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Aufstieg auf den Piquinho

Wanderung auf den Pico 4/5

Bis zum Kraterrand vom Montanha do Pico hatten wir uns richtig gut gefühlt. Vor allem Annette ist stolz auf ihre Tagesleistung. Um nicht zu sagen, die ersten 1000 Höhenmeter ist sie einer Gäms' gleich den Berg hinauf gesprungen. Bleibt die Frage, ob es an ihrem neuen Rucksack liegt oder an den anderthalb Litern Wasser, die sie mit sich schleppt. Denn bisher war sie auf den Azoren ohne solchen Ballast unterwegs, dafür aber nur halb so schnell.

Nach einer Dreiviertelstunde am Kraterrand mit leider wenig Sicht raffen wir uns wieder auf. Den im Wanderführer beschriebenen senkrechten Abstieg zum Kratergrund können wir nicht finden. Dafür aber einen Pfad, der bequem schräg hinunter führt und von allen Bergsteigern, die es hierher geschafft haben, mühelos gemeistert wird. So wie wir den Grund erreicht haben, bessert sich nochmals die Sicht, sodass wir den Piquinho schemenhaft sehen.

Pico - Aufstieg durch den Krater zum Piquinho
Wandergruppe am Piquinho

Mut macht auch der Himmel, an dem direkt über uns wieder ein paar blaue Flecken zu sehen sind. Wäre doch gelacht, wenn es die Sonne nicht schafft, sich gegen die Mischung aus Nebel und Wolken über der Caldeira durchzusetzen, zumal wir nach der Wartezeit am Kraterrand endlich wieder Schatten auf den Boden werfen. Weniger glücklich sind wir indes über weitere Wandergruppen, die sich unbeholfen über den bald wieder ansteigenden Pfad mühen.

So müssen wir immer wieder auf die Seite ausweichen, um an ihnen vorbeizukommen. Aber so ist das wohl, wenn die Wanderführer jeden mitschleppen, der sich für den Ausflug interessiert. Für ein paar Euro mehr müssen sie nun ganz schön schuften, um auch den letzten ihrer Gruppe von einer Hürde zur nächsten hochzuziehen. Aber was tut man nicht alles, um schlechten Bewertungen vorzubeugen und kein Ausfall der Trinkgelder zu riskieren?

Kletterpfad auf den Gipfel des Piquinho, dem kleinen Vulkankegel im Pico
Annette auf dem Gipfel des Pico, dem höchsten Punkt von Portugal
Gipfel des Piquinho

Um Punkt 14 Uhr haben wir den Gipfel erreicht und stehen auf dem mit 2351 Meter über dem Meer höchsten Punkt von Pico, den Azoren und ganz Portugal. Anstelle des lauen Lüftchens am Kraterrand bläst uns nun ein kühler Wind um die Ohren. Es ist ungemütlich. So fühlen wohl auch ein paar Marienkäfer, die auf Annettes Jacke Schutz suchen. Ich selbst habe mir auf dem letzten Abschnitt das Knie angeschlagen, was jedoch zum Glück ohne Folgen blieb.

Die erhoffte Fernsicht über das Archipel hingegen fällt komplett flach. Wir selbst stehen zwar mehr oder weniger in der Sonne. Nur wenige Meter unter uns aber unterbinden dichte Nebelschwaden jede Aussicht. Sowie eine Gruppe gleich nach dem Erreichen des Gipfels augenblicklich den Abstieg antritt, befinden sich außer uns nur noch eine Handvoll deutsche Wanderer auf dem Piquinho. Bald sind wir uns einig, dass die Tour völlig übertrieben dargestellt wird.

Lars auf dem Gipfel des Piquinho
Blick vom Pico über die Wolken

So fordert der Aufstieg zwar eine gute Kondition am Berg. Eine gute Ausrüstung mit griffigen Wanderschuhen und Stöcken vorausgesetzt, ist er aber technisch gut zu meistern. Auch gegen die Kälte oben auf dem Gipfel finden wir ein Rezept: etwa zwei Meter südwestlich des Gipfels steigt noch immer Wärme aus dem Vulkan nach oben. Würde man ein Zelt darüber aufspannen, könnte man sich bald über eine Sauna freuen. Nach dem Schwitzbad bräuchte man dann nur fünf Meter nach Norden laufen, wo es sehr viel kälter ist.

Leider bleiben die Nebelschwaden und Wolken diesmal hartnäckig. Hie und da gibt zwar die ein oder andere Lücke den Blick frei. Insgesamt aber bleibt die Aussicht weit von dem entfernt, was uns zuvor versprochen wurde. So verlassen wir um 14.50 Uhr den Gipfel wieder, wobei wir diesmal gut aufpassen müssen. Denn auf dem vulkanischen Gestein bleibt man leicht mal mit dem Fuß hängen. Auch kann es passieren, dass die Wanderer direkt über einem einen Stein lostreten.

Pico | Aufstieg auf den höchsten Berg Portugals

Eindrücke von einer windigen und wetterwechselhaften Wanderung auf den Pico, den höchsten Berg der Azoren und von Portugal.

Viertel nach drei sind wir dann wieder auf dem Kraterrand. Ohne erneute Pause machen wir uns sogleich auf den weiteren, langen Abstieg. Denn von dem sonnigen Wetter am Vormittag bleibt nur noch die Erinnerung. Es hat sich zugezogen. Zudem gehen immer wieder leichte Regenschauer nieder. Jetzt sind wir froh, unsere guten Regenjacken dabei zu haben. Auch erweisen sich die Stöcke auf dem bald glitschigen Untergrund als große Hilfe. Bis um 16 Uhr wird außerdem klar, warum die Pfosten so nah beieinander stehen. So müssen wir eine Weile suchen, bis wir beim Pfosten 27 den Pfosten 26 entdecken. Von Sichtweite zumindest kann keine Rede mehr sein. Zum Glück endet der Regen beim weiteren Abstieg.

Wie beim Aufstieg haben wir auch jetzt wieder optimale Bedingungen. Allerdings weniger zum Wandern sondern zum daheim in der Infrarotkabine sitzen oder sich auf ein leckeres Raclette-Essen mit einem Gläsle Rotwein zu freuen ...
Obwohl sich vor und hinter uns zwei größere Gruppen befinden, ist um uns herum niemand zu sehen. Um 17 Uhr haben wir unsere angegebene Rückkehrzeit zur Basisstation verpasst. Allzu weit ist es jedoch nicht mehr, sodass wir die letzten Meter gemütlich bergab laufen können, eh wir nach ziemlich genau acht Stunden nach unserem Start unten ankommen. Wir sind etwas traurig über das oben und im Abstieg schlechte Wetter, aber stolz, den höchsten Berg Portugals so gut bewältigt zu haben.

VG Wort
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