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Rundgang

durch das kreolische Dorf L'Entre-Deux

Haus Nr. 12 Rue des Frères in L'Entre-Deux
Haus Nr. 14 Rue des Frères in L'Entre-Deux

Als Nächstes kommen wir nach einer Rechtskurve der Hauptstraße zu einer öffentlichen Grünfläche mit einem kleinen Denkmal. Es erinnert an die vielen Sklaven, die früher auf den Plantagen der Großgrundbesitzer schuften mussten. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite befindet sich ein saniertes Restaurant mitsamt Laden. Beides geht auf einen Chinesen zurück, der sich in den 1860er Jahren hier in L'Entre-Deux angesiedelt hatte.

Vollgestopft mit unnützem Kram, aber auch Snacks und kalten Getränken, kommt uns der Laden ganz gelegen. Denn auch wenn wir uns wieder im Gebirge befinden, ist es in der Sonne inzwischen ganz schön warm geworden. Als Alternative hätten wir auch beim Café an der Straßenkreuzung einkehren können. Das sieht einiges netter und gepflegter aus als der Chinesenladen.

liebevoll gestalteter Kour in L'Entre-Deux
Spaziergang durch L'Entre-Deux auf La Réunion

So aber spazieren wir am Café und der Kreuzung vorbei bis zur Ecke Rue Payet / Rue des Frères. Das Holzschindelhaus in dem großen Garten gilt als eines der ältesten Häuser von L'Entre-Deux. Früher wurden die Schindeln aus Tamarindenholz gefertigt und dienten als Wärme- und Schalldämmung. Die nächsten Häuser Nr. 12 und 14 in der Rue des Frères wirken wieder unbewohnt, besitzen dafür wieder reich verzierte Lambrequins.

Diese dienten allerdings nicht nur der Gestaltung. Weitaus wichtiger war, dass das viele Regenwasser daran herunter tropfen konnte und die Fassaden nicht beschädigt wurden. Um auch Spritzwasser zu vermeiden, pflanzten die Einwohner niedrig wachsende Büsche direkt unter den Blenden.

Spaziergang durch L'Entre-Deux auf La Réunion
Spaziergang durch L'Entre-Deux auf La Réunion

Beim Haus Nr. 16 können wir in einen der liebevoll gestalteten Kour, einem kreolischen Garten, schauen. Wer es sich leisten konnte – oder heute noch kann und genug Zeit für die Pflege hat – gönnte sich einen solchen Garten. Während an der Straße dekorative Büsche wie Hibiskus oder Bougainvilleen standen,

pflanzte man im Garten Nutzpflanzen wie Banane und Papaya sowie Heilkräuter an. Einen besonderen Stellenwert hatten auf La Réunion okkulte Gewächse. Dornengestrüpp sollte böse Geister fernhalten, durch Frangipani versprach man sich ein längeres Leben und der Granatapfel erhöhte die Fruchtbarkeit.

Spaziergang durch L'Entre-Deux auf La Réunion
Spaziergang durch L'Entre-Deux auf La Réunion

Eigentlich ist der Rundgang durch L'Entre-Deux öffentlich markiert. Dennoch fühlt es sich irgendwie komisch an, dass man dafür den dort wohnenden Leuten über die Einfriedungen blicken soll. Und das teilweise auf Zehnspitzen (Lars: »Wachsen musst', nicht bescheißen!«). Aber gut, wir laufen unsere Runde weiter über die Rue Payet, wo noch einige gepflegte und hübsche Häuser, oft im Schutze hoher Kokospalmen stehen, bevor wir wieder Kurs auf die Kirche nehmen.

Dort angekommen, können wir dann bestätigen, dass L'Entre-Deux sicher zu den schönsten kreolischen Dörfern zählt, die wir besucht haben. Angenehm fällt dabei auf, dass hier nur wenig Verkehr auf der Straße herrscht und man in Ruhe durch die Straßen schlendern kann. Das gilt insbesondere am Sonntagmorgen, wenn sich alle zum Gottesdienst versammeln und sich nahezu sämtliche Autos im Bereich vor der Kirche versammeln.

Video Rundgang durch L'Entre-Deux auf La Réunion

Rundgang durch L'Entre-Deux, einem der schönsten kreolischen Dörfer auf der Insel La Réunion.
VG Wort
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