Vulkan Capelinhos

Wanderung Ponta dos Capelinhos 4/6

Auf der linken Seite des Leuchtturms an der Ponta dos Capelinhos führt ein schmaler Fußweg an die alte Geländekante. Was wir unterhalb sehen, ist durch die Ausbruchserie des Vulcão dos Capelinhos entstanden. Eine erste Vulkaninsel, die nach den ersten Eruptionen am 10. Oktober 1957 hufeisenförmig auf einer Länge von 600 Metern bis zu 100 Meter hoch aus dem Meer ragte, fiel jedoch bald wieder in sich zusammen. Noch bis Monatsende war die Insel wieder komplett vom Meereswasser bedeckt.

Allerdings hatte das viele Material den zuvor 70 Meter tiefen Meeresboden deutlich angehoben. Dadurch brachten die im November folgenden, ebenfalls heftigen Eruptionen eine neue Insel hervor, die ab dem 12. November über eine neue Landbrücke mit Faial verbunden war. Über einen Zeitraum von 13 Monaten kam es immer wieder zu Ausbrüchen, bei denen Lavabrocken bis zu 500 Meter hoch in die Luft geschleudert wurden oder als Strom ins Meer abflossen. Den Erschütterungen und dem Ascheregen fielen 300 Häuser zum Opfer.

Vulkan an der Ponta dos Capelinhos
Pfad auf den Vulkan an der Ponta dos Capelinhos

Bis heute gleichen weite Teile des Ausbruchgebietes noch immer einer Mondlandschaft. Wohl aber treffen wir bei der alten Geländekante auf einen gut befestigten Fußweg. Wir nutzen diesen für einen Abstecher auf die noch junge Halbinsel der Azoren. Wo der Weg unterhalb des Leuchtturms ein lockeres, zum Meer abfallendes Lavasandfeld kreuzt, ist dieser mit einem einseitigen Zaun gesichert.

Die offenen Steilwände sowie auch eine aus härterem Material bestehende Lavasäule dienen heute Seevögeln als Brutrevier. Von allem Flussseeschwalben und Rosenseeschwalben sowie Gelbschnabel-Sturmtaucher nutzen die Plätze für die Aufzucht ihrer Jungen. Um die Natur zu schützen, wurde hier das Natura2000-Gebiet Caldeira und Capelinhos eingerichtet.

Fingerfelsen beim Leuchtturm
Trampelpfad auf dem Vulcao dos Capelinhos
Blick vom Vulkan zum Leuchtturm an der Ponta dos Capelinhos

Auf etwa 30 Meter über dem Meer durchschreiten wir den tiefsten Abschnitt des Fußwegs. Danach folgt der Aufstieg zu einer 90 Meter hoch gelegenen Geländekante auf der Westseite des Volcão dos Capelinhos. An sich wären die 60 Höhenmeter relativ schnell zu bewältigen. Allerdings ist der Untergrund rutschig, sodass wir deutlich mehr Kraft aufwenden müssen als auf hartem Gestein.

Zudem sind wir auch hier wieder dem Wind ausgesetzt, der das Vorankommen zusätzlich erschwert. Sowie wir die Kante erreicht haben, liegt der kräftezehrende Abschnitt aber auch schon hinter uns. Da der weitere Weg erst um ein sanft zum Meer abfallendes Lavasandfeld, dann zwischen zwei Erhebungen des Vulkans führt, kommen wir auf dem Weg zum Westende aber umso besser voran.

Annette auf dem Weg an die Abbruchkante des Vulkans
Abbruchkante des Vulkans von Capelinhos

Dabei lohnt es sich auch hier, immer wieder mal stehen zu bleiben und den Blick über den Vulkan schweifen zu lassen. Denn bis heute ist der Boden so karg, dass man sich in eine Mondlandschaft versetzt fühlt. Das ist wohl auch ein Grund, warum der nur 3,2 Kilometer lange Rundweg trotz des nur mittleren Schwierigkeitsgrad vor Ort mit einer Dauer von zwei Stunden angegeben ist.

Wir indes belassen es beim Abstecher zur westlichen Kante. Hier sind die Asche und der Lavasand weitgehend ins Meer gespült worden, sodass die hier überwiegend roten Vulkanfelsen offen zutage treten. Apropos treten: es wird dringend davon abgeraten, zu nah an den Rand der Klippen heranzutreten. Denn immer noch ist das Gestein an vielen Stellen instabil und brechen auch mal größere Teile ab.

Vulcao dos Capelinhos
das 1956/57 entstandene Ufer unterhalb des Leuchtturms an der Ponta dos Capelinhos
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