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Fahrt durch die Dörfer

Fahrt durchs Land
Menta
Kleines Kind

Ob ich das so toll finde, Bonbons zu verteilen, sei mal dahingestellt. Die Kinder in den Dörfern jedenfalls sind ganz scharf darauf. »Den meisten fehlt es an nichts«, verspricht und Hennie. Tatsächlich sehen alle - und vor allem die Mädchen - gut genährt aus.
Je nachdem, wo Hennie den umfunktionierten Laster halten lässt, verhalten sich die Kinder immer wieder ein wenig anders. Mal sind sie schüchtern und trauen sich nur langsam zu uns. Andere wiederum jagen mit ihren Rädern dem Laster hinterher, um auch beim nächsten Halt noch ein paar Mentas zu erhaschen. Wagemutige gar versuchen, auf den fahrenden Lkw aufzuspringen. Dies kann unser Reiseleiter jedoch nicht dulden.

Einen Mord haben wir - zum Glück - zwar nicht beobachtet, reißenden Absatz finden aber auch unsere Kugelschreiber. Diese geben wir ausschließlich an die etwas Älteren. Andernfalls, so Hennie, wären die Stifte kaputt, noch bevor die Ferien zu Ende sind.
Als wir an zwei besonders wilde »Herden« vorbeifahren, wundern wir uns, denn »Mentas« hat jeder von uns mehr als reichlich.

»Nein, die kriegen die nächste Zeit nichts mehr«, erklärt unser Holländer, »die sind zu frech geworden.« Andere wiederum sind für eine Woche gesperrt und nochmals andere müssen an bestimmten Punkten warten, bis wir zu ihnen gehen, und dürfen auf keinen Fall die Straße überqueren, wenn sie Mentas haben wollen. So beinhaltet die Bonbonaktion wenigstens noch eine bisschen Erziehung.

Jagd nach Menta
Mentamentamentamenta...
schwangere 13-jährige

Als ein kurzer Regenschauer einsetzt, halten wir bei einer früheren Kneipe. Da diese nicht mehr betrieben wird, ist hier eine 13jährige mitsamt ihres jüngeren Bruders eingezogen. Ihren Freund sehen wir nicht. Obwohl Hennie sie nicht kennt, gewährt sie uns sofort Unterschlupf und bringt sogar mehrere Plastikstühle auf die überdachte Veranda. Dabei fällt uns ihr dicker Bauch auf. Und ja, das Mädchen ist hochschwanger.
Beschämt stellen Annette und ich fest, dass wir ihr nichts geben können, außer den billigen Mentas. Bonbons sind aber mit Sicherheit das Letzte, was die Kleine braucht.
Abends zumindest erklärt sich Hennie bereit, ihr fünf Kilo Reis von uns auf der nächsten Fahrt mitzubringen und erzählt, dass er solche Einkaufsfahrten gemacht hat, als er noch mit Reisegruppen über die Grenze nach Haiti fahren konnte. »Da darfst Du eigentlich nur nackt zurückfahren, so arm sind die Leute dort.«

VG Wort
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