Anzeige

Gîte Piton des Neiges

Zweitagestour zum Piton des Neiges 3/6

Die Gîte de la Caverne Dufour oder auch einfach Gîte Piton des Neiges ist ein Sammelpunkt für Wanderer. Mehrere Wanderwege treffen hier zusammen und die Gîte bietet eine Verpflegungs- und Übernachtungsmöglichkeit. Während wir ab Cilaos den kürzesten, dafür steilsten und meist begangenen Weg für den Aufstieg gewählt haben, ist die Gîte auch ab Hell-Bourg im Cirque de Salazie zu erreichen.

Ein dritter Weg führt von der Plaine des Cafres über die Bergkette Dimitile hier herauf. Damit eignet sich der Piton des Neiges auch gut als Station bei Inselüberquerungen. Zu erkennen ist dies an den Trekking-Touristen, die im Gegensatz zu uns schweres Gepäck mit sich herumschleppen.

auf der Passhöhe Croisée Coteau Kerveguen
auf der Passhöhe Croisée Coteau Kerveguen

Bei unserer Ankunft ist es ist knapp ein Uhr mittags. Damit hat die Gîte theoretisch noch geschlossen. Die Toiletten sind jedoch zugänglich und auch die Tür zum Frühstücks- und Aufenthaltsraum steht offen. Währenddessen sitzt das Personal, welches rund um die Uhr bei der Hütte ist, in der Küche. Anders als bei der Gîte du Volcan beim Fournaise zeigen die Angestellten kein Interesse am Umsatz.

Getränke werden nur widerwillig herausgegeben. Egal, Lars ist da penetrant. So kehrt er bald mit gekühlten Getränken zu mir zurück und können wir es uns an einem der Tische auf dem Gelände der Hütte gemütlich machen. Die Sonne scheint und wir genießen die Ruhe bei der Gîte, die alleine durch Vogelgezwitscher untermalt wird. Zumindest so lange, bis der Hubschrauber kommt.

Gîte de la Caverne Dufour oder auch einfach Gîte Piton des Neiges
Gîte de la Caverne Dufour oder auch einfach Gîte Piton des Neiges

Es führt keine Straße hier herauf. Damit stellt sich die Frage, wie die stark frequentierte Hütte beliefert und versorgt wird? Die Antwort sind große Säcke, die mit Hilfe eines Lastenseils einzeln an den Helikopter gehängt werden und Lebensmittel sowie evtl. gewaschene Decken nach oben bringen. Auf gleicher Weise wird mit dem Müll verfahren, nur in umgekehrter Richtung.

Das Spektakel dauert höchstens eine Viertelstunde, in der wir unsere Sonnenhüte und Schirmmützen festhalten müssen, während um uns herum Getränkedosen und PET-Flaschen von den Tischen geweht werden. Dann ist der Spuk vorüber und kehrt wieder Ruhe ein. Danach vertreiben wir uns die Zeit mit Natur- und Vogelfotografie und warten darauf, dass wir einchecken können.

Gîte de la Caverne Dufour oder auch einfach Gîte Piton des Neiges
mit dem Hubschrauber wird die Gîte versorgt

Bei der Bettenvergabe in den drei deutlich größeren Zimmern als beim Fournaise sollte man sich sputen. So kommt es bei uns zu Verwirrungen, da in unserem Raum Nr. 12 neun Betten stehen als Dreier-Stockbett, allerdings zehn Leute einquartiert werden. Dadurch lernen wir ein anderes deutsches Paar kennen, dessen eigentlich schon belegtes Bett einfach uns zugewiesen wird. So stapelt ein Mitarbeiter der Hütte die Rucksäcke um, ohne zu schauen, wem diese gehören. Als die Besitzer schließlich auftauchen, habe ich mich im (auch zuvor schon freiem) obersten Bett eingerichtet. Jedoch nervt mich die hilflose Zählerei vom Hüttenwirt, weshalb ich mich auf die Suche nach zwei anderen Betten machen will.

