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Tatacoa-Wüste am Morgen

Wanderung nahe der Tatacoa Sternwarte

Es ist noch fast dunkel, als wir unsere Nasen ins Freie strecken. Auf der Fußmatte vor der Hütte schläft ein Hund. Für ihn ist es noch zu früh, er will weiterschlafen. Wir treffen aber Eringson, unseren Localguide.

Er wird uns während der Tour durch die Wüste begleiten. Dabei geht es weniger ums Verlaufen. Die Tatacoa-Wüste hat einiges an Pflanzen und Tiere zu bieten und genau das ist sein Fachgebiet.

Die Tatacoa-Wüste in Kolumbien.

Es kann schon richtig heiß werden in der Tatacoa-Wüste. Manchmal werden Temperaturen bis zu 50°C gemessen. Doch der Wolkenbruch von letzter Nacht zeigt, dass die Tatacoa keine richtige Wüste ist. Übers Jahr verteilt fallen hier gut 1000 mm Niederschlag. Das ist deutlich mehr als bei uns daheim.

Hier indes reicht dies nicht aus, um die Verdunstung durch die hohen Temperaturen auszugleichen. Gebirgszüge der Zentral- und der Ostkordillere fangen einen Großteil der Regenwolken und dadurch auch den Niederschlag ab. Somit ist die Tatacoa eigentlich ein vertrockneter Tropenwald.

Am frühen Morgen in der Tatacoa-Wüste von Kolumbien.
Irgendwann geht auch in der Tatacoa-Wüste die Sonne auf.

Die Gebirgszüge um die Tatacoa herum sorgen zugleich dafür, dass sich die Wüste nicht weiter ausbreiten kann. Und mit 330 km² ist sie eine ziemlich kleine Wüste. Umgerechnet entspricht dies gerade mal 18 auf 18 Kilometer. Zum Vergleich dazu ist die Sandwüste Rub al-Khali im Oman einiges über 1500 mal so groß wie die Tatacoa-Wüste.

Candelarius-Kakteen in der Tatacoa-Wüste von Kolumbien.
Candelarius-Kakteen in der Tatacoa-Wüste von Kolumbien.
Candelarius-Kakteen in der Tatacoa-Wüste von Kolumbien.

Um nicht so schnell von einem zum anderen Ende der Wüste zu gelangen, lässt sich Eringson viel Zeit für unsere Tour. Nein, schon nahe unserer Posada gibt es einiges zu sehen und zu entdecken. So zeigt uns Eringson, wie sich die knallroten Früchte aus den Melocactuses ziehen lassen. Während wir aufpassen müssen, nicht über die kugeligen Melocactuses zu stolpern,

wachsen die Candelarius-Kakteen mit ihren leuchtend weißen Dornen weit in die Höhe. Oft beobachtet uns ein Falke von einer ihrer Spitzen. Dazwischen recken Opuntioideae ihre blattförmigen Stacheltriebe fies in die Landschaft. Insgesamt gibt es sechs verschiedene Kakteen-Arten. In Berührung wollen wir mit keiner kommen.

Kleine Wanderung durch die Tatacoa-Wüste in Kolumbien.
Ein Esel in der Tatacoa-Wüste in Kolumbien.

Während wir zwischen den Kakteen umher schlendern, schlafen einige Besucher der Wüste noch tief und fest in ihren Zelten. Bei unserer Posada gibt es extra dafür einen kleinen Zeltplatz.

Daneben scheint aber auch das Wildcampen möglich oder zumindest gängige Praxis zu sein. Einige der Camper genießen bereits die ruhigen Morgenstunden. Die übrigen werden wohl spätestens mit der aufgehenden Sonne munter.

Candelarius-Kakteen in der Tatacoa-Wüste von Kolumbien.
Steinformationen in der Tatacoa-Wüste in Kolumbien.
Candelarius-Kakteen in der Tatacoa-Wüste von Kolumbien.

Bei der etwas »weniger« komfortablen Posada La Guaca führt ein Pfad hinunter in die rote Wüste. Ein gut angelegter Wanderweg soll Besucher davor abhalten, die empfindliche Vegetation zu zertrampeln. Mit dem Hinweis, dass es hier auch Skorpione gibt, klappt das sogar ansatzweise. Die Tatacoa hat ihren Namen von einer hiesigen Schlangenart. Wobei es sich bei einer Tatacoa eher um eine Amphisbaena alba, also eine Blindschleiche handelt,

die vorwärts und rückwärts schleichen kann. Angst brauchen wir keine zu haben. Zum einen ist das Reptil ungefährlich, zum anderen leider in der Tatacoa-Wüste längst ausgestorben. Doch scheinbar bezeichnen Kolumbianer auch kratzbürstige Frauen als Tatacoa. Im Gegensatz zu den Blindschleichen handelt es sich dabei um eine sehr erfolgreiche Spezies, die selbst in so einer entlegenen Gegend hin und wieder anzutreffen ist.

Kakteen der Art »Melocactus curvispinus« in der Tatacoa-Wüste von Kolumbien.
Im Labyrinth der Steinformationen der Tatacoa-Wüste in Kolumbien.

Der erste Teil auf dem Wanderweg durch die rote Wüste ist übersichtlich. Wir finden einen Haufen Vulkan-Asche vom letzten Ausbruch des nahe gelegenen Vulkans. Es sind für Asche gewaltige Brocken. Gleich dahinter erreichen wir die Karstlandschaft. Auch wenn die ausgewaschenen Täler nicht sonderlich tief sind, sind wir in diesem Bereich von roten Wänden umgeben und ist kaum auszumachen, ob ein Pfad in einer Sackgasse endet,

oder ob sich der Weg um den nächsten Hügel herum fortsetzt. Wir haben ja einen Guide. Der weiß, wo es lang geht. Leider erreichen wir nur allzu bald die Sternwarte, wo die Tour endet. Frühstück ist angesagt. In anderthalb Stunden ist Abfahrt nach San Agustin. Es steht also eine weitere lange Fahrt auf dem Programm. Und wie wir unsere Gruppe bereits kennen, wird es unterwegs reichlich zu Essen geben.

Im Labyrinth der Steinformationen der Tatacoa-Wüste in Kolumbien.
Im Labyrinth der Steinformationen der Tatacoa-Wüste in Kolumbien.

Wir verzichten also auf das Frühstück und brechen gleich wieder in die rote Wüste der Tatacoa auf. Bis auf zwei Esel, die uns misstrauisch beobachten und uns lieber aus dem Weg gehen, spazieren wir diesmal in trauter Zweisamkeit durch die Stille der winzigen Täler. Es ist herrlich und richtig überraschend, dass hier wirklich niemand anzutreffen ist.

Als kleiner Wermutstropfen jedoch ist der Himmel weitgehend bedeckt. Eigentlich sollte man mindestens zwei Nächte in der Wüste verbringen, um das Karstgebirge mit seinen schönen Farben richtig zu erleben. Andererseits sind wir gespannt, was San Agustin Schönes zu bieten hat.

VG Wort
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