Museo Nacional de la Lucha contra Bandidos

im Convento San Francisco de Asis

Wie vor 12 Jahren zieht es uns auch bei unserer zweiten Kubareise zum Wahrzeichen Trinidads. Der Glockenturm ist ein Überbleibsel eines Klosters, welches Anfang des 20. Jahrhunderts zerstört wurde. Der Treppenaufgang neben dem Eingang weckt schaurige Erinnerungen in uns.

Ein langes, dünnes Brett stützte damals die maroden Holzstiegen. Bei genauem Hinsehen wurde das Ganze eher von der Hoffnung, als von diesem Notbehelf gehalten. Aber nichts konnte uns zurückhalten. Wir waren mutig und genossen damals den Ausblick vom Turm über Trinidad.

Heute ist es einfacher. Der Turm hat einen neuen Anstrich bekommen und der Treppenaufgang wurde zwischenzeitlich saniert. Nichts wackelt mehr und sinnlose, Sicherheit vorgaukelnde Stützen haben ausgedient. Geblieben ist die traumhafte Aussicht.

Mehrere ovale Fenster eröffnen uns verschiedene Eindrücke von der Stadt und die Rundbogen-Öffnungen bei der Glocke dann bieten Ausblicke in alle Richtungen. Einzig das niedrige Geländer nach außen ist gewöhnungsbedürftig.

Wir nutzen die Gelegenheit, um auch das Museo Nacional de la Lucha contra Bandidos zu besuchen. Von Konvent und Kirche des Klosters, das dem Heiligen Franz von Assisi geweiht war, blieb nach den Zerstörungen nichts mehr übrig. 1930 wurde das Kloster wieder aufgebaut und beherbergt seit 1984 das Museum, welches die Geschichte der Piraterie dokumentiert.

Auch die Revolution ist mit Dokumenten, Karten, Fotografien und Waffen ein Thema. Im von hübschen Arkaden umgebenen Innenhof steht noch ein alter Militärlaster und ein kleines Kriegsschiff. Und dazwischen bin ich dauernd damit beschäftigt, das gelangweilte Wachpersonal abzuwimmeln. Nein, ich brauch keine Geldscheine mit Che … und auch keine Münzen.

Video zum Stadtrundgang durch Trinidad

Kurzer Rundgang durch das koloniale Kleinod Trinidad an der Südküste von Kuba. Besuch des Glockenturms, dem Wahrzeichen der Stadt, und des Hauptplatzes mit den Palästen der Zuckerbarone.

Das Weltkulturerbe einige Jahre früher

Zwölf Jahre ist es her, als wir das erste mal durch die Gassen von Trinidad geschlendert sind. Damals unternahmen wir einen Ausflug von Varadero in die Kolonialstadt. Touren mit dem Mietwagen wären damals noch undenkbar gewesen. Doch auch damals haben wir Berichte geschrieben. So sehr ihr hier, wie Trinidad damals gewirkt hat.

»Ohne Zucker kein Wohlstand, ohne Sklaven kein Zucker.« So einfach lautete im alten Trinidad die Zauberformel, aufgrund derer tausende von Sklaven zum Wohlergehen ein paar weniger ihr Leben lassen mussten.

Die Paläste der Zuckerbarone lassen sich hingegen an ein paar Finger abzählen. Außerdem waren Frauen derart knapp, dass eine Dame es schaffte, nacheinander die reichen Barone zweier gegenüberliegender Häuser zu heiraten.

Zu Essen gab es damals übrigens ausschließlich fettes Fleisch, Bohnen und andere, sehr nährstoffreiche Gerichte. Zumindest für die Sklaven auf den Feldern und an den Zuckermühlen, dass auch ja lange und hart geschuftet werden konnte.

Wer von ihnen meinte, sich ein Weilchen ausruhen zu dürfen, durfte sich außerdem glücklich schätzen, wenn er nicht gleich von einem der vielen Wachtürme aus erschossen oder anderweitig seines Lebens erleichtert wurde. Wen wundert es da, dass bei den Sklavenaufständen zuallererst die Türme und Zuckermühlen zerstört wurden?

Die Küche der Sklaverei hingegen ist heute noch nicht überwunden. Fleisch, schwarze Bohnen und Reis sind immer noch das beliebteste Gericht der Kreolen, während die reichen Fischvorkommen vor den Küsten von vielen Einheimischen für ungenießbar gehalten werden.

Mit anderen Worten ist Fisch das Essen der armen Leute und damit genau das richtige für die vielen hungrigen Urlauber...

Auch damals kletterten wir auf den Turm

Niemals eine Kubanerin fragen, ob sie ein Foto von einem machen könnte, wenn sie nicht schon genau am richtigen Fleck steht. Warum? Siehe links, wo wir uns noch freuen durften,

dass sie sich (auf ihrer Bank sitzen bleibend) wenigstens zu uns hingedreht hat.
Dafür aber ging es sehr schnell, saß Annette noch nicht mal richtig, als die Kamera das erste mal auslöste.

Niemals in Trinidad auf den Markt gehen, weil:
Kreolen besitzen durch das beinahe 100%ige Handelsembargo der USA heute so gut wie nichts und können also auch nichts verkaufen.

Wo es fast nichts gibt, gibt es jedoch auch fast nichts zum Wegwerfen, weshalb Trinidads Müllabfuhr aus lediglich einem Eselskarren besteht.

Vor allem niemals auf den Turm von Trinidad gehen.
Wenn es einer Erklärung bedarf: das Brett, was auf dem Bild zu sehen ist, ist gleichzeitig das einzige, was wir als Halt der altersschwachen Treppe gefunden haben.

Nur, dass das Brett nichts wenn nicht sich selber hält.

Die Aussicht vom Turm allerdings lohnt sich für ein kleines Abenteuer (-;

Die Unterkunft war damals auch schon schön

»...sicher werden Sie in Ihren Hotels in Varadero mehr Luxus und Komfort gewohnt sein...« *Lach*, ich weiß ja nicht, wie die anderen denken, die am billigen Ende der Hotelhalbinsel eingestiegen sind, aber Annette und mir gefällt unser Bungalow »Mango« doch sehr.

Immerhin funktionieren die Dusche und Klimaanlage - und die Riesenkröte vor unserer Hütte findet auch kein Schlupfloch in die gute Stube.
Schnell erfrischt, die sonnenverwöhnte Haut gepflegt und schon geht es los ins koloniale Kleinod Trinidad.

Beim abendlichen Spaziergang durch das Unesco Weltkulturerbe fällt uns besonders die Friedfertigkeit der Kubaner auf, können wir uns doch in den engen Gassen frei bewegen, ohne auch nur einmal belästigt zu werden oder uns bedroht zu fühlen.

Außerdem fallen uns beim Abendessen die Vorteile einer kompetenten Reiseleitung, einer guten Unterkunft und eines wetterfesten Fortbewegungsmittels auf, als mehrere leicht stinkende Rucksacktouristinnen leicht durchnässt den letzten Platz in einer leicht zugigen Ecke unseres Abendessen-Restaurants zugewiesen bekommen.

VG Wort