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Vom Kulturpalast zur Plaza Botero

ein Nationaldenkmal und die bronzenen Nackedeis

Im Kulturpalast von Medellín.

Nach dem Kaffeehausbesuch spazieren wir weiter zur Plaza Botero und den Kulturpalast von Medellín. Dieses schön verspielte, jedoch etwas seltsam karierte Gebäude wurde vom Belgier Agustín Goovaerts entworfen. Die Arbeiten an dem Projekt begannen 1920. Die Wirtschaftskrise von 1929 ließ des Bauprojekt allerdings stocken,

weshalb Goovaerts Kolumbien den Rücken kehrte. Auch wenn das Gebäude zunächst unvollendet blieb, wurde es in den 1930er Jahren eingeweiht. Architekten, die mit dem Weiterbau beauftragt wurden, sahen sich mit Haushaltskürzungen konfrontiert. 1938 wurde das Werk schließlich auf unbestimmte Zeit ausgesetzt.

In den Gängen des Kulturpalasts von Medellín.
Aussicht von der Dachterrasse des Kulturpalasts.
Die Kuppel des Kulturpalasts von Medellín.

Erst 1970 erhielt das Gebäude sein heutiges Erscheinungsbild. Die ursprünglichen Pläne Goovaerts fanden dabei allerdings keine große Beachtung mehr. Das Design wurde um die Hälfte gekürzt. Trotzdem wurde es 1982 zum Nationaldenkmal erklärt. 1987 nahm es seinen heutigen Namen zu Ehren von Rafael Uribe Uribe an.

Es beherbergt eine stattliche Sammlung an Gemälden in seinen sonst leeren Räumen. Umso beeindruckender ist die Aussicht, die uns die Dachterrasse des Gebäudes auf der umliegenden Plaza Botero und den mit Palmen geschmückten Innenhof eröffnet.

Mujer reclinada, die liegende Frau von Fernando Botero
Lars und die Mujer con espejo, die Frau mit Spiegel von Botero.

Das weitaus größere Museum befindet sich außerhalb des Kulturpalasts, auf der Plaza Botero. Hier verteilen sich 23 der überproportionalen Skulpturen des kolumbianischen Künstlers Fernando Botero. Im Laufe seiner Karriere spendete Botero immer wieder Kunstwerke an Bogota sowie auch an seine Heimatstadt Medellín.

Es sind in der Regel keine Unikate. An zwei Nummern im Sockel lässt sich erkennen, wie viele Replikate es von der jeweiligen Form gibt und um das wievielte es sich auf dem Platz jeweils handelt. Wer also von seinen europäischen Städtereisen einen Botero wiedererkennt, sieht hier nicht dieselbe, sondern nur die gleiche Skulptur.

Pensamiento, was dachte sich wohl der Mann? Fernando Botero
Mutter mit Mädchen vor dem Reiter Boteros.
Blick auf den Kulturpalast von der Plaza Botero aus.
Mutter und Sohn auf der Plaza Botero.

Die bronzenen Nackedeis des Plaza Botero sind natürlich eine beliebte Touristenattraktion. Doch auch die Einheimischen zieht es immer wieder hierher, um Fotos mit ihren Kindern zu schießen. Ein kleiner Junge ist vom besten Stück des »Römischen Soldaten« so begeistert, dass es der Mutter sichtlich peinlich ist. Trotzdem lacht sie uns, wenn auch etwas verlegen, so doch fröhlich in die Kamera.

Ein Einkaufsbummel im Nationalpalast

Wenige Schritte von der Plaza Botero entfernt stehen die Damen aus dem Gewerbe der käuflichen Liebe. Mit der Kolonialkirche Ermita de la Veracruz im Hintergrund haben sie eine edle Kulisse. Wir indes betrachten lieber die Auslage der Geschäfte in der Mall des Nationalpalastes.

Der Palast befindet sich in bester Lage inmitten von Medellín. Hinter den romantischen Arkaden können in mehr als 400 Läden Schuhe, Klamotten und auch Souvenirs gekauft werden.

die Damen an der Kolonialkirche Ermita de la Veracruz
die Kolonialkirche Ermita de la Veracruz
Die romantischen Arkaden im Palacio Nacional von Medellín.

Anders als im Moskauer Kaufhaus GUM sind hier die Läden weniger exklusiv. Während bei unserem Besuch im GUM kaum Menschen unterwegs waren, weil sich schlicht kaum ein Moskowiter die Preise leisten kann, herrscht hier dafür entschieden mehr Rummel.

Doch auch wenn hier Jeans und Sweatshirts einiges günstiger als in Deutschland sind, bleiben wir bei unserem Motto: Shoppen können wir auch zu Hause und verzichten auf einen Einkaufsbummel.

Die Arkaden im Nationalpalast von Medellín.
Kolumbianerin mit Baby im Nationalpalast.

Der Bambusgarten an der Plaza de Cisneros

Unter der Hochbahn hindurch erreichen wir als Nächstes die Plaza de Cisneros. Sie ist nach dem kubanischen Ingenieur Francisco Javier Cisneros benannt, der in Kolumbien Pionierarbeit beim Bau von Eisenbahntrassen leistete. Der Platz war einer der öffentlichen Märkte der Stadt.

Doch immer wieder aufkeimende Bürgerkriege zwangen das wohlhabende Bürgertum, sein Vermögen zu investieren. Sie sahen im Bau einer Markthalle eine gute Wertanlage. Also entstanden die Gebäude Vásquez und Carré und schon hatten die Marktstände ein Dach über dem Kopf.

Ehemalige Markthalle an der Plaza de Cisneros
Lichtsäulen und Bambusgarten an der Plaza de Cisneros

Allerdings bescherte die Überbauung den Marktverkäufern weniger Umsatz als benötigt, sodass sie von dannen zogen. Bald waren die Gebäude verwaist und blieben sich weitgehend selbst überlassen. Mit der Plaza de Cisneros ging es städtebaulich und sozial rasant bergab.

Drogen und Prostitution übernahmen das Viertel. Erst 2002 nahm man sich dem Stadtviertel wieder an und investierte Milliarden an Pesos, um den Platz und seine Gebäude zu sanieren.

Einkaufsgänge im Nationalpalast von Medellín.
Anne auf der Plaza de Cisneros
Unser Fahrer Alexander mit dem Regenschirm in Kolumbien.

Das Ergebnis lässt sich sehen. Es entstand ein Wald aus Lichtsäulen, vermischt mit einem großen Bambusgarten. »Heute ist es hier sehr sicher«, erklärt uns Cilfredo zuversichtlich. Einzig sein Gesichtsausdruck erzählt etwas anderes.

Es ist wohl doch besser, bei Dunkelheit einen anderen Weg einzuschlagen, als durch den Park. Und auch die Drogen sind nach wie vor präsent. Nirgends in Medellín fiel uns zuvor der Geruch nach Gras so arg auf wie hier auf der Plaza de Cisneros

Denkmal für die Menschen von Antioquia in Medellín
Denkmal für die Menschen von Antioquia
VG Wort
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