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Im Museum zur Semana Santa von Popayán

und eine Kerzen-Demo für die Bildung

noch eine Kirche in Popayán
im Morgenlicht auf dem Parque Caldas von Popayán

Beim weiteren Rundgang durch Popayán wird der Regen immer ungemütlicher. So sind wir froh, dass wir bald das kleine Museum zur Semana Santa erreichen. Popayán ist eine stark katholisch geprägte Stadt. Deutlich wird dies auch an dem Herrenhaus einer Familie, welche die Mauern mit Motiven aus der Karwoche verziert hat. Was unter normalen Umständen einen längeren Stopp wert ist, verkommt im Regen zur Nebensache.

Jetzt rächt es sich, kein Interesse an der Kultur unseres Guides gezeigt zu haben. Er fühlt sich in seinem Stolz gekränkt. Seine Familie stammt aus einem Indianerdorf, an die 90 Kilometer von Popayán entfernt. Das Dorf war immer arm und wurde lange Zeit von den sozialrevolutionären Guerillas der FARC unterstützt. Längst sind die Indianer katholisch missioniert. Doch langsam besinnen sie sich ihrer Wurzeln und beginnen, die alten Sprachen neu zu lernen.

Gang im Museum zur Semana Santa von Popayán.
Weiße Gebäude beim Parque Caldas von Popayán.
Die Iglesia San José in Popayán.

Lernen wollen in Popayán auch die jungen Leute. Seit Wochen treibt es sie immer wieder auf die Straße, um für ihre Anliegen und Zukunft zu demonstrieren. Wir versuchen, den Demonstrationen aus dem Weg zu gehen und suchen uns am Abend ein geeignetes Restaurant. In der Straße zur Puente del Humilladero waren uns beim Rundgang einige Wirtschaften aufgefallen. Zur Not gäbe es dort außerdem ein gemütlich wirkendes Hotelrestaurant. Wir entscheiden uns für eine kleine Pizzeria. Laut dem Aushang sollte sie geöffnet sein.

Allerdings ist der Eingang ähnlich einer Schleuse doppelt vergittert. Wir fragen nebenan in der Autowerkstatt nach. Der Chef klingelt einfach bei seiner Nachbarin und löst irgendeinen Riegel am äußeren Gitter, als auch schon eine kleine Frau lachend auf uns zueilt und das innere Gitter öffnet. Das Restaurant ist in kleine, gemütliche Séparées unterteilt. Auch wenn wir vom Geplapper der kleinen Frau nur wenige Brocken verstehen, gibt es viel zu lachen. Besonders, als Lars das ständige »besame« des Radiomoderators mit einem »mucho« ergänzt.

Gasse bei der Puente del Humilladero in Popayán.
Lars in der kleinen Pizzeria von Popayán.

Schließlich aber müssen wir zurück ins Hotel. Die Demonstration hat sich inzwischen auf den Parque Caldas verlagert. Das könnten wir noch umgehen. Doch bereits beim Theater kommen uns zahlreiche Polizisten in voller Montur entgegen. Ihren Schutzschild heben sie wegen des starken Regens über den Kopf. Was auch sonst? Wir fragen nach, ob es im Bereich der Demo gefährlich wäre.

»No, sólo son estudiantes inofensivos«, erklärt der Polizist. Viele dieser harmlosen Studenten tragen Kerzen durch die Nacht, was den friedlichen Eindruck noch verstärkt. So trauen auch wir uns ins Gewühl und erfahren, dass die jungen Menschen weniger für ihre Bildung bezahlen wollen und mehr Unterstützung vom Staat fordern. Klingt vernünftig, oder?

Morgen nach der Demo: Wasserwerfer in Popayán.
Stolz lassen sich die kolumbianischen Soldaten fotografieren.

Am nächsten Morgen kehren wir vor der Weiterfahrt nochmals zum Parque Caldas zurück. Die Stadtarbeiter sind am Fegen und die Polizei packt langsam ihre Wasserwerfer zusammen. Haben sie etwa so heute Nacht aufgeräumt? Wir wissen es nicht, haben aber einige Hubschrauber über uns kreisen gehört.

Was etwas unschön ist, sind die rußigen Flecken der Kerzen, die an den weißen Gebäuden von der Kerzen-Demo künden. Wir lassen es uns nicht nehmen und labern die Polizisten in ihrem Schildkrötenlook an. Dafür, dass sie Nachtschicht hatten, sind sie recht vergnügt und stellen sich für ein Foto stolz mit ihrem Gummigeschoss in Pose.

Aufräumarbeiten am Morgen nach der Demo am Parque Caldas.
Am Morgen in den Gassen von Popayán.
VG Wort
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