Spaziergang über Pyramid Island

Jenseits der Wildnis des Nationalparks

Pyramid Island stand eigentlich nicht auf unserem Programm. Stattdessen wollten wir hoch zum Gletscher vom Mount Edith Cavell fahren. Nachdem wir am zweiten Tag in Jasper eine Wanderung durch den Maligne Canyon und zum Moose Lake unternommen hatten, schlägt das Wetter nachts um. Als Folge begrüßt uns der dritte Tag in Jasper mit Schnee in den Bergen. Das allein hätte uns wohl nicht schrecken können.

Zu unserem Unglück ist jedoch die Zufahrt zum Mount Edith Cavell gesperrt. Ob es tatsächlich nicht mehr möglich ist, hoch zum Gletscher zu fahren, oder es sich um eine Vorsichtsmaßnahme handelt, wissen wir nicht. Sich über Sperrungen im Nationalpark hinwegzusetzen, kommt für uns aber auch nicht infrage. Angesichts drohender drakonischer Geldstrafen würden wir auch niemandem dazu raten.

Die spannende Frage des Tages lautete damit: was nun? Den Vormittag können wir noch mit einer Wanderung durch das Tal der Fünf Seen vernünftig rumbringen. Dann aber setzen immer wieder ergiebige Regenschauer ein, die jedwede längere Wanderung in ihrer Qualität verwässern würden. Leicht frustriert studieren wir damit eine Weile die örtlichen Karten über Jasper und die nähere Umgebung, bis wir schließlich bei Pyramid Island hängenbleiben.

Pyramid Island - eine Insel wird zu Tode geliebt

Um es gleich vorwegzunehmen: wer eine Herausforderung in der Wildnis des Nationalparks sucht, hat auf der kleinen Insel nichts verloren. So erklärt die Parkverwaltung stolz, dass Pyramid Island auch für Rollstuhlfahrer erreichbar ist. Alle anderen Besucher trennt ein gemütlicher Spaziergang vom Festland über die Holzbrücke bis auf die Insel. Das ist dann auch der Grund, warum Pyramid Island so beliebt bei den Menschen ist. Um nicht zu sagen, zu beliebt. So wurde hier die Vegetation in den letzten Jahrzehnten durch unzählige Familien beim Picknicken stark in Mitleidenschaft gezogen. Es entstanden Trampelpfade, die wiederum die Bodenerosion beschleunigten. Oder, wie es die Kanadier sagen: »Die Insel wurde zu Tode geliebt.«

Pyramid Island - heute wieder ein idyllisches Ausflugsziel

Um die Schäden zu beheben und zukünftige Auswirkungen in den Griff zu bekommen, gründete man 1998 eine Kooperation. Erklärtes Ziel war damals, die Insel von Grund auf zu restaurieren. Über 600 Freiwillige halfen mit, die alte Brücke auszubessern und Bodenschichten neu aufzubauen. Sie pflanzten 1400 heimische Bäume und Wildblumen an. Außerdem legten sie einen Rundweg auf der Insel an.

Die Anstrengung aller Beteiligten hat sich gelohnt. So ist Pyramid Island auch heute wieder ein idyllisches Ausflugsziel für Familien und Urlauber. Zudem wird die malerische Kulisse gerne für Hochzeitsbilder genutzt. Was uns betrifft, ist die Insel ein versöhnlicher Abschluss eines leider verregneten Tags im Jasper Nationalpark.