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Teehaus am Plain of Six Glaciers

Vier Stunden nach unserem Aufbruch am Chateau erreichen wir das Plain of Six Glaciers Teahouse. Die zweigeschossige Hütte kommt gerade recht für eine längere Pause. So sehen das auch die anderen Wanderer, die allesamt das Teehaus ansteuern.

Entsprechend eng geht es sowohl in dem kleinen Gebäude, als auch auf der Terrasse davor zu. So können wir uns glücklich schätzen, dass wir ohne groß zu warten zwei freie, sonnige Plätze auf der oberen Veranda finden und auch gleich bedient werden.

Teehaus am Plain of Six Glaciers
Teehaus am Plain of Six Glaciers

Nett finden wir ein Schild, dass uns dazu beglückwünscht, eine Höhe von 2100 m erreicht und 5,5 km ab Lake Louise gewandert zu haben. Nun gut, der Text richtet sich nicht an die wenigen Wanderer, die den Umweg über den Lake Agnes und den Big Beehive auf sich genommen haben. Immerhin verät uns der Aushang, dass der Rückweg gut zu machen ist.

Was wir leider früher hätten wissen sollen: bei den zwei Teehäusern kann man sich je einen halben Stempel abholen. Diese zeichnen einen als erfahrenen und engagierten Bergsteiger aus, womit sie ein begehrtes Souvenir sind. Aber allein deswegen nochmal zurück an den Lake Agnes laufen? Nein, da verzichten wir doch lieber auf die Auszeichnung.

Streifenhörnchen nahe dem Plain of Six Glaciers
Mont Lefroy mit Gletscher

Die Hütte selbst ähnelt in ihrer Bauweise denen, welche wir aus den Schweizer Alpen kennen. Tatsächlich wurde das Teahouse 1927 von zwei Schweizer Bergführern errichtet. 1959 übernahm Joy Kimball die kleine Bergwirtschaft, deren Familie sich auch heute noch um das Wohl der Wanderer kümmert. Dabei ist es ihnen auch wichtig, den ursprünglichen Charakter des Gebäudes zu erhalten.

So gibt es bis heute keinen elektrischen Strom im Plain of Six Glaciers Teahouse. Die warmen Speisen werden jeden Tag frisch auf Propangas-Öfen zubereitet. Die benötigten Grundnahrungsmittel wie Mehl und Zucker werden an nur einem Tag im Jahr für die ganze Saison mit dem Helikopter geliefert. Frische Zutaten werden dann mit Packpferden oder von den Mitarbeitern hoch zur Hütte getragen.

Kiefernhäher auf Beutesuche beim Teehaus am Plain of Six Glaciers
Kiefernhäher (Nucifraga columbiana)

Trotz dieser mühsamen Versorgung sind die Preise für Getränke und Essen human. Um nicht zu sagen, günstiger als in den großen Gasthäusern in Lake Louise, welche die Waren tagtäglich bis vor die Tür geliefert bekommen. Und das, obwohl die Familie auch noch einen Teil der Einnahmen an die David Suzuki Foundation spendet.

Ein weiteres Anliegen der Familie ist, sich so wenig wie möglich auf das empfindliche Ökosystem der Berge auszuwirken. Beim Recycling und Wasser mag dies noch klappen. Die Tiere lassen sich von dem Bestreben hingegen nicht irritieren. So beobachten wir Kiefernhäher, die den Gästen das Brot teilweise aus der ausgestreckten Hand pflücken.

VG Wort
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