Nasenbären bei La Fortuna

Wenn sich die Straße in einen Nasenbär-Freizeitpark verwandelt

La Fortuna oder richtiger Fortuna de San Carlos ist der wichtigste Ausgangspunkt für Touren zum Vulkan Arenal. Neben einigen Hotels, Restaurants und Reisebüros gibt es Läden, Apotheken und Geldautomaten in der Stadt. Damit diese gut gefunden werden, ist die Hauptstraße mit Plakaten komplett zugehängt.

Genau das zu finden, was man gerade braucht, ist also reine Glückssache. Schlimmer jedoch ist, dass die Hauptstraße auf einem Teil eine Einbahnstraße ist. Wer aus der Richtung des Vulkans in die Stadt fährt, merkt dies dann an den winkenden Ladenbesitzern... Den entgegenkommenden Verkehr hingegen stört es wenig, ist man hier doch Geisterfahrer gewohnt.

La Fortuna und der Blick zum Vulkan Arenal
Blattschneiderameisen bei La Fortuna

Neben geführten Touren zum Vulkan werden bei Fortuna vor allem Ausritte und Quadtouren angeboten. Aber auch Canopy-Touren (das ist ähnlich einem Flying Fox, nur dass es von einer Baumkrone zur nächsten geht) und Spazierwege über Hängebrücken stehen im Angebot. Schöner ist es aber sicherlich, abends in einer der Thermen zu Entspannen und Kräfte für den nächsten Tag zu sammeln.

wir wollen auch aufs Bild
Schmutzstraße zum Wasserfall

Dabei soll es möglich sein, die vulkanischen Aktivitäten zu beobachten. Wenn er richtig ausbricht oder eine pyroklastische Wolke ins Tal stürzt, sitzt man allerdings besser nicht im Tabacón. Dieses liegt nämlich in der höchsten Gefahrenzone des Vulkans, in der auch nicht mehr gebaut werden darf - mal ganz abgesehen davon, dass es eh überteuert ist.

mit dem Quad über Stock und Stein
mit dem Pferd ist es da schon einiges ruhiger
10 Dollar, nur für einen Wasserfall, sind doch reichlich unverschämt

Überteuert ist auch der Cascada La Fortuna. Von der Arenal Oasis Eco Lodge sind es zwar nur rund zweieinhalb Kilometer bis zum Wasserfall und damit bietet sich dies für uns geradezu als Ziel an.
Weil sich der Wasserfall auf privatem Grund befindet, sollen wir zehn US-Dollar zahlen. Das nur für ein paar Minuten gucken und vielleicht einen Sprung ins Wasser? Das ist doch etwas zu viel für unseren Geschmack - Wasserfälle gibt es genug andere in Costa Rica.

Stau durch Nasenbären zwischen La Fortuna und Arenal

Als wir in unserem Reiseführer gelesen hatten, dass an der Straße von La Fortuna zum Arenal oft Nasenbären zu sehen sind, hatten wir ja wirklich Hoffnung, mit etwas Glück ein paar der Tierchen zu entdecken. Gestärkt wurde dies vor Ort durch die Schilder »Don´t feed the animals« - »Tiere füttern verboten«.

Und tatsächlich: auf dem Weg zum Vulkan hält der Wagen vor uns an und sehen wir im nächsten Moment eine Bande Nasenbären auf der rechten Straßenseite entlanglaufen. Welch ein Glück!!!

Nasenbären nahe La Fortuna
hier wird gebettelt und geschnuppert

Als ich noch überlege, ob man hier aussteigen kann, kommt hinter uns schon der gesamte Verkehr zum Erliegen. Überall hüpfen die Reiseleiter und Urlauber, Eltern und Kinder aus den Bussen und Pkws, werden Kameras gezückt und beginnt die Jagd auf die besten Bilder.

Denn, so wissen wir spätestens jetzt, »Füttern verboten!« heißt nichts anderes, als dass hier ab und zu etwas Essbares aus den Fahrzeugen fällt und sich die Tiere so daran gewöhnt haben, dass der Verkehr für sie eine Art Essen auf Rädern darstellt.

Nasenbär
sie kennen keine scheu

Die natürliche Scheu ist ihnen fremd. Im Gegenteil, dauert es nur wenige Sekunden, bis die zweite Familienbande die Straße herunter und auf uns zu hoppelt. Bei den Menschen angekommen, bewegt sich ihre Nase immer auf und ab, betteln sie um Nahrung und machen Männchen, um die hingehaltenen, lockenden Hände zu kontrollieren.

Als sie schließlich bei einem Mann Erfolg haben, beschimpft ihn einer der Busfahrer. Auf der einen Seite hat er sicher recht, weil es den Tieren nicht unbedingt gut tut. Andererseits dürfte er dann aber gar nicht erst anhalten, zählt er doch selbst zu den Nutznießern dieses Verhaltens.

noch ein Nasenbär
krieg ich jetzt was???
putzig, drollig, fast handzahm

Deswegen mag ich hier auch niemanden verurteilen, weil er ein Stück Zwieback oder ein bisschen Obst an die Tiere gibt. Als sich die Straße in einen Nasenbär-Freizeitpark verwandelt, wird es uns dann aber doch zu bunt.

Später sind wir dann froh, einen einzelnen Nasenbären zu finden, den wir ganz alleine beobachten können - ohne ihn anzulocken zu müssen.

VG Wort