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Berliner Siegessäule

bei der Berliner »Goldelse«

Auf dem Weg durch den Großen Tiergarten zur Siegessäule wird deutlich, wie weitläufig der Große Tiergarten ist. Doch genau in diesem weiten Laufen liegt der Ursprung einer uns bekannten Redewendung. Einst wurde der Platz der Siegessäule unter Kurfürst Friedrich III. als Jagdstern, einem Element der barocken Gartengestaltung, angelegt.

Bis Anfang des 19. Jahrhunderts standen auf dem »Großen Stern« genannten Platz Sandsteinstatuen aus der antiken Mythologie. Die Berliner nannten diese schlicht »Puppen«. Und an den Wochenenden war es schick, einen Spaziergang »bis in die Puppen« zu unternehmen. Von der räumlichen Ausdehnung übertrug sich der Sinn irgendwann in eine zeitliche, bedeutet aber nach wie vor »sehr lange« oder auch »sehr spät«.

die Siegessäule in Berlin
die »Goldelse« auf der Siegessäule
in der kreisrunden Säulenhalle der Siegessäule

Die mythischen Statuen mussten 1938/39 der Siegessäule weichen. Diese erinnert an die preußischen Kriege bzw. deutschen Einigungskriege gegen Dänemark, Österreich und Frankreich. Mit der Vision einer »Welthauptstadt Germania« im Kopf, wollte der Architekt Albert Speer der Ost-West-Achse der Stadt damit einen markanten Bezugspunkt setzen.

Gleichzeitig stockte er sie um 7,5 Meter auf. Und auch wenn es sich die Franzosen nach dem Zweiten Weltkrieg anders wünschten, thront bis dato die 8,3 Meter hohe und 35 Tonnen schwere bronzene und vergoldete Siegesgöttin Viktoria auf der Säule. Anstatt der »Puppen«, haben die Berliner nun ihre »Goldelse«, wie sie die Göttin liebevoll bezeichnen.

Decke der kreisrunden Säulenhalle der Siegessäule
die Goldelse auf der Siegessäule von Berlin
Stahlplatte mit Ronald Reagan in Berlin

Wer will, kann auf dem Weg zur Säule Kopf und Hals riskieren. Er braucht nur versuchen, den Kreisverkehr drum herum zu überqueren. Und ja, solche Leute gibt es, die sich später über den gefährlichen Zugang beschweren. Wir jedoch nutzen lieber eine der sicheren Unterführungen. Zum Glück ist der Andrang bei der Säule während unseres Besuchs überschaubar. Auch dies haben wir sicherlich ein Stück weit dem bevorstehenden Sturm zu verdanken,

welcher uns jetzt schon um die Ohren pfeift und den Himmel in ein düsteres grau erscheinen lässt. Trotzdem besuchen wir das Museum im Sockel und steigen die 285 Stufen hinauf zur Aussichtsplattform. Gebeutelt von heftigen Böen stellen wir fest, die Goldelse hat einen wirklich schönen Blick über Berlin. Doch ist ihr exponierter Platz heute eher lausig kalt – mal abgesehen davon, dass mehrere besonders kräftige Windstöße den oberen Teil der Säule spürbar ins Schwanken bringen.

285 Stufen führen auf die Siegessäule von Berlin

Sowjetisches Ehrenmal

Sowie alle Aufnahmen im Kasten sind, wird es langsam Zeit für den Rückweg. Dieser führt uns an einem der drei Sowjetischen Ehrenmale vorbei. Sie rühmen und ehren den 80.000 Soldaten der Roten Armee, die in der Schlacht um Berlin gefallen waren. Das Ehrenmal im Großen Tiergarten wird von den beiden russischen Panzer flankiert,

welche 1945 als erste Berlin erreicht haben sollen. Passend stehen sie an der Straße des 17. Juni, welche ihrerseits an den DDR-Aufstand von 1953 erinnert. Weniger ruhmreich wurde dieser friedlich begonnene Protest von russischen Panzern blutig niedergewalzt.

Panzer beim Sowjetischen Ehrenmal im Tiergarten
Sowjetisches Ehrenmal im Großen Tiergarten

Nur wenige Meter vom Sowjetischen Ehrenmal entfernt blickt uns Ronald Reagan von einer Stahlplatte aus entgegen. An diesem Ort forderte der Präsident der Vereinigten Staaten am 12. Juni 1987 von Michail Gorbatschow: »Wenn sein Land aufrichtig nach Frieden strebe, solle er das Brandenburger Tor öffnen und die Berliner Mauer niederreißen«. Am Tag seiner Rede schien ein solches Szenario noch in weiter Ferne.

Doch zweieinhalb Jahre später, am 9. November 1989, war es soweit: in einer gleichermaßen verwirrenden wie auch überraschenden Ankündigung rief Schabowskie die sofortige Reisefreiheit für die Bürger der DDR aus. Stunden später gaben die Grenzer an den Schlagbäumen nach und strömten die Menschen aus dem Berliner Osten durch die Öffnungen der Mauer.

VG Wort
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