La Candelaria von Medellín

Wo Hochhäuser das Stadtbild beherrschen

Hochbahn mit Metrostation in der Candelaria von Medellín.
Ananasverkäufer in der Candelaria von Medellín.

Am Fuße der Favela nehmen wir erneut den Linienbus und fahren zurück zur Metrostation San Javier. Der Bus ist so klein, dass wir ihn als Gruppe nahezu komplett ausfüllen. Einzig eine Mutter mit ihrem kleinen Sohn findet noch Platz.

Sehr zur Freude des Jungen natürlich, der dankbar die Süßigkeiten der Touristen entgegennimmt, eh wir die Metro erreichen. Ab dort geht es mit der Bahn weiter zur Haltestelle San Antonio, mitten in der La Candelaria von Medellín.

In den Einkaufsstraßen der Candelaria von Medellín.
Blumen-Kiosk in der Candelaria von Medellín.
Das Kapital von Karl Marx im Buchladen von Medellín.

Wir erinnern uns an die Candelaria von Bogota. Sie besitzt noch einen typischen Altstadtcharakter mit engen Gassen und Kolonialhäusern. Hier, in Medellín erstrecken sich stattdessen die Hochschienen der Metro über die Fußgängerzone und beherrschen moderne Hochhäuser das Stadtbild.

Und obgleich dieses Viertel eine der niedrigsten Einwohnerdichten der Stadt verzeichnet, ist hier die reinste Hölle los. Auch das Verhalten unterscheidet sich von dem in der Hauptstadt. In Bogota wurden wir noch von Passanten darauf hingewiesen, dass die Kamera in Gefahr sei. In Medellín eilen indes alle so geschäftig von einem Schnäppchen zum anderen, dass kaum jemand wahrgenommen wird.

Die Basílica Nuestra Señora de la Candelaria von Medellín.
Innenraum der Basílica Nuestra Señora de la Candelaria

Etwas gelassener geht es beim Parque Berrio zu. Dieser ist zwar auch von Menschen überlaufen, doch die meisten tummeln sich um kleine Imbisse und um die musizierenden Cabelleros herum. Und wer in der quirligen Stadt etwas Ruhe sucht, schlüpft einfach in die Basilica de la Candelaria. Sie ist Medellíns bedeutendste Kirche, gleich neben dem Parque Berrio.

Eigentlich sollten wir ja der Orgel Beachtung schenken. Diese wurde in Deutschland hergestellt und mit dem Schiff über den Río Magdalena bis auf die Höhe Medellíns befördert. Für die restlichen 150 Kilometer bis ins Zentrum der Stadt mussten Pferde den Transport übernehmen.

Musiker im Parque Berrio der Candelaria von Medellín.
Eine Plumeria in der Candelaria von Medellín.

Café Astor, ein Schweizer Chocolatier in Medellín

Es ist mal wieder Zeit für eine Mittagspause. In der Carrera 49 lädt das Caféhaus Astor zu gutem kolumbianischem Kaffee und einer Flut an Süßwaren in hunderten Variationen ein. Der Gastraum ist recht groß und wirkt trotz des nachgeahmten Kaffeehaus-Stils etwas kühl.

Die Architektur lässt die Gespräche der Gäste durch den gesamten Saal hallen. Bis auf Lars scheint der stete Lärmpegel jedoch kaum einen zu stören. Hier kommt man her, genießt die geballten Kalorien und sammelt Quark- und Sahneschnitten auf den Hüften.

Im Café Astor in der Candelaria von Medellín.
Hat eine lange Tradition, das Café Astor in Medellín.

Dabei fing, wie so oft, einmal alles ganz klein an. Als der Schweizer Henry Baer 1930 in Medellín seinen ersten Tearoom Astor eröffnete, zählte das Etablissement gerade mal eine Handvoll Tische. Den Grundstein für den Erfolg legte der Konditor, indem er seinen damals zehn Angestellten die Kunst der Chocolatiers lehrte.

Körbe voller Schokolade verließen bald täglich den Verkaufsraum. Seine Kundschaft bestand hauptsächlich aus Mitgliedern der höheren europäischen Gesellschaft Medellíns. Nach dem Besuch der eleganten Geschäfte galt es bald als schick, ein paar ausgesuchte Delikatessen und feine Süßwaren des El Astor mitzunehmen.

Café Astor, ein Schweizer Chocolatier in Medellín

Nach wie vor ist das Astor ein Ort, den auch die Kolumbianer besuchen, um sich für einen Moment als besonders zu fühlen. Sonntags, wenn viele ihre Großmütter in der Stadt ausführen, soll es hier brechend voll sein. Unter der Woche bietet der Saal auch Reisegruppen genügend Platz für ein kleines Mittagessen.

Wir halten uns lieber bei figurfreundlichem Salat. Doch als die Bedienung mit einem Servierwagen voller Kuchenstückchen und kunstvoll gebackener Teilchen zwischen den Tischen hindurch spaziert, können nur die wenigsten der Versuchung widerstehen.

Café Astor, das Kaffeehaus von Medellín.
Café Astor des Schweizer Henry Baer aus dem Jahr 1930.
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