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Ordensburg

die mittelalterliche Burg von Cesis

Als wir die Burg von Cesis erreichen, ist es kurz vor halb fünf. Wenn man bedenkt, wie lange es auch schon im April in Lettland hell bleibt, ist das in etwa später Nachmittag. Davon unbeeindruckt schließt die Burg im Frühjahr dennoch um 17 Uhr. Vom 1. Mai bis Ende September ist die Burg bis 18 Uhr geöffnet.

Als Folge will uns die nette Dame beim Einlass nicht so sehr gerne mehr in die Burg hineinlassen, da die Zeit zu knapp ist, um das Museum und die Festung anzuschauen. Nachdem wir erklären, dass es uns einzig um die Burg geht, ist das Problem aber auch schon gelöst und der Weg in die Anlage frei.

Anne als Nachtwächter bei der Ordensburg
die Ordensburg von Cesis in Lettland

Gleich danach bekommen wir eine Laterne mit brennender Kerze. Auf diese sollen wir gut acht geben, da es in den inneren Räumen der Burg kein Licht gibt. Mit anderen Worten: ohne der Laterne stehen wir dann im Dunkeln. Das ist doch mal eine schöne Idee, die uns schon gleich zu Beginn die mittelalterliche Ordenszeit ein kleines Stückchen näher bringt.

Mit der Laterne halten wir übrigens das seit 2004 offizielle Wahrzeichen von Cesis in der Hand. Zurück geht dies auf Ausgrabungen im Jahr 1986, bei denen beim westlichen Turm eine Laterne zu Tage kam. Nach einer genaueren Untersuchung datierten die Archäologen sie auf das 16. Jahrhundert, womit sie zu den ältesten, noch erhaltenen Laternen von Cesis zählt.

die Ordensburg von Cesis in Lettland
die Ordensburg von Cesis in Lettland
im Turm der Ordensburg

Die große Bedeutung des an sich einfachen Gebrauchsgegenstand erklärt sich auch aus einer Sage. So sollen sich unter der Burg von Cesis einige Keller befinden, in denen allerlei Dinge gelagert seien. Dazu zählte auch eine eherne Truhe, die prall voll mit Gegenständen aus Gold und Silber gefüllt sei. Das Problem bei der Sache: oben auf der Truhe saß ein großer Hund, der über den Schatz wachte. Zudem soll es in dem Keller mehrere unterirdische Gänge gegeben haben.

Während die meisten Menschen die unheimlichen Räume unterhalb der Burg mieden, wagte es ein Lausbub, sich unten umzusehen. Nachdem er bereits einige Zeit verschwunden war, tauchte er plötzlich bei einer Sandsteinhöhle im Schlosspark wieder auf. Dabei soll er eine große, aus Silber gefertigte Laterne getragen haben. Allerdings hatte es ihm bei dem Abenteuer die Sprache verschlagen, so dass er niemanden erzählen konnte, was ihm dort unten widerfahren war.

in der Ordensburg von Cesis

Mit dieser schönen, wenn auch traurigen Geschichte beginnen wir unseren Rundgang durch die Burg. Den Grundstein zu der Festung legten im Jahr 1209 auch hier die Kreuzritter des Schwertbruderordens. Nach mehreren Vergrößerungen der Ordensburg und ihrer später drei befestigten Vorburgen diente sie von 1237 bis 1561 als Residenz des Meisters des Deutschen Ordens und war damit zugleich der Hauptsitz der Schwertbrüder.

Die Blütezeit der Burg Wenden endete 1577, als Truppen von Ivan dem Schrecklichen Cesis belagerte. Damit weder sie noch die Burg in die Hände des Tyrannen fielen, sprengten sich die Ordensbrüder mitsamt der Festung selbst in die Luft. Später wurde die Burg Wenden wieder aufgebaut, während des Großen Nordischen Kriegs aber im Jahr 1721 erneut zerstört und danach aufgegeben und sich selbst überlassen.

Blick aus der Ordensburg auf Cesis
in der Ordensburg von Cesis
Turm der Ordensburg von Cesis

Nachdem wir uns zunächst die liebevoll rekonstruierten Außenanlagen mitsamt mehrerer parat gelegter Kanonenkugeln angeschaut haben, kommen wir zum Westturm. Den Hinweis, dass die Treppen im Turm eng und dunkel sind, nehmen wir wohlwollend zur Kenntnis. Schließlich sind wir mit unserer Laterne bestens gerüstet. Sowie wir den oberen Teil des Turms erreichen, öffnet sich uns eine schöne Sicht über den 1812 angelegten Schlosspark und die Johanniskirche. Auch die Außenmauern und die Reste der alten Kammern unterhalb der neuen Brücke lassen sich so gut überblicken.

Anschließend wechseln wir über ein nach oben offenes Gebäude in den Hauptturm. Bemerkenswert ist das aufwendig rekonstruierte Holzdach, welches mithilfe von Seilen zusammengehalten wird. Schließlich kommt nochmals unsere Laterne zum Einsatz, als wir in den Keller hinuntersteigen. Es vermittelt uns einen guten Eindruck, unter welch erbärmlichen Bedingungen Gefangene damals ihr Dasein fristen mussten. Da sind wir doch froh, schon bald wieder unbehelligt ans Tageslicht zurückkehren zu können. Wenig später endet dann auch schon unser kurzer, aber spannender Besuch.

VG Wort
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