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Stadtrundgang in Popayán

Mit einem Indianer durch die Altstadt Popayáns

Die weißen Häuser sind typisch für Popayán.
Beim Parque Caldas von Popayán.

Am späten Nachmittag holt uns ein Local Guide beim Hotel La Plazuela ab. Er soll uns die schönen Ecken der weißen Stadt Popayán näherbringen. Leider ist ausgerechnet der späte Nachmittag eine denkbar ungünstige Zeit für Erkundungen in Kolumbien.

Meistens ziehen dunkle Wolken auf und beginnt es zu regnen. So ist der Himmel auch beim Aufbruch zum Stadtrundgang bedeckt, sodass wir vorsichtshalber einen Regenschirm mitnehmen.

Der Uhrturm mit der »Nariz de Popayán«.
Die Kathedrale von Popayán.

Wir beginnen am Parque Caldas, auf dem reges Treiben herrscht. Hier treffen sich die Bewohner der Stadt zum Klatsch und Tratsch, um zu spielen oder um Tauben zu füttern. Andere verweilen einfach auf den Parkbänken, beobachten das Geschehen um sie herum oder dösen einfach vor sich hin. Wir stehen vor der Kathedrale. Sie gehört zu den vielen Gebäuden Popayáns, die beim Großen Erdbeben vom 31. März 1983 schwere Schäden erlitt.

Die Osterprozessionen von Popayán ist als ein besonderes Erlebnis bis über weit die Grenzen Kolumbiens hinaus bekannt. Umso tragischer erscheint es, dass das Erdbeben die Stadt ausgerechnet in der Karwoche während der Feierlichkeiten erwischte. Bei der Kathedrale stürzte die gesamte Kuppel ein. Nach dem Beben wurde die Basilika vollständig rekonstruiert und im Jahr 1986 kam sogar Papst Johannes Paul II hier zu Besuch.

Die Kuppel der Kathedrale von Popayán stürzte beim Erdbeben ein.
Blick zum Altar der Kathedrale von Popayán.

Neben der Kathedrale steht der Uhrturm von Popayán. Auf den ersten Blick wirkt dieser recht unscheinbar. Der Turm wurde aus 90.000 Ziegelsteinen erbaut, was ihn so stabil machte, dass das große Erdbeben nur einzelne Risse verursachte. So konnte er rasch repariert werden,

ohne dass auch nur ein einzelner der Steine bewegt werden musste. Anders erging es der Turmuhr,. Sie ist eine weitere Besonderheit Popayáns, da sie nur einen Zeiger besitzt. Bei den Einheimischen hat ihr dies den Namen »Nariz de Popayán«, also die Nase von Popayán eingebracht.

Die Heilige Barbara in der Kathedrale von Popayán.
Ein Spaziergang durch den Parque Caldas von Popayán.
Kolumbianer bei der Vermessung in Popayán.

Die Uhr wurde 1737 von den Priestern der Stadt gestiftet. 1814 wurden Teile von ihr geplündert. Während der Befreiungskriege benötigte man die Bleigewichte als Rohstoff für Geschützkugeln. Die alten Gewichte wurden anschließend durch Steine ersetzt.

Beim Erdbeben von 1983 blieb sie für eine ganze Weile stehen. Erst im Herbst 1998, also gut 15 Jahre nach der Katastrophe erhielt das Uhrwerk eine mehrwöchige Reparatur in England. Nun müsste sie wieder richtig ticken, auch wenn in England die Uhren anders ticken.

Das Stadttheater von Popayán ist grün anstatt weiß.
Ränge im Stadttheater von Popayán.

Unser Local Guide fragt, ob wir uns lieber auf die Sehenswürdigkeiten der Stadt konzentrieren wollen, oder ob uns auch die Geschichte der indigenen Dörfer der Region interessiert. Auch er ist ein Indianer. Ist das eine Fangfrage? Während Lars und ich uns zurückhalten, preschen zwei in unserer Gruppe vor und erklären,

dass sie eine schnelle Sightseeingtour bevorzugen. Ja, mit Elan lassen sich Fettnäpfchen immer noch am besten abräumen. Andererseits ist das Tröpfeln inzwischen in einen satten Regenschauer übergegangen. Wer will da schon unnötig draußen im Nassen stehen?

Die Puente del Humilladero, ein Wahrzeichen Popayáns.
Die Puente del Humilladero aus Naturstein in Popayán.

Wir gehen also flugs ins Stadttheater, eines der wenigen Gebäude von Popayán, das grün anstatt weiß gestrichen ist. Ein italienischer Architekt hat es im Stil seiner Heimat erbaut. Es bietet Platz für 800 Besucher und umfasst vier Ränge. Was fehlt, ist ein festes Ensemble oder ein Orchester. Die Stadt vermietet das Gebäude stattdessen für private Aufführungen. Ganz in der Nähe des Theaters befindet sich außerdem die Puente del Humilladero, eines der Wahrzeichen Popayáns.

Die 240 Meter lange Ziegelsteinbrücke wird von elf Pfeilern gestützt und stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Sie sollte die nördlichen Vorstädte besser mit dem Zentrum verbinden. Gleich daneben steht die kleinere Puente de la Custodia aus dem Jahr 1713. Priester sollen sie damals genutzt haben, um die Kranken der Stadt auf der anderen Seite des Flusses zu segnen.

Die Bogen der Puente del Humilladero von Popayán.
Hibiskusblüte im Parque Caldas von Popayán.
VG Wort
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