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Aufstieg zum Low’s Peak, dem höchsten Gipfel des Kinabalu

Obwohl wir früh ins Bett gehen, bekommen wir kaum ein Auge zu. Zum einen befindet sich unser Zimmer direkt neben dem Waschraum, den die Chinesen bis in den späten Abend für lautstarkes Rotzen nutzen (warum machen die das?), zum anderen müssen wir den Raum mit einem Japaner teilen, der abwechselnd schnarcht und mit den Zähnen knirscht. Um Punkt 2 Uhr klingelt dann der Wecker.

Ankunft um 5.07 Uhr auf dem Gipfel des Kinabalu
Am Low´s Peak herrscht ein ständiges Kommen und Gehen.

Nach einem leichten Frühstück nehmen wir um 2.30 Uhr den Aufstieg vom Laban Rata Resthouse hinauf auf den Low´s Peak, den höchsten Gipfel des Kinabalu, in Angriff. Es ist dunkel, sodass wir immer nur das kurze Stück Weg sehen, das von unserer Taschenlampe erhellt wird. Solange der Aufstieg über Treppen mit Geländern an beiden Seiten erfolgt, ist dies kein Problem.

Dann aber gibt es keine Treppen mehr und müssen wir uns stattdessen an Seilen hinauf hangeln. Abgesehen davon, dass einige Passagen sehr steil sind, haben wir oft keine Ahnung, ob wir uns im sicheren Abstand zur nächsten Kante befinden oder es nur einen, zwei Meter neben uns senkrecht nach unten geht. Zur Beruhigung: die Seile sind so gelegt, dass sie mittig über 20 bis 30 Meter breite Granitplatten führen.

Ausblick vom Low´s Peak über das letzte Wegstück zum höchsten Gipfel des Kinabalu

In der Nacht hat es sich abgekühlt, dafür aber ist der Himmel wolkenlos, sodass wir über uns in ein wahres Lichtermeer unzähliger Sterne blicken können. Dabei gilt: je höher wir kommen, desto mehr Sterne sind zu sehen.

Auch Sternschnuppen können wir in der oberen Region des Kinabalu beobachten. Schauen wir zur Ost- oder Westküste von Borneo, können wir außerdem von oben auf zwei Gewitter hinabblicken. Wir sind begeistert und endlich kann ich stolz sagen: »Das war meine Idee!«

schroffe Felslandschaft in der Gipfelregion des Kinabalu
mit Seilen gesicherter Aufstieg auf den Kinabalu

Da wir nur einen Rucksack mit dem nötigsten bei uns haben, kommen wir schneller voran als am ersten Tag. Um nicht zu sagen: viel schneller. Aber wer mag schon lange Pause einlegen, wenn es eisig kalt ist, der Wind einem um die Ohren pfeift und auf dem Weg selbst nichts zu sehen ist? Da sich vor uns nur eine handvoll Wanderer befindet, während unter uns ganze Karawanen den Berg empor steigen, wollen wir außerdem unseren Vorsprung möglichst halten.

Granitplatten am Kinabalu
einer der kleineren Gipfel des Kinabalu

Ab etwa 3800 Meter setzen mir der wenige Schlaf, die Kälte und die dünne Luft zu. Immer wieder muss ich einen Schritt zwei-, drei-, viermal setzen, bis ich wieder sicher im Gleichgewicht bin. Vor allem der finale Anstieg vom Joch zwischen dem Low´s Peak und dem St. John´s Peak, dem zweithöchsten Gipfel des Kinabalu, fordert seinen Tribut. 5.07 Uhr aber haben wir es geschafft und unseren ersten 4000er bezwungen.

Genau sind wir oben auf dem Low´s Peak satte 4095,2 Meter über dem Meer. Das Ziel, den Gipfel vor Sonnenaufgang zu erreichen, haben wir damit geschafft. Aber was heißt geschafft? Nach den ersten Beweisfotos müssen wir eine Stunde warten, bis es hell wird. Als im Osten Wolken zu sehen sind, welche die Sonne verdecken werden, schlägt Joseph vor, wieder abzusteigen. Das aber kommt natürlich nicht in Frage. Denn auch wenn wir bibbern, wollen wir den Gipfel auf jeden Fall erst verlassen, wenn es hell ist.

VG Wort
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