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In der Schlucht des Bras de la Plaine

Wanderung durch die Schlucht des Bras de la Plaine 2/3

Pont de la Liane
Rast am Bras de la Plaine

Am Bras de la Plaine angekommen, lohnt es sich, erst einmal innezuhalten und sich umschauen. Sei es, um die herrliche Landschaft mit den bis zu 300 Meter hohen Felswänden um uns herum zu bewundern. Sei es, um nach dem Abstieg eine erste kurze Rast einzulegen. Oder sei es auch nur, um zu sehen, wie wir den nächsten Abschnitt am besten meistern.

Denn auch wenn in den Karten ein Wanderweg eingetragen ist, so ist in der Schlucht kein Verlauf zu sehen. Stattdessen gilt es nun immer wieder, die Flussseite an möglichst geeigneten Stellen zu wechseln, um voran zu kommen. Wasserfeste Trekkingsandalen sind obligatorisch. Genauso wie kurze Klamotten, da im Bereich von Stromschnellen tiefere Bereiche lauern.

Flusswanderung Bras de la Plaine
Bras de la Plaine
Annette im Bras de la Plaine

Leider erweist sich das Vorankommen an den Stellen, wo wir die Seite wechseln müssen, als mühsam. Das gilt insbesondere für Annette, die sich aufgrund ihres geringeren Gewichts stärker gegen den Druck des Wasser stemmen muss. Nachdem wir eine markante Basaltsäulenformationen passiert haben, beschließt sie, dass sie zu langsam vorankommt und ich den weiteren Weg in die Schlucht alleine gehen soll. Ich gehorche.

Auf mich allein gestellt, kann ich den Fluss damit auch an tieferen Stellen durchqueren als zuvor. Zudem nutze ich flach überspülte Kiesbänke, um schneller voranzukommen. Anstrengend bleibt es, immer wieder durchs Wasser laufen zu müssen. Auf der anderen Seite entschädigen einen die Felswände, welche die Schlucht weiter flussaufwärts immer wieder einengen und an vielen Stellen Höhlen und Überhänge bilden.

tunnelartiger Abschnitt in der Schlucht des Bras de la Plaine

Nachdem ich einen Bereich mit auffallend vielen abgerundeten Felssteinen gemeistert habe, rücken die Felswände deutlich enger zusammen. Beeindruckt, wie sich der Bras de la Plaine hier senkrecht ins Lavagestein geschnitten hat, lasse ich die Kulisse auf mich wirken. Wenn es der Wasserstand erlaubt, bleibt man auf dieser fast tunnelartigen Passage gleich im seichten Wasser, anstatt irgendwelche trockenen Pfade zu suchen. Wo sich der nach oben offene Tunnel wieder öffnet, beschreibt der Fluss eine Biegung.

Wie im Lehrbuch dargestellt, ist am Gleitufer eine graue Sandbank entstanden. Auf der Prallseite indes hat der Fluss eine deutlich weiter in den Fels ragende Höhle frei gespült und eine ganze Reihe der charakteristischen Basaltsäulen frei gelegt. Leider wird das Wasser nach der nächsten Verengung tiefer. Es ist zwar noch möglich, von der Basalthöhle einen weiteren geraden Abschnitt zu laufen. Als ich sehe, wie andere Wanderer in der nächsten Kurve vor mir hüfttief im Wasser stehen, ist dann auch für mich Zeit umzukehren.

Bras de la Plaine

Beim Rückweg zeigt sich, wie gewaltig der Unterschied ist, ob man gegen oder mit dem Strom durchs Wasser läuft. So bin ich ganz überrascht, dass ich nicht einmal die halbe Zeit brauche, um zurück zu Annette zu gelangen. Entsprechend leid tut mir eine Frau, der ich kurz vor meiner Ankunft bei Annette versehentlich eine viel zu kurze Zeit genannt habe, die sie angeblich bis zur Sandbank bzw. der Basalthöhle benötigt. Umso mehr Zeit nehmen wir uns dafür, um die Schlucht noch eine Weile auf uns wirken zu lassen, bevor wir wieder gemeinsam hinauf zur D27 steigen.

Bis nach oben stehen damit die gut 300 Höhenmeter an, die wir zu Beginn so locker hinunterlaufen konnten. An sich wären die auch gut zu schaffen. Allein der wenige Schlaf, mein rascher Aufstieg auf den Piton des Neiges, vor allem aber die Erkältung, die ich mir am Grand Galet eingefangen habe, machen den Aufstieg zur Tortur. Nach einer gefühlten Ewigkeit aber erreichen wir wieder die Kehre, bei der wir zu Beginn der Tour den tollen Blick über die Schlucht hatten. Danach ist es zum Glück nicht mehr weit bis zur Straße, wo diese unerwartet anstrengende, aber schöne Tour endet.

Video Flussbettwanderung durch den Bras de la Plaine

Eindrücke unserer Flussbettwanderung durch den wild rauschenden Bras de la Plaine im Süden der Insel La Réunion.
VG Wort
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