Blöderweise rutsche ich auf der unpraktischen und glatten Leiter aus und falle fast herunter. Es ist ganz schön hoch, aber ich kann mich gerade noch festhalten und hole mir nur einen großen blauen Fleck. Doch damit ist das Bettenproblem gelöst. Denn nach meinem halben Sturz verzichten die anderen freiwillig auf die obersten Betten und ziehen ins Nachbarzimmer um. Wenig später purzelt dann Lars ebenfalls fast von der Leiter herunter, als er mit der linken Hand nach dem linken, fehlenden Holm greift … Doch sehen wir es positiv: durch dieses Intermezzo lernen wir ein richtig nettes Paar kennen, mit dem wir uns den Rest des Tages ungezwungen unterhalten können.

Zimmer in der Gîte
die Gîte wird mit dem Hubschrauber versorgt
Anne in der Gîte

Die Getränkeauswahl auf der Gîte ist bescheiden. Aber immerhin gibt es Cola, Bier, Limo, Tee, Kaffee mit Milchpulver sowie auch heißen Kakao. Zum Abendessen müssen wir um etwa 7 Uhr vom eigentlichen Aufenthaltsraum in den »Speisesaal« wechseln. Es ist kalt, die Heizungen sind aus und die Fenster im Nu völlig beschlagen.

Als Vorspeise gibt es eine Art Likör, den man wahrscheinlich auch als Lampenöl verwenden könnte. Die Hauptspeise besteht aus Reis, Bohneneintopf und eine Art angebratene Wurst, die geschmacklich zwar okay ist, mir aber später unheimlich schwer auf dem Magen liegt.

Lars bei der Gîte Piton des Neiges
ein Tec-Tec beim Piton des Neiges

Zum sanitären Bereich der Gîte zählen mehrere Duschen, die bei unserem Aufenthalt allerdings funktionslos waren. Das aber hatten wir schon vorher erfahren, sodass wir erst gar kein Duschgel mitgenommen haben. Duschen fällt für heute also flach, womit wir für nur einen Tag allerdings gut Leben können. Doch leider funktionieren auch nur zwei der drei Toiletten, was für die Menge an Leute deutlich zu wenig ist und nach dem Abendessen zu langen Warteschlangen führt.

Zudem hatte die Reihe Wasserhähne einen nur sehr geringen Wasserdruck. Da es in den Zimmern und im Aufenthaltsraum ebenfalls keine funktionstüchtige Heizung gibt, wird es in der Hütte nachts recht kalt. So sind wir doch froh, als wir uns später in unsere warmen Schlafsäcke kuscheln können. Leid tun uns nur die Fernwanderer, die teilweise durch den Regen marschiert sind und auf der Hütte keine Möglichkeit finden, ihre Klamotten zu trocknen.

Anne in der Gîte Piton des Neiges
bei der Gîte Piton des Neiges

Eigentlich geht es bei der Gîte darum, am frühen Morgen zum Gipfel zu laufen und den Sonnenaufgang zu sehen. Allein deshalb gehen die Leute alle schon um acht Uhr ins Bett. Zumindest fast alle. Ein paar verbringen noch etwas Zeit mit Würfelspielen, was in der Stille alles andere als förderlich ist, um einzuschlafen. Egal, die Geräusche, die so mancher Zimmerbewohner macht, sind es auch nicht.

Bohneneintopf ist keine geeignete Mahlzeit für Berghütten! So liegen wir die meiste Zeit wach und hoffen, dass es bald vier Uhr wird ... Die Gîte Piton des Neiges steht zwar auf dem Berg der Berge und ist Ziel Nummer 1 für Bergwanderer. Dafür aber ist es die schlechteste Gîte auf der ganzen Insel, was uns von so einigen Fernwanderern bestätigt wird.

VG Wort
Anzeige