Lettische Akademie der Wissenschaften

Stalins Geburtstagstorte in Riga

Zu den auffallendsten Begabungen von Stalin zählt, Hochhäuser als eine Art Denkmal in die Städte zu stellen, auch wenn die Einheimischen nur wenig Gefallen daran finden. So haben wir das schon in Warschau beim Kulturpalast erfahren. In Riga gilt dies für die Stalinkathedrale, in der die Lettische Akademie der Wissenschaften untergebracht ist.

Die charakteristische Architektur des sozialistischen Klassizismus wird leicht abwertend auch Zuckerbäckerstil genannt. Wie um das zu untermauern sprechen die Rigaer bei ihrem Wolkenkratzer von »Stalins Geburtstagstorte«.

die lettische Akademie der Wissenschaften in Riga
die Erzengel Michael-Kirche bei der Akademie der Wissenschaften in Riga

Als Vorbild zur Gestaltung des 108 Meter hohen Baus dienten die »Sieben Schwestern«, sieben Hochhausbauten in Moskau, zu denen auch das russische Außenministerium gehört. Ursprünglich sollte das in Riga errichtete Hochhaus zum »Haus der Kolchosenbauern« werden, ausgestattet mit einem Hotel, einer Bibliothek und Konferenzräumen.

Doch nach dem Tod Stalins beschloss der neue Machthaber Chruschtschow, dass die Kolchosenbauern besser auf dem Lande aufgehoben sind, während sich der Bau eher für die Wissenschaft eignet. Somit hat die Akademie auch heute noch ihren Sitz in der Stalinkathedrale.

die lettische Akademie der Wissenschaften in Riga
die lettische Akademie der Wissenschaften in Riga

War das russische Außenministerium in Moskau von den Straßen aus so gut wie unfotografierbar, ermöglicht uns in Riga die perfekte Platzgestaltung eine gute Sicht auf die Akademie der Wissenschaften. Es sei denn, ein hässlicher Linienbus hält gerade vor dem Gebäude, was uns selbst zu einer kurzen Pause zwingt. Damit haben wir Zeit, um auch mal hinter die gegenüberliegenden Mauern zu schauen.

Da hat Riga noch einiges zu tun, um die düsteren und verfallenen Ecken aus der Sowjetzeit zu beseitigen. Hier ist der Jugendstil noch weit von dem entfernt, was er einmal war. Nach dem Blick hinter die Kulissen ist der Bus zum Glück verschwunden. So können wir doch noch die schräg einfallende Abendsonne für ein paar Fotos nutzen, bevor wir unsere knurrenden Mägen beruhigen gehen.

hinter den Mauern ist noch immer viel zerfallen in Riga
hinter den Mauern ist noch immer viel zerfallen in Riga
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