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Tian´anmen

Platz zum Tor des himmlischen Friedens

Platz zum Tor des himmlischen Friedens

Die erste Nacht in Peking begann mit einer Zeitumstellungspanne. Warum auch stehe ich nach nur einer Stunde Schlaf schon auf? Warum auch stellt Annette ihre Armbanduhr nicht auf Ortszeit um? Warum auch brauche ich dann anderthalb Stunden, um zu registrieren, dass es nicht 6 Uhr morgens, sondern 12 Uhr in der Nacht war???
Die verheerende Kombination dieser Fragen raubte mir gleich mal vier Stunden Schlaf, was mich außerdem beinahe um den Verstand gebracht hätte )-:

Etwas müde, dennoch gut gelaunt, fuhren wir nach ca. drei Stunden Schlaf zum Platz des Tores zum Himmlischen Frieden (Tian´an Men). Auf diesem mit 500 m Breite und 880 m Länge größten Platz der Welt beendete Puyis Abdankung am 25. Dezember 1911 die Qing-Dynastie und damit das Kaiserreich. Vier Jahre später protestierten hier 3000 Studenten gegen die Versailler Verträge, durch welche die ehemaligen deutschen Konzessionsgebiete an Japan fielen.

Nach japanischer Besetzung und Bürgerkrieg zwischen den Republikanern und Kommunisten verkündete Mao Zedong am 1. Oktober 1949 an diesem Tor die Volksrepublik China.
Außerdem startete Mao 1966 an diesem Ort die blutige Kulturrevolution und wurden ab April 1976 tausende von Menschen, welche dem verstorbenen Zhou Enlai gedachten, verhaftet oder erschossen.

Polizist
Annette am Tian´anmen
Arbeiterdenkmal

Wer nach dem Ende der Kulturrevolution dachte, der Platz könne seinem Namen endlich gerecht werden, wurde 1989 eines besseren belehrt, als die chinesische Regierung in einem Amoklauf mit Panzern und Gewehren gegen friedlich demonstrierende Studenten vorging.

Mao

Mit Öffnung der Volksrepublik bestimmen nunmehr Touristen das Bild des großen Platzes.
Dementsprechend dienen die verbliebenen und sehr jung wirkenden Polizisten mehr der Sicherheit als der Überwachung demokratischer Energien. Fotografieren? Kein Problem, zumal die »Kinder in Uniform« wissen, wie lächerlich sie in ihren viel zu großen Mänteln und Hosen wirken.

Neben Arbeiterdenkmälern, roten Fahnen und dem »Maosoleum« trafen wir hier den ersten »Ekelfratz« der Reise. Ekelfratz deshalb, weil chinesische Kinder, kaum dass sie laufen können, statt Windeln eine Hose mit Schlitz vom Bauchnabel bis zum Steißbein tragen.

Dadurch können sich die Kinder je nach Bedürfnis niederhocken, auch wenn es mitten in einem Zug sein sollte ...
Als Ergebnis dieser Mode sieht man nun kleine Jungs, die sich beim Autole-Spielen hinknien und ihren Schniepel samt »Eiswürfele« dem kalten Nordwind aussetzen.

VG Wort
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