Antiguo Carcel Provincial

mit dem Verhörraum von Fidel Castro nach dem Moncada-Überfall

Haus gegenüber des Antiguo Carcel Provincial
das Antiguo Carcel Provincial in Santiago de Cuba

Wenige Schritte vom Parque Céspedes entfernt befindet sich das Antiguo Carcel Provincial – das ehemalige königliche Gefängnis von Santiago de Cuba. Erst dachten wir, es wäre ein Museum. Beim Eingang müssen wir allerdings beim Wachmann warten, bis ein Guide aufgetrieben ist, der uns durch das Gebäude führt.

Heute sind Behördenbüros in dem ehemaligen Gefängnis untergebracht und es ist nicht erlaubt, alleine durch die Gänge zu schlendern. So führt uns der Guide durch die Räume und entschuldigt sich alle fünf Minuten für sein schlechtes Englisch, das eigentlich sehr gut zu verstehen ist.

Blick in den Innenhof des Antiguo Carcel Provincial
in den Gängen des Antiguo Carcel Provincial

Das Gefängnis wurde im November 1845 eröffnet. Während der Unabhängigkeitskriege waren hier spätere Nationalhelden wie Perucho Figueredo, der Schöpfer der kubanischen Nationalhymne, oder Emilio Bacardí Moreau inhaftiert. Der Sohn des Firmengründers der Bacardí Limited Rumfabrik kämpfte gegen die spanische Besatzungsmacht und war später der erste frei gewählte Bürgermeister von Santiago de Cuba.

Auch während der Revolution stand das Gefängnis kurz im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit: Der Widerstandskämpfer Frank País wurde hier gefangen gehalten, nachdem er sein Protestschreiben »Asesinato« bezüglich der Morde in der Moncada-Kaserne veröffentlichte und verteilte. Später unterstützte País die Rebellen der Granma-Besatzung in der Sierra Maestra. Abgehörte Telefonate verrieten 1957 sein Versteck in Santiago de Cuba, worauf ihn die Sicherheitskräfte aufgriffen und ermordeten.

Perucho Figueredo - Schöpfer der kubanischen Nationalhymne
Emilio Bacardí Moreau - erster frei gewählter Bürgermeister von Santiago de Cub
Frank País - Widerstandskämpfer während der Revolution

Die bekannteste und wichtigste Persönlichkeit ist aber Fidel Castro. Nach dem misslungenen Überfall auf die Moncada-Kaserne flüchtete er in die Berge der Sierra Maestra.

Dort wurde er entdeckt und festgenommen. Zum Verhör brachte man ihn für mehrere Stunden in das königliche Gefängnis. Im damaligen Verhörraum dokumentieren Fotos das Geschehen.

Verhörraum von Fidel Castro im Antiguo Carcel Provincial
Verhörraum von Fidel Castro im Antiguo Carcel Provincial

Das Gefängnis selbst ist ein sehr schöner Bau mit Rundbögen und einem viereckigen, von Arkaden umgebenen Innenhof. Einige der vergitterten Zellen stehen noch zur Besichtigung offen. Auch eine extrem schmale für die Schwerstverbrecher. Sie ist so eng, dass ein Sitzen oder Liegen nicht möglich ist.

Nur an diesen wenigen Zellen ist die Haftanstalt noch zu erkennen. In den anderen Räumen sind mittlerweile Büros eingerichtet, in denen sich ein paar Beamte langweilen und auf den Feierabend warten – es seit denn, sie sitzen beim alltäglichen Tratsch im Innenhof.

Zelle im Antiguo Carcel Provincial von Santiago de Cuba
in den Gängen des Antiguo Carcel Provincial
Enge Zelle für Schwerstverbrecher
im Innenhof des Antiguo Carcel Provincial

Insgesamt haben wir das Gefängnis als interessante und kostenlose Sehenswürdigkeit von Santiago kennengelernt. Trotzdem kommen laut dem Guide täglich höchstens zwei oder drei Paare hierher zu Besuch. Und ihn wundert es, dass es wirklich immer nur Paare sind. Das ist dann wohl auch der Grund, warum es sich der Wachmann am Eingang leisten kann, auch mal ein Auge zuzudrücken. Oder zwei? Bei unserem Abschied schläft er tief und fest auf seinem Stuhl.

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