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Koloniales Kleinod Villa de Leyva

Rundgang durch das koloniale Zentrum

die Iglesia de Nuestra Señora del Rosario in Villa de Leyva
in der Iglesia de Nuestra Señora del Rosario in Villa de Leyva

Nach dem etwas langwierigen Frühstück startet unser Rundgang durch Villa de Leyva. Der Ort wirkt so dörflich, dass wir den Begriff »Stadtrundgang« lieber meiden, auch wenn in dieser Gemeinde Kolumbiens um die 17.000 Einwohner leben, wovon wiederum 10.000 im »städtischen« Teil wohnen.

Und wir sind mitten drin: Das Herzstück Villa de Leyvas befindet sich direkt vor unserem Hotel, die Plaza Mayor. Seine gewaltigen Ausmaße von 120 auf 120 m verdankt der Hauptplatz hauptsächlich den Soldaten, die hier zur Zeit der südamerikanischen Unabhängigkeitskriege aufmarschieren mussten.

auf der Plaza Mayor in Villa de Leyva
in den Gassen von Villa de Leyva

Der Platz diente jedoch zivilen, nützlichen Zwecken. Da die Gegend rund um Villa de Leyva sehr fruchtbar ist, wurden und werden hier immer wieder größere Märkte gehalten. Etwas verloren wirkt jedoch der im Mudéjar-Stil erbaute Brunnen auf der riesigen Fläche. Fast 400 Jahre lang versorgte dieser die Dorfbewohner mit Wasser. Heute ist er nur noch ein im Verhältnis zur Fläche gesehen winziges Zierwerk auf der Mitte der Plaza Major.

koloniale Häuser in Villa de Leyva
in den idyllischen Gassen von Villa de Leyva

Immer wieder läuten die Glocken der Kirche. Wenn wir einen Blick in die Iglesia de Nuestra Señora del Rosario werfen wollen, dann schnell. Denn heute ist Sonntag und die Menschen sammeln sich bereits auf den Bänken zum Gottesdienst.

Der Altar ist natürlich mit reichlich Gold verziert. Die restliche Innenausstattung ist für katholische Kirchen jedoch untypisch schlicht gestaltet.

Antonio Ricaurte - ein Held Kolumbiens in Villa de Leyva
Marienstatue an der Iglesia del Carmen in Villa de Leyva
die Iglesia del Carmen in Villa de Leyva

Angesichts des schönen Wetters halten wir uns nur kurz im Eingangsbereich der Kirche auf, schlendern dann aber lieber durch die Gassen der äußerst fotogenen Siedlung. 1954 wurde der gesamte Stadtkern unter Denkmalschutz gestellt, was dazu führte, dass er bis dato frei von Hochhäusern ist.

Unser Spaziergang führt über wunderbares Kopfsteinpflaster zwischen einheitlich weiß verputzten Häusern hindurch. Die Gebäude haben höchstens zwei Stockwerke und sind mit niedlichen Balkonen verziert. Dazwischen ranken immer wieder bunte Bougainvilleen über die Mauern. Ihre Blütenpracht unterstreicht Villa de Leyva als koloniales Kleinod.

auf der Plaza Mayor in Villa de Leyva
auf der Plaza Mayor in Villa de Leyva

Die Flagge Kolumbiens

An einem der Restaurants hängt eine große kolumbianische Flagge. Für Cilfredo ist dies eine willkommene Gelegenheit, uns den Sinn der Farben zu erläutern. Der Patriot und Revolutionär Francisco de Miranda setzte sich seinerzeit für die Unabhängigkeit der spanischen Kolonien ein und träumte von einem einheitlichen lateinamerikanischen Staat mit dem Namen Kolumbien.

Auch wenn seinen Bestrebungen der Erfolg verwehrt wurde, gilt er als Wegbereiter für Simón Bolívar, der die spanische Herrschaft in Südamerika beendete. Francisco de Miranda entwarf das Design der kolumbianischen Flagge, die gleichzeitig das Grunddesign für die Flaggen Venezuelas und Ecuador bildet.

eine Oma schlendert zur Kirche in Villa de Leyva
Cilfredo und Thomas erklären die Farben der kolumbianischen Flagge

Für die Bedeutung der Farben gibt es unterschiedliche Geschichten. Cilfredo favorisiert die romantische Version. So galt Francisco de Miranda in Europa als Casanova. Er verbrachte unter anderem eine lange Zeit am Hof von Katharina der Großen. Es blieb nicht aus, dass er sich noch in Europa in eine schöne blonde Frau verliebte, mit blauen Augen und einem roten Mund.

Voilà, schon sind alle drei Farben in der Flagge Kolumbiens vereint. Nach der weniger romantischen Version symbolisiert die gelbe Hälfte der Flagge das reiche Goldvorkommen Kolumbiens. Das Blau steht für das Meer und Rot stellt das Blut dar, das für die kolumbianische Unabhängigkeit vergossen wurde.

hübsche kleine Balkone sind typisch für die kolonialen Häuser von Villa de Leyva
in den kolonialen Gassen von Villa de Leyva

Genug allgemeine Geschichte von Kolumbien. Denn Villa de Leyva ist eher berühmt für seine Schätze an Fossilien. Während der Kreidezeit im Mesozoikum, der Erdmittelzeit, lag die Gegend nämlich noch unter Wasser. Wenn man bedenkt, dass wir uns heute auf 2200 Meter Höhe befinden, ist das unvorstellbar.

Aber Fossilien sind hier so zahlreich vorhanden, dass viele Häuslebauer diese für Zierwände oder auch für die Böden nutzten. Wer genau hinschaut, entdeckt immer wieder versteinerte Muscheln oder Schnecken an den Gebäuden. Und wer diese im Städtchen übersieht, der kann bei unserem nächsten Halt, beim Fossilien-Museum, einen Blick darauf werfen.

Fossilien aus der Kreidezeit im Mesozoikum als Baumaterial in Villa de Leyva
die riesige Plaza Mayor in Villa de Leyva
VG Wort
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