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Zum Sonnenaufgang auf den Piton des Neiges

Zweitagestour zum Piton des Neiges 4/6

Um halb Vier stehen wir auf. Verschlafen ist so gut wie unmöglich, da allgemeine Aufbruchsstimmung in der Gîte herrscht. Auch wenn ich etwas Schlaf gefunden habe, wurde ich doch immer wieder geweckt, sodass ich alles andere als ausgeschlafen bin. Irgendwann in der Nacht hat ein Sturm eingesetzt, der immer noch anhält. Als wir kurz vor die Hütte treten, schlägt uns ein fieser Regen entgegen. Was nun? Abwarten! Die ersten sind bereits aufgebrochen.

Lars Kommentar dazu: »Sonnenaufgänge bei Regen werden völlig überbewertet.« Offenbar sehen das auch andere bald ein. Denn schon nach kurzer Zeit kommt ein Teil der Frühaufsteher schon wieder zurück. Sie waren nach einer Viertelstunde schon derart durchnässt, dass sie aufgegeben haben. Nun hinterlassen ihre Socken nasse Abdrücke auf dem Hüttenboden. Wir gehen wieder ins Bett. Da unser Raum inzwischen so gut wie leer ist, können wir jetzt einiges besser schlafen.

Wanderer auf dem Piton des Neiges
Lars - mein Gipfelstürmer

Als wir am Morgen aufstehen und frühstücken gehen, regnet es noch immer. Inzwischen finden sich auch einige Gipfelstürmer wieder bei der Hütte ein. Ein paar von ihnen sind tatsächlich ganz oben auf dem Gipfel gewesen. Doch was haben sie gesehen? Nichts!!! Dafür sind sie bis auf die Unterwäsche nass und völlig durchgefroren.

Nach der Tortur freuen sie sich jetzt auf das Frühstück, ziehen aber lange Gesichter, kaum dass sie das Tablett in der Hand halten. Vier Scheiben süßes Toastbrot, ein kleines Stück Butter und zwei Döslein Marmelade sind alles, was es zu beißen gibt. Einzig die Schüssel Kakao ist groß bemessen. Satt wird man aber nicht.

sonniger Weg zum Gipfel des Piton des Neiges
sonniger Weg zum Gipfel des Piton des Neiges

Wir warten noch eine Weile ab. Bei dem Wetter verspüren auch wir keine Lust, nach Cilaos runter zu laufen. Wobei wir es noch einigermaßen gut erwischt haben. Einige, die keine Betten in der Gîte reserviert hatten oder zu spät dran waren, mussten die Nacht draußen in Notzelten übernachten.

In den schlecht isolierten Zelten ist es noch kälter und feuchter als drinnen. Da die meisten eh schon nass sind, starten sie bald den Rückweg ins Tal.

auf dem Gipfel des Piton des Neiges
auf dem Gipfel des Piton des Neiges

Nachdem ein Loch in den Wolken kurz den Blick auf die höheren Lagen am Piton de Neiges frei gibt, schöpft Lars doch noch Mut. Zwar zieht das Loch sofort wieder zu, doch in den nächsten 20 Minuten ist die Sonne immer leicht durch die Wolken zu sehen. Schließlich gibt sein Gesicht klar zu erkennen: Er will auf den Gipfel. Um mir Mut zu machen, erklärt er, dass die Wolkendecke über uns höchstens noch 150 bis 200 Meter dick ist und darüber die Sonne scheint. Inversionswetterlage nennt er das ungeachtet der Regenberichte der Rückkehrer.

Also packen wir unsere Sachen und starten zur Gipfeltour. Anstelle von Regentröpfchen schlagen uns nun feinste Wolkentröpfchen entgegen. Allein ein paar heftige Windböen machen das immer noch nasse Wetter unangenehm. So breche ich nach wenigen Metern ab und lasse ihn die Tour alleine machen. Unterhaltung habe ich in der Hütte genug und hoffe einzig, dass sich mein tapferer Gipfelstürmer dort oben kein Bein bricht. Während ich also in der Hütte sitze, auf besser Wetter und seine Rückkehr warte, muss er die Berichterstattung übernehmen:

VG Wort
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