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Töpferei in Ráquira

Besuch bei einer kolumbianischen Töpferfamilie

kolumbianische Töpferei bei Ráquira
Bunte Töpfe in der Familientöpferei bei Ráquira

Kurz vor der Kolonialstadt Villa de Leyva erreichen wir das Städtchen Ráquira. Der schmucke Ort ist bekannt als Kolumbiens Stadt der Töpfer. Bevor wir durch die Gassen im Zentrum schlendern dürfen, gilt jedoch auch für uns: erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Vor dem Einkaufsbummel besuchen wir also eine der vielen Töpfereien der Gegend.

»Oh ja, mal wieder eine Töpferei«, gähnen wir noch, als wir vor einem unscheinbaren Rohbau abgeladen werden. Erinnern wir uns an den Besuch einer Töpferei in Jarabacoa, so handelte es sich dort um reine Touristenfabrik. Vor den Toren Ráquiras hingegen erwartet uns ein kleiner Familienbetrieb, der mit Führungen durch die Töpferwerkstatt ein kleines Zubrot verdient.

der Brennofen der Töpferfamilie von Ráquira
die Mutter formt neue Töpfe - Ráquira
und der Vater färbt sie ein - Ráquira

Tatsächlich wird die Familie schnell vom Vater aufgescheucht, damit auch etwas gezeigt werden kann. Wir werden hinters Haus bis zu einem großen Lehmberg begleitet. Was manch einer für einen Haufen Dreck hält, ist offenbar die Rohmasse für die künftigen Arbeiten.

Um damit zu töpfern, muss der Lehm zwar noch bearbeitet werden. Doch die Mutter hat schon mal etwas vorbereitet und ist in der Werkstatt fleißig am Werkeln. Gekonnt dreht sie auf der Scheibe einen Topf, der exakt genau die Größe wie die bereits vorhandenen Töpfe hat.

Töpfe zum Brennen vorbereitet bei Ráquira
Fertige Töpfe der Familie von Ráquira

Gleich neben ihr reihen sich etliche Töpfe und Schüsseln in verschiedenen Größen eng aneinander. Sie sind zum Trocknen gerichtet und warten aufs Brennen. An den Werkraum schließt sich eine Scheune mit dem riesigen Brennofen an. Auf uns macht er den Eindruck, als würde er beim nächsten Brennvorgang in sich zusammenfallen. Nicht der Zugang in das Innere des Ofens ist für uns klar zu erkennen. Doch der Vater ist davon überzeugt, dass der Ofen einwandfrei funktioniert und sogar Töpferware brennt, die frostsicher ist.

Ráquira befindet sich auf über 2200 Meter in den Nordanden. Bei uns gilt das als schneesichere Gegend. In Kolumbien jedoch müssten wir für Frost noch einiges höher steigen. So beträgt die Durchschnittstemperatur in Ráquira 17° Celsius. Im Vergleich dazu verzeichnet der Oberrheingraben als wärmste Region in Deutschland ein Jahresmittel von rund 11° Celsius. In Freiburg im Breisgau, am Rand vom Schwarzwald sind es 10,4°. Ob seine Töpfe jemals Frost ausgesetzt waren, halten wir damit für fraglich.

Formen für Sparschweine in der Töpferei von Ráquira
lauter gebrannte Sparschweine in der Töpferei von Ráquira
die Kinder der Töpferfamilie von Ráquira

Egal, denn als Nächstes zeigt er uns, wie er die Töpfe binnen kürzester Zeit kunstvoll bemalt. Jede Töpferfamilie besitzt dabei ihr eigenes Muster. Während einer der Töpfe drehend an Farbe gewinnt, verteilt sein kleiner Sohn Minitöpfchen an die Gäste. Eine nette Geste, die mit Bonbons belohnt wird.

In der zweiten Werkstatt befindet sich schließlich der Gasbrennofen. Der sieht schon einiges moderner aus als der große Holzofen. Hier werden dutzendweise Sparschweine mithilfe spezieller Formen gefertigt. Auch wenn wir bereits einige Töpfereien besichtigt haben, lohnt sich damit der hier wirklich nette Besuch.

Alter Holzkohle-Brennofen der Töpferfamilie von Ráquira
auf dem Hof der Töpferfamilie von Ráquira
VG Wort
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