Höhepunkt sind Anfang August die mehrtägigen Opernfestspiele von Sigulda.

Außerdem bildet die Burgruine den mittelalterlicher Rahmen für Ritterspiele. So können sich hier Gruppen im Axt- und Speerwerfen, Bogenschießen auf Tierattrappen wie Wildschweine und Rehe beweisen. Wir hingegen finden es einfach nur schön, über die Mauern zu spazieren und die Aussicht vom frei stehenden Südturm über das Urstromtal der Gauja zu genießen, bevor wir die Burg verlassen, um mit der Seilbahn nach Krimulda zur gegenüberliegenden Talseite zu fahren.

VG Wort
